Frachtschiffreise Hong Kong - Southampton live

juanito
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15. Januar 2010

Beitrag von juanito » Fr 15. Jan 2010, 10:24

Hier noch das Abendessen von gestern: Suppe, als Vorspeise Ravioli, als Hauptgang Wurst mit Kartoffeln und Broccoli, dazu Salat und als Nachspeise einen Apfel. Dazu gibt’s Mineralwasser und eine Flasche Bordeaux auf Kosten des Hauses (jeden Tag eine Flasche Tischwein). An viel Schlaf war nicht zu denken, die ganze Nacht hindurch wurde geladen. Um 7 Uhr, kurz nach dem Frühstück werden die Kräne eingezogen und wir werden rückwärts von der Anliegestelle weg gezogen. Wir passieren die grosse Hängebrücke, fahren an den riesigen Wolkenkratzern und Inselchen vorbei Richtung offenes Meer. Die Fahrt dauert nicht lange, denn bereits um 11.45 Uhr kommt der Lotse an Bord für Yantian. Das Anlagemanöver dauert ca. eine halbe Stunde, um 12.30 Uhr haben wir bereits im Hafen von Yantian festgemacht. Auf den Landurlaub verzichten wir und bleiben stattdessen an Bord und schauen beim Laden zu.

Live aus Yantian, China!
Juanito

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Re: Frachtschiffreise Hong Kong - Southampton live

Beitrag von juanito » Mo 18. Jan 2010, 10:23

Samstag, 16. Januar 2010
Bereits um 1.30 Uhr legen wir ab und fahren weiter Richtung Port Kelang. Xxx Seemeilen durchs Südchinesische Meer und durch die Strasse von Singapore trennen uns vom Zielort. 1950 TEU’s wurden zugeladen, damit haben wir die maximale Ladekapazität aktuell zu rund 85 % erreicht. Die Tages-Temperaturen nehmen stetig zu, bereits nach dem Frühstück mes-sen wir auf der Brücke 24 Grad. Nur selten kreuzen wir andere Schiffe, die Sichtweite ist nicht sehr gut. Um nicht nach der Schiffsreise mit einem Riesenbauch dazustehen entscheide ich mich für regelmässiges Joggen. 4 – 5 Runden (à ca. 800 m) stehen jeden Morgen auf dem Programm, sehr kurzweilig so rund ums Schiff. Am Mittag stehen Zwiebelsuppe, Salat, feines Rindsgulasch mit Reis und Broccoli und Karotten auf dem Speiseplan, dazu wie immer Tischwein und Mineralwasser. Nachmittags laufen wir mal das gesamte Schiff ab, vom Bug bis nach hinten, unter den Containern hindurch. An Bord haben wir aktuell 21 Seeleute sowie wir zwei Passagiere. Die gesamte Schiffsführung stammt aus Kroatien, die Seeleute aus den Philippinen. Nach dem Abendessen in der Offiziersmesse diskutieren wir noch ein bisschen mit dem Kapitän, bevor ich mir noch eine der fast 200 Videos ab DVD anschaue.

