Schwatzke hat geschrieben:
ich habe hier gelesen und auch in letzter Zeit selber beobachtet, dass immer mehr Rotortugs in Hamburg und Bremerhaven
im Einsatz sind. Ich frage mich nur wieso diese Schlepper so beliebt sind, denn ein ASD müsste doch ökonomischer sein in Anschaffung,Betrieb und Unterhalt
bei vielleicht sogar besserer Kursstabilität.
Es kommt darauf an, wofür die Schlepper gebraucht werden. Ein ASD-Schlepper ist sicher für Seeverschleppungen und Manöver mit größerem Manövrierraum sehr gut geeignet, im Hafen hat er aber Nachteile gegenüber einem Schottel-Traktor oder einem Voith-Schneider-Traktor. Die Traktor-Schlepper haben 2 Antriebe unter dem vorderen Teil des Schiffes und können daher die gefährlichen Manöver beim Mitlaufen des Schiffes besser fahren, da sie besser steuerbar sind und die Gefahr geringer ist, dass sie ausbrechen und unter den Bug des zu schleppenden Schiffes geraten. Darüber hinaus können sie "auf dem Teller drehen" und auch seitwärts mit hoherm Pfahlzug und auch noch ganz flott fahren. Insgesamt ist die Manövrierfähigkeit und Wendigkeit besser, als bei einem ASD. Die modernen ASD benötigen sogar ein Bugstrahlruder, um ausreichend manövrieren zu können. Dem Ausbrechen des Schiffes wird auch durch eine erheblich größere Breite des Schiffes begegnet.
Die Voith-Schneider und Schottel-Schlepper haben aber heute ein anderes Problem: Tiefgang. Während viele Jahre diese Schlepper bei 30-50to Pfahlzug ganz ordentlich dimensioniert waren, vergrößert sich der Tiefgang bei den modernen 60-90to Schleppern ganz beträchtlich. Z.T können diese Schlepper nicht mehr voll gebunkert (mit vollen Tanks) im Hafen operieren. Die Rotortugs haben dieses Problem dadurch gelöst, dass sie statt 2 nun 3 Schottelantriebe (2 vorne, 1 hinten) haben. Dadurch können die Antriebe kleiner ausfallen.
Ich zitiere hier nachfolgend einmal die folgende Seite:
http://www.tugboats.de/rt_innovation.htmlAllgemein: Ein Rotor®-Schlepper ist, einfach ausgedrückt, ein Traktorschlepper mit Ruderpropellern, beim dem die achtere Heckflosse durch einen dritten Ruderpropeller ersetzt wurde. Damit sind alle Bewegungen möglich, die auch der normale Traktorschlepper durchführen kann. Durch den dritten Ruderpropeller ist der Rotor®-Schlepper aber agiler, da größere resultierende Schubkräfte für jede Aufgabe zur Verfügung stehen. Ein Indiz dafür ist ein Vergleich der 360° Drehung innerhalb der Schiffslänge von z.B. RT INNOVATION mit der vergleichbar langen und ähnlich motorisierten JADE von URAG. RT INNOVATION dreht in 24 sec., die JADE in 31 sec. Seitwärts fahrend erreicht ein Rotor®-Schlepper eine Geschwindigkeit von 6 kn und 95% des maximalen Pfahlzuges (Propellerschubs). Im Vergleich dazu sind es beim Voith-Schneider-Traktor ca. 60%, beim Traktor mit Ruderpropellern ca 45% und beim ASD-Schlepper ca. 30%. Der tatsächliche Wert dieser Eigenschaften ist nur schwer einzuschätzen, da viele Veröffentlichungen Kotug-Werbeaussagen wiedergeben. Zudem treten die besonderen Eigenschaften immer gemeinsam mit dem extrem großen Pfahlzug von ca. 78t auf. Da ein Rotor®-Schlepper sehr hohe Zugkräfte in jeder Richtung aufbringt, entfällt beim Richtungswechsel das Repositionieren des Schleppers in Richtung des Schleppseils. Dieser ist bei Traktorschleppern erforderlich, wenn die volle Zugkraft erforderlich wird. Damit und dem hohen Pfahlzug kann in sehr engen Revieren, wie z.B. Schleusen, sehr schnell, effektiv und mit weniger Schleppern gearbeitet werden. Der dritte Propeller ist dabei eigentlich nur bei Extremverhältnissen bedeutsam. Unter normalen Bedingungen brächte ein VS-Traktor mit 80t Pfahlzug seitlich auch ca. 50t, was nach Aussage von Kotug in 90% der Fälle ausreicht. Diese 50t Pfahlzug erreicht ein Rotor®-Schlepper noch, wenn eine Antriebseinheit ausfällt. Eindeutiger Vorteil ist der vergleichsweise geringere Tiefgang bei gleicher Leistung. So hat die RT CLAIRE, ein neuer Rotor®-Schlepper des Typs RT60 mit ca 70t Pfahlzug, einen Tiefgang von 5,90m, die BUGSIER 1 mit 58t Pfahlzug einen von 6,40m. Selbst die im April 2006 von der Bugsier Reederei bestellten RT80r mit 80+t Pfahlzug haben haben nur 5,95m Tiefgang.
Zu der anderen Vermutung:
Könnte es vielleicht daran liegen, dass ein ASD Peter für Bremerhaven zu klein ist und ein Rotug auch in Bremerhaven aushelfen könnte?!
In Bremen sind die Manövrierverhältnisse etwas anders, als in Hamburg. Die großen Pötte (die Autogaragen) müssen erst durch die Schleuse, um zu ihrem Liegeplatz zu kommen. Da müssen in die Schleuse neben dem Transporter auch noch 2 Schlepper passen, die (zumindest nach der Kaiserschleuse) noch den Transporter um eine ziemlich schmale Ecke bringen mussten. Da ist Wendigkeit und ein möglichst kompakter Schlepper gefragt.
Speziell zu Peter: meines Wissens ist die Peter (bzw. die Reederei) gar nicht in Bremerhaven tätig. Dort sind doch Bugsier, URAG und Kotug tätig.