diesmal kommt der vorerst letzte Eis-Reisebericht. Der Erste kam ja mit Hinblick auf die zweistelligen Danksagungen gut an, was mich erfreut
Die ersten beiden Eisfahrten waren so schön, dass ich mich dazu entschloss, noch eine solche Kurzreise zu unternehmen.
Natürlich erscheint die unten angefügte Strecke ungewöhnlich, wenn man an den Ausgangshafen denkt.
Doch das war eine gute Möglichkeit und ich suchte mir wieder die passenden Fahrtzeiten raus. Es sollte sogar ohne einen Umstieg möglich sein!
Vor der Buchung musste ich jedoch in Erfahrung bringen, ob man in Trelleborg an Bord bleiben dürfte.
Es war möglich.
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~ ~ ~ Tag 1/2 ~ ~ ~
Die Anreise erfolgte wieder (wie all die Jahre) mit dem Zug ab Berlin über Güstrow bis Rostock, wo ein Umstieg in die Straßenbahn erfolgte.
Ab Dierkow ging es mit dem Bus hinauf in den Überseehafen. Bis auf wenige und zum Glück minimalste Verzögerungen und einem Zeitpuffer, lief alles glatt.
Am TT-Schalter erhielt ich meinen Fahrschein sowie die Kabinenkarte.
Ich hatte die Letzte gebucht. Meine Fähre kam mit Verspätung und der Terminalbus, der die Passagiere abholen sollte, nahm mich gleich mit.
~ ~ ~ Strecke: Rostock – Świnoujście ~ ~ ~
~ ~ ~ über: Trelleborg ~ ~ ~
~ ~ ~ Schiff: HUCKLEBERRY FINN (1988) ~ ~ ~
Gleich an Deck angekommen wurde ich bei der Information vorstellig.
Während der Reise bis Trelleborg wurde ich für die Weiterfahrt eingecheckt. So konnte ich länger schlafen.

Die Einschiffung erfolgte hier über den Treppenturm.

Vor uns sollte die MV ablegen. Es war 22:00 Uhr durch.



Kurz vor Mitternacht wurden die Leinen losgeworfen.



Nachdem wir Warnemünde an Backbord liegen gelassen hatten, …

… grüßte mich nur noch das grüne Molenfeuer West, ...

… sowie der Leuchtturm, der seit 1898 den Seefahrern den Weg weist [https://www.deutsche-leuchtfeuer.de/ost ... uende.html].

Sein weißes Licht hat eine Tragweite von 20 Seemeilen, wie dem Link zu entnehmen ist.
Ab in die Koje! Für die nächsten rund sechs Stunden bekam ich die Augen zu.
~ ~ ~ Tag 2/2 ~ ~ ~
Das Anlegen in Trelleborg kurz nach 06:00 Uhr schenkte ich mir, hatte ich doch meine eigene „Liegezeit“.
Jedoch kurz vorm Ablegen, als wieder die Hydraulikpumpen hochgefahren wurden, wollte ich doch mal gucken.

Vor uns lag eine bereits abgeräumte Aufstellfläche. Das was Ihr links seht, war leider kein Sonnenaufgang.

Mit einer minimalen Verspätung, die eigentlich keiner Erwähnung würdig war, legten wir kurz nach 07:00 Uhr ab.


Zum Frühstück was bis 08:00 Uhr serviert wurde, erschien ich rechtzeitig. Es war ok und mit einem Fensterplatz war es noch annehmlicher.
Sehr voll war unsere Fähre diesmal nicht. Im Bordshop konnte ich noch einpaar Andenken für meine Sammlung finden.
Ich zog mich auf meine Kammer zurück.

So lauschte man dem Reprassel des Regens, wissend, das dieser Höhe Rügen nachlassen sollte. Man kam zur Ruhe.

Doch dann! Eis voraus! Wir waren bereits auf Höhe von Sassnitz.

Zum Glück waren drei Scheiben der Cafeteria ein Deck über mir nahezu frei von Tropfen.
So pflügte sich unsere HUCKLEBERRY FINN durch das Eis. Es polterte, krachte, teilweise schien es als erzitterte nur leicht der Boden.
Das war ein Erlebnis! Mein ursprünglicher Plan sah vor, mit einer Finnlines-Hansaklasse diese Fahrt zu machen.
Doch zusammenhängend betrachtet, was diese Entscheidung platinrichtig.


Das Eis brach auf und trieb unter klaffenden Rissen zunehmend auseinander.



Kurzzeitig wurde auch nocheinmal Ruder gelegt und in einen Eiskanal gesteuert.



Bereits nordöstlich der Greifwalder Oie durchfuhren wir …

… noch etwas Treibeis.

Polen war nicht mehr fern! Die Gastflagge wurde gesetzt.

Schließlich kam wieder die Mühlenbake von Swinemünde in „Sicht“.


Einen Schüttgutfrachter, die HONG RUN (IMO: 9180803), die zuvor in Constanta RO war, bekam ich hier noch.

Im Umfeld des Leuchtturms befand sich bis zu dessen Abtragung der Ort Osternothafen [https://pictures.abebooks.com/inventory/30727906534.jpg].
Näheres zur sehenswerten Geschichte könnt Ihr Euch auch hier ansehen [https://www.swinemuende.eu/zur-geschich ... r-hafenbau].



Ich dankte auch noch der freundlichen Besatzung an der Information.
Pünktlich machten wir fest und zeitnahe wurden wir von einem Besatzungsmitglied über das Fahrzeugdeck an Land bis hin zum nächsten Treppenaufgang der Fußgängerbrücke geführt. Zum gesamten Erlebnis gehört sowas irgendwie auch mit dazu, finde ich.

Besonders war diese Eisfahrt auch, weil diesmal das älteste Schiff der Flotte eingesetzt wurde.

Blick von der Swinefähre durch eine der Klüsen. Das Wetter lud nicht ganz zum Fotografieren ein.
Die Rückreise verlief wie beim letzten Mal, nur dass ich mir wegen des Nebels die Adlerschiffe sparte.
Stattdessen sah ich mich noch etwas in der Stadt um. Bis zur Abfahrt meines Zuges war noch Zeit und der Weg einfach: zur Kirche, rechts, dann geradeaus.

Hier an der früheren Lotsen- Ecke Gartenstraße konnte ich dieses restaurierte Gebäude finden.
Ich glich einen aktuellen mit einem historischen Stadtplan ab.
Heute kreuzen sich hier die Straßen Bohaterow Wrzesnia (Lotsenstraße) und die Monte Cassino, die bis 1945 noch Gartenstraße hieß.
Noch kurz vor dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde das damalige noch verschonte Sol- und Seebad Swinemünde durch Luftangriffe schwer getroffen.
Dazu das hier [https://paz.de/artikel/das-grauen-ueber ... 13846.html].
Viele, zu viele, tausende Menschenleben fanden auf dem Golm, einem Massengrab südlich auf deutscher Seite und nahe Kamminke ihre letzte Ruhe.

In einigen Straßen und vielen Stellen findet der Besucher diese Bilder vor, die wie ein stilles Fenster in die Vergangenheit da stehen.
Wer gerne etwas weiter in der bildlichen Swinemünder Vergangenheit forschen möchte, klicke hier [https://fotopolska.eu/m35236,Swinoujscie.html].
Dort könnt Ihr auf interaktiven Stadtplänen und polenweiten Karten historische Einblicke der jeweilen Orte einsehen, die Euch interessieren.
Hier kommt sogar der Trajekt vor, den ich im letzten Eis-Reisebericht angesprochen hatte [https://fotopolska.eu/Dzielnica-Warszow ... a?map_z=18].
Oder hier, das zuvor genannte Dorf Osternothafen im Wandel der Zeit [https://fotopolska.eu/Swinoujscie/b5644 ... zelin.html].
Besonders sehenswert dürfte die Vergangenheit des heutigen, uns bekannten Fährterminal sein [https://fotopolska.eu/30892,obiekt.html?map_z=16].
Diese Seite ist ein wahrer Leckerbissen für Geschichtsfreunde und die, die es vielleicht noch werden wollen.

Bahnhof Świnoujście Centrum. Hinter diesen Gebäuden gingen früher die Gleise weiter.
Pünktlich trat ich die Rückreise über Züssow nach Berlin an.
Die Speicherkarte war gut mit Bildern gefüllt, das Gedächtnis mit tollen Gedanken an den Tag erheitert.
Das letzte Eis der Pommerschen Bucht wird nun bald fort sein. Nun darf jeder für sich auf einen ähnlichen Winter hoffen.
Ich hoffe, dass es Euch gefallen hat.
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Viele Grüße,
Johannes