Sonntag, 17. Januar 2010
Die Nacht war sehr ruhig, abgesehen von einem leichten Links-Rechts-Rollen, die Aussen-temperaturen steigen stetig. Nach dem Frühstück um 7.30 Uhr steht zuerst ein Nickerchen auf dem Programm, das durch den Steward unterbrochen wird, der einmal die Woche die Koje reinigt. Dann geht’s mit Jogginghose und Laufschuhen „bewaffnet“ meine fünf Runden ums Schiff, gefolgt von einer erfrischenden Dusche. Die Sonne brennt schon unbarmherzig, man kommt richtig ins Schwitzen. Mittags gibt’s Fisch-Eintopf mit Kartoffeln, Salat und Sup-pe, sowie eine ganze Schale Eis mit Schoko-Sauce als Nachspeise. Mein Vater hat ganze vorne im Bug sein Lieblingsplätzchen gefunden und geniesst die Sonnenstrahlen den halben Nachmittag lang. Ich selber klettere vorne auf den Masten und geniesse die Aussicht auf Ladung und Brücke (der diensthabende Offizier war im Nachhinein nicht sehr erfreut dar-über). Abends hat der Bordkiosk wieder mal geöffnet und wir kriegen unsere bestellten Sa-chen (je eine Kiste Tsing Tao-Bier, Mineralwasser und Cola) geliefert. Wein brauchen wir ja keinen zusätzlichen, den gibt’s zum Essen genug. Nach einem kurzen Nickerchen begebe ich mich auf die Brücke und diskutiere mit dem philippinischen 2. Offizier. Er ist in der Hälfte seiner 6-monatigen Dienstzeit, die europäischen Offiziere machen 4 Monate und die philippi-nischen Seeleute gar 9 Monate am Stück. Abends geniessen wir das Nachtessen (Filet Mig-non mit Kartoffeln und Gemüse) und unterhalten uns noch ein bisschen mit dem Kapitän, der bei der CMA CGM unter anderem für die Simulatorenausbildung der Offiziere zuständig war.
Den Abend lassen wir in der Passagier-Messe bei einem kühlen Tsintao-Bier und ein bisschen Domino spielen ausklingen.

Montag, 18. Januar 2010
Das Meer hier am Ende des Südchinesischen Meeres ist ruhiger geworden, das Rollen hat fast ganz aufgehört. Der Tag begrüsst uns feucht! Der Himmel ist stark bewölkt, die Plattfor-men sind nass vom letzten Regen. Die Temperaturen sind mit 25 Grad noch immer recht hoch. Nach dem Frühstücke folgt der obligate „Kontrollgang“ der Brücke. Noch immer sind wir mit 24 – 25 Knoten unterwegs, dürften aber langsamer werden, je näher wir der Strasse von Singapore kommen. Rennen ist auch heute wieder angesagt, obwohl die Decks nass sind vom Regen. Aber es gibt ja nichts über gutes Schuhwerk! Bis zum Mittagessen ist Rela-xen angesagt. Auf dem Speiseplan heute stehen Suppe, Salat, Lammgulasch mit Kartoffel-stock sowie eine Frucht. Im Verlaufe des Nachmittags, so gegen 16 Uhr, sollten wir die Strasse von Singapore queren, ETA für Port Kelang ist für ca. 5 Uhr morgen früh vorgese-hen. Je näher wir gen Singapore kommen, desto zahlreicher werden die Schiffe. Ueber 30 Schiffe zählen wir bei der Einfahrt in die Strasse von Singapore, ein richtiges Verkehrschaos. Wir reduzieren die Geschwindigkeit massiv und ziehen langsam auf der vordefinierten Spur vorbei und geniessen später den Anblick von Singapore’s Skyline in der Dämmerung.

juanito
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Re: Frachtschiffreise Hong Kong - Southampton live

Beitrag von juanito » Do 21. Jan 2010, 20:18

Nutze die paar Minuten Handy-Empfang, um Euch die neusten Infos zukommen zu lassen. Sind zur Zeit gerade an Sri Lankas Südspitze mit Kurs auf die Arabische See.

Dienstag, 19. Januar 2010 (Port Kelang)
In der Nacht gewittert es ordentlich am Horizont. Blitze sind weithin sichtbar. Gegen 5 Uhr erwache ich, ziehe mich an und begebe mich auf die Brücke. Kapitän und Gefolge sind bereits auf den Beinen und erwarten die Ankunft des Lotsen. Die Einfahrt in den Hafen führt durch einen mit grünen und roten Lampen beleuchteten Korridor. Langsam fahren wir hinein und werden seitwärts an die Anlagestelle gestossen. Unterwegs kreuzen wir noch die CMA CGM Cedrillo, die ziemlich vollgeladen Richtung Singapore ausläuft. Kapitän und Gefolge sind bereits auf den Beinen und erwarten die Ankunft des Lotsen. Die Einfahrt in den Hafen führt durch einen mit grünen und roten Lampen beleuchteten Korridor. Langsam fahren wir hinein und werden seitwärts an Anlagestelle gestossen. Unterwegs kreuzen wir noch die CMA CGM Cedrillo, die ziemlich vollgeladen Richtung Singapore ausläuft. Auf der linken Seite des Kanals ist nichts als Urwald zu sehen, rechts befinden sich mehrere Anlagestellen.
Nach dem Frühstück schaue ich den Hafenarbeitern beim Entladen zu. Fünf riesige Kräne entladen 558 TEU’s und laden weitere 1452 TEU’s zu. Das Termometer steigt auf gut 30 Grad, mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Mit Joggen wird heute nichts (zu gefährlich unter den „fliegenden“ Containern durch. Stattdessen mühe ich mich eine halbe Stunde auf dem Hometrainer im Fitnessraum ab. Nach 18 Uhr kommt dann wieder Hektik auf, Kapitän und Co. versammeln sich auf der Brücke, der Lotse ist ebenfalls schon an Bord. Zuerst werden wir von zwei Schleppern vom Anlegeplatz weggezogen, dann im Kanal um 180 Grad gedreht. Ein dritter Schlepper hilft dabei stossen. Um 19 Uhr geht’s dann langsam mit eigener Kraft durch den Korridor aufs offene Meer und weiter Richtung Westen.

Mittwoch, 20. Januar 2010 (auf offener See)
Trotz Bewölkung ist es auch heute Morgen früh schon wieder über 24 Grad warm. Nach dem Frühstück schauen wir auf der Brücke vorbei. Bereits sind wir wieder mit fast 24 Knoten unterwegs, hin und wieder kreuzen wir andere Schiffe. Nach dem Joggen wollte ich mich kurz im Indoor-Pool abkühlen, aber leider hatte es gerade kein Wasser drinn. Versuche es halt Morgen wieder. Vater macht es sich am Bug gemütlich, fast windstill und schön ruhig. Ich komme mir auf der kleinen Plattform beim Bug vor wie im Film „TITANIC“. Hin und wieder sieht man fliegende Fische auf der Flucht vor dem riesigen Stahlkoloss. Den Tag hindurch bleibt genügend Zeit zum Relaxen und hin und wieder ein bisschen Arbeiten am Laptop.
Zum Abendessen gibt’s wieder ein traumhaftes Menu: Suppe, Salat, als Vorspeise eine mit Hackfleisch, Tomaten und Reis gefüllte Peperoni, dann ein Poulet-Cordon Bleu mit Salzkartoffeln und zwei Mandarinen als Nachtisch. Dazu Mineralwasser und die Resten unseres Bordeaux vom Mittag. Anschliessend besuche ich unseren philippinischen Koch, der wirklich vorzüglich kocht. Er steht jeweils um 6 Uhr auf und sein Tageswerk endet um 20 Uhr abends. Dazwischen kocht er drei warme Mahlzeiten, jeweils zwei verschiedene Menus, eines für die Offiziere und Passagiere, sowie eines für die philippinische Schiffscrew.

Donnerstag, 21. Januar 2010 (auf offener See)
Heute Nacht wurden erstmals die Uhren um eine Stunde zurückgestellt. So ist es nun wieder hell morgens um 7 Uhr, wenn mein Wecker mich aus den Träumen schrillt. Nach dem obligaten Frühstück sehen wir uns auf der Brücke um. Wir pflügen noch immer mit gut 24 Knoten durch den indischen Ozean Richtung Sri Lanka. Die Südspitze sollten wir am späten Abend erreichen und dann in die arabische See einbiegen. Unterwegs kreuzen wir verschiedene MAERSK und CMA CGM-Schiffe, die ziemlich gut beladen Richtung Asien unterwegs sind. Auch überholen wir zahlreiche kleinere Tanker und Containerschiffe, die mit unserer Geschwindigkeit nicht mithalten können. Am späteren Morgen nehme ich wiederum meine 5 Runden ums Schiff unter die Jogging-Schuhe und kühle mich anschliessend im angenehm warmen Indoor-Pool ab (ca. 25 Grad). Aktuell fahren wir mit über 10‘000 TEU’s Richtung Sri Lanka, der nächste Fixtermin ist unsere Ankunft in Suez, welche für den 27. Januar spätabends vorgesehen ist. Langsam holen wir die CMA CGM Chopin auf, die uns bei der Hafeneinfahrt in Yantiang gekreuzt hat und ebenfalls Richtung Suez unterwegs ist.
Abends geniessen wir als Vorspeise ein Calamares-Risotto, dann Fleischrollen mit Broccoli und Blumenkohl und Kartoffeln, und als Nachspeise einen feinen Apfel. Auch der Tischwein wechselt heute, offenbar haben wir den Bordeaux leergetrunken und müssen nun mit Spanischem Rotwein aus der Region Murcia vorlieb nehmen. Mit Handyempfang ist seit Port Kelang nichts zu wollen, nach Auskunft der Offiziere sollte bei der Durchfahrt um die Südspitze Sri Lankas wieder kurz Empfang sein. Abends vor dem Schlafengehen stellen wir unsere Uhren nochmals um eine Stunde zurück.

Jannik H.
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Re: Frachtschiffreise Hong Kong - Southampton live

Beitrag von Jannik H. » Fr 22. Jan 2010, 21:33

Hey Juanito!
Ich finde deinen Reisebericht richtig toll und interessant!! MAch auf jeden Fall wieter so! Wenn ich einen Wunsch äußern dürfte hätte ich genre hin und wieder ein Foto. Aber sicherlich ist das nicht immer einfach!

Lieben Gruß und mit den besten Wünschen für eine glückliche Reise und Heimkehr
Jannik H.
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Cornelia
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Re: Frachtschiffreise Hong Kong - Southampton live

Beitrag von Cornelia » Sa 23. Jan 2010, 00:25

Vielen Dank dass Du uns via Forum an dieser interessanten Reise teilnehmen lässt :D Ich lese immer eifrig mit, finde das sehr interessant und bin schon auf Fotos gespannt !!

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Re: Frachtschiffreise Hong Kong - Southampton live

Beitrag von frank0265 » Sa 23. Jan 2010, 13:05

Der Bericht macht Lust auf Meer. Na vllt geh ich ja auch auf einen der großen CMA CGM. Man hat mir angeboten, eine Fahrt auf der THALASSA im August zu unternehmen. Außerdem ist ja CMA CGM eines meiner Lieblingscarrier.
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juanito
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Re: Frachtschiffreise Hong Kong - Southampton live

Beitrag von juanito » Mi 27. Jan 2010, 19:35

Freitag, 22. Januar 2010 (im Indischen Ozean)
Wieder stellen wir die Uhren eine Stunde nach. Es ist noch dunkel, ich erwache erst beim Weckruf. Nach dem ausführlichen Frühstück geht’s noch kurz auf die Brücke. Es ist bereits wieder ziemlich heiss und dunstig, die Sichtweite ist nicht sehr gross. Schiffe sehe ich nur vereinzelt auf dem grossen Radar, zu sehen am Horizont ist jedoch keines. Gegen halb elf drehe ich meine Jogging-Runden ums Schiff und gönne mir nach dem Duschen ein kühlendes Bad im Pool und schwimme 10 Längen. Der Indoor-Pool misst nur 5 x 3.6 m und liegt auf C-Deck. Punkt 12 Uhr geht’s dann zum Mittagessen, Suppe, Salat, Hühncheneintopf mit Kartoffelstock und Gemüse und eine Mandarine als Nachspeise stehen auf dem Programm. Offenbar scheint uns der nette Wein ausgegangen zu sein, der heute servierte Weisswein aus Spanien entpuppt sich als saure Pfütze. Gebe noch meine Kiosk-Bestellung für heute Abend auf, chinesisches Tsingtao-Bier, Mineralwasser und Coca Cola. Nachmittags ziehe ich mich in meine Koje zurück und schaue „Ghosts of Girlfriends“ mit Matthew Mcconaughey und Jennifer Garner, eine romantische Komödie. Der restliche Nachmittag ist mit Arbeiten am Laptop verplant. Bei unserem Kontrollgang nach dem Abendessen, auf der Brücke geht gerade die Sonne unter und taucht das ganze Meer in einen hellen Lichtton. Dabei sieht man Gruppen von mittelgrossen Fischen, wahrscheinlich Thunfische, aus dem Wasser springen. Nach einem kurzen Kabinenaufenthalt gibt’s noch ein Bierchen. Heute Abend wird nochmals eine Stunde nachgestellt. In ungefähr zwei Wochen von heute an sollten wir an unserem Zielort Southampton eintreffen.

Samstag, 23. Januar 2010 (im Arabischen Meer)
Bedingt durch die Zeitverschiebung lacht uns die Sonne schon an, als wir aufstehen nach 7 Uhr. Nach dem nahrhaften Frühstück schauen wir kurz auf der Brücke vorbei. Schon wieder zeigt das Thermometer über 25 Grad an (im Schatten). Weit und breit ist kein Schiff zu sehen, auch auf dem grossen Radar nicht. Es scheint, als ob der ganze Schiffsverkehr sich weit von uns entfernt abspielt. Niemand zu überholen, niemand zu kreuzen. Anschliessend gönne ich mich noch ein bisschen Schlaf, gibt ja nicht viel zu tun, ist ja Wochenende. Ziehe heute meine Jogging-Runden etwas vor, da nach meiner Erfahrung die putzenden Philippinos meist um 10 Uhr Kaffeepause machen und ich so besser meine Runden drehen kann. Nach einer Abkühlung ist ein weiteres Video aus der grossen Sammlung an Bord an der Reihe, „Last Chance Harvey“ mit den brillianten Schauspielern Dustin Hoffman und Emma Thompson. Beim Mittagessen kündigt der Kapitän auf 15.30 Uhr eine Alarmübung an, Treffpunkt ist die Muster-Station auf A-Deck. Kurz vorher kriegen wir einen Telefonanruf von der Brücke und finden uns dort ein, um die Alarmauslösung mitzuverfolgen. Es wird ein genereller Alarm (7 kurze Signale, ein langes Signal) ausgelöst und wir verschieben uns zur Muster-Station auf dem A-Deck, wo bereits ein Teil der Mannschaft wartet. Für diese geht die Übung weiter, wir schauen uns noch die Schwimmwesten-Aufbewahrung an und gehen anschliessend unseren Nachmittags-Kaffee trinken. Später spielen wir noch ein bisschen Darts und Ping Pong im Fitnessraum und kommen anständig ins Schwitzen. ). Gegen 17 Uhr kreuzen wir das weltgrösste Containerschiff, die Emma Maersk (398 m lang, 56 m breit). Leider sieht man das Schiff nur am Horizont, in ca. 12 Seemeilen Distanz. Selbst mit dem Fernglas noch ein imposantes Schiff. Abends kaufe ich mir beim Kapitän noch eine Telefonkarte für das Satellitentelefon für rund $ 50 und rufe mal mit dem Crew-Telefon in die Schweiz. Inzwischen wurden die Gangfenster überall mit Karton verklebt, damit kein Licht nach aussen dringt. Auch gilt ab morgen Abend Sicherheitsstufe 2, d.h. es wird nichts mit Joggen oder Sonnenbaden ausserhalb des Wohntraktes. Wir nähern uns dem Piratengebