Endlich in Port Said angekommen und eine Internetverbindung, hier nun die Fortsetzung.
Tag 6
Am frühen Morgen wurde der Ärmelkanal passiert, den ganzen Tag über zeigte sich kaum eine Wolke am Himmel, die See war auch an diesem Tage glatt friedlich. Ab und zu ein überholendes oder zu überholendes Schiff brachten etwas Abwechslung, ansonsten war zum ersten Mal der Liegestuhl in Gebrauch.

Da wir fast bis zur letzten Tonne Tragfähigkeit beladen sind, erreichten wir mit der vorgesehenen Umdrehungszahl des Propellers und Dank der Strömung zeitweise an die 20 Knoten, ansonsten waren rund 18 Knoten unsere Geschwindigkeit. Das lässt den vorgesehen Fahrplan fraglich werden, Ankunft Dubai am 07.06. scheint nicht mehr Realität zu sein.
Tag 7
Beim Aufwachen am Morgen herrscht stockdicker Nebel, nichtmal der Bug des Schiffes war zu sehen, im Minutentakt tutete das Nebelhorn. Doch recht rasch lichtete sich der Nebel und die Sicht wurde besser. Nun, mitten in der Biskaya, war die See nicht mehr ganz so glatt, aber doch recht friedlich, im Laufe des Nachmittags frischte dann der Wind kräftig auf und blies direkt von vorne, dies verlangsamte das Tempo noch mehr, rund 17 Knoten wurden nun noch erreicht. Das Wetter wechselt von Sonne zu starker Bewölkung, etwas Regen ist dabei, rasch klärt es danach aber wieder auf. Die Farbe des Wassers hatte sich auch verändert, erscheint es in der Nordsee oftmals eher grünlich als blau, ist dies nun zu einem satten blau geworden. Gegen Mittag war sogar für kurze Zeit der Rücken und die Rückenflosse eines kleinen Wales zu sehen, ein Highlight der Natur. Der Schiffsverkehr war recht gering, nur wenige Schiffe kamen bis auf Fotodistanz nahe, die meisten war nur in der Ferne oder im Radar zu beobachten. Gegen 20 Uhr wurde Cap Finisterrre erreicht und somit die Durchquerung der Biskaya vollendet, ab Cap Finisterre wird Kurs 180 Grad gesteuert, also genau Richtung Süden.

An Bord herrscht die übliche Routine, die Nautiker wechseln sich im Vierstundenrhytmus in der Wache ab, der Kapitän sitzt fast den ganzen Tag am PC und erledigt Schreibarbeiten und stöhnt über die dauernd zunehmenden Administrativarbeiten.
Tag 8
Der Wind hat sich wieder gelegt, der Seegang beruhigt, Wolken bedecken meist den Himmel, wir passieren vor der Portugiesischen Westküste weiter gegen Süden. Es ist ruhig auf dieser Wasserstrasse, Zeit für einen Spaziergang rund ums Schiff. Erst wenn man dem Wasser näher ist, merkt man, dass die ca 18 Knoten welche wir fahren, doch eine recht grosse Geschwindigkeit ist.
Beim Abendessen brilliert der in Antwerpen neu zugestiegene Koch mit einem delikaten Fischfilet, dazu kann man bei jeder Mahlzeit wählen zwischen Reis und Kartoffeln, zudem stehen meist Salate, Fleisch, Käse oder Früchte zur Verfügung. Auf Wunsch könnte ich auch eine Schale Früchte in der Kabine haben, also wird ich nicht verhungern.
Tag 9
Morgen gegen 5 Uhr waren wir an der Westseite der Strasse von Gibraltar, wolkenloser Himmel und fast Vollmond liessen die
Nacht hell erscheinen. Reger Schiffsverkehr in beiden Richtungen, dazu die ersten die Strasse querenden Fähren.
Leider war das Tageslicht noch zu gering um Fotos machen zu können.
Ausgehend der Gibraltarstrasse hatten wir einen kräftigen Wind und Seegang von hinten, das Mittelmeer war von weissen
Kämmen auf den Wellen übersäät.Mit dem Mittelmeer war auch plötzlich die Wärme da, den gnzen Nachmittag verbrachte ich
im Liegestuhl ein Deck unterhalb der Brücke, so konnte ich mir ab und zu ein Bild über den Schiffsverkehr um uns machen.

Nach dem Mittagessen kam die Aufforderung, schneller zu fahren, da wir sonst zu spät in Port Said sein würden.
Nun fuhren wir mit rund 22 Knoten gegen Osten, gegen Abend legte sich dann der Seegang auch etwas.
Die Überholung eines grossen Griechischen Gastankers bildete sozusagen den Schlusspunkt diese Tages.
Tag 10
Ich erwachte um ca 5 Uhr weil mein Natel verrückt spielte, ein Blick aus den Fenstern zeigte einen Vollmond der über
dem Wasser stand und in der Ferne die Lichter der Stadt Algier. In 7 SMS wurde ich von den Algerischen Telefongesell-
schaften willkommen geheissen. Nachdem ich rasch die Gelegenheit der Verbindung zu einigen SMS nach Hause nutzte,
schlief ich weiter, bis ich dann um halb acht endgültig aus dem warmen Bett musste um das Frühstück nicht zu verpassen.
Eine ruhige See, kaum mehr Wellen, dafür recht diesige Sicht und ein von Schleierwolken bedeckter Himmel prägten
diesen Tag. Es ging der Algerischen Küste entlang gegen Osten, immer wieder waren im Dunst Teile des Küstengebirges
auszumachen. Von der Charterfirma war eine neue Anweisung erfolgt, der Stopp in Jeddah fällt aus, neu soll es nach
der Passage des Suezkanals direkt nach Jebel Ali / Dubai gehen, geplante Ankunft am 08.06. um 08 Uhr.
Die Besatzung zeigte sich darüber erleichtert, Jeddah scheint ein eher unbeliebter Hafen zu sein. Die Besatzung darf dort
das Schiff nicht verlasen, nach Aussage des Kapitäns würden soagr die Kammern der Besatzung nach Alkohol durchsucht.
Ich wollte mich wieder in den Liegestuhl legen, vom Kamin her rieselte aber unablässig Russ herunter, so verzog ich mich
auf den vor wenigen Tagen frisch gemalten Bug des Schiffes, setzte ich an eine etwas windgeschützte Stelle und verbrachte
den Nachmittag mit Lesen, mich Sonnen und Gucken.
Hier mal ein Ausschitt aus dem AIS-Bildschirm dieses Tages, auch wenn eine Menge Schiffe drauf sind, der Seeraum ist so
gross, dass sich die Schiffe sehr breit verteilen.

Am Nachmittag gegen 16 Uhr, ich war eben zum Kaffee auf der Brücke, kam die telefonische Anweisung, die Fahrt zu
verlangsamen, neu sollten wir statt am 31.05. erst m Morgen des 01.06. in Port Said sein. So wurde die Geschwindigkeit
wieder stark reduziert, neu gehts mit etwa 15 - 16 Knoten weiter.
Tag 11
Da wir nun plötzlich wieder viel zu viel Zeit hatten, wurde kurz nach 8 Uhr südlich Sizilien die Hauptmaschine
abgeschaltet, das Schiff trieb im schwachen Wind langsam gegen Norden.Leider war die Sonne hinter Wolken veborgen,
so war es an diesem Tage nichts mit einem Sonnenbad. Auch die Sicht war eher mässig, viele Schffe konnten nur im
Radar und AIS verfolgt werden, aber zum Knipsen reichte es nicht. in derselben Fahrrichtung begegnen einem immer
wieder Schiffe die man schonmal überholt hat, oder die uns mal überholt haben. Es gleicht einem dauernden Katz-
und Mausspiel. Kurz vor Mittag passierte uns ein wunderschöner alter Gastanker, eine Rarität für Knipser die sich
sonst nur in den nördlichen Gefilden aufhalten.

Gegen 16 Uhr wurde die Maschine wieder gestartet, und die Fahrt ging weiter, vorbei an Malta, das
leider im Dunst nicht zu sehen war. Der Wind hatte recht aufgefrischt und wehte stark, auch der Seegang hatte
zugenommen, aber nicht in einer Stärke, die wirklich spürbar war. Dazu kam dann noch etwas Regen, was den Abend
zu einem Lese- und Bilderbearbeitungsabend machte.
Tag 12
Im Laufe der Nacht hatte sich der Wind gelegt, der Seegang beruhigt, ausser den Wellen unseres Schiffes war kaum
eine Bewegung auf dem Wasser. Als gegen Mittag dann die Sonne durch die Wolkendecke brach, war der Verlauf des
Nachmittages klar, Liegestuhl, Sonnen und Lesen war angesagt, dazwischen immer mal wieder ein Deck höher auf die
Brücke um zu gucken, was sich im Schiffsverkehr tat. Den ganzen Tag über waren wir mit rund 18 Knoten unterwegs,
also eher eine Bummelfahrt für ein Schiff, dessen Dienstgeschwindigkeit bei fast 24 Knoten liegt.
Tag 13
Wir waren noch immer viel zu früh, darum wurde etwa 250 Meilen vor Port Said nochmals ein Zwischenhalt eingelegt.
Von 08 - 16 Uhr lag das Schiff im strahlenden Sonnenlicht, kaum Wind, kein Seegang, ideal für ein Bootstrainig
für die Crew. Beide Rettungsboote sowie das Bereitschaftsboot wurden ausgesetzt und nach einer kleinen Runde
wieder an Bord gezogen.

Den Rest des Tages verbrachte ich lesend und dösend, wegen des fehlenden Fahrtwindes war
ein längerer Aufenthalt draussen nicht wirklich ratsam.
Grüsse aus Port Said
Andreas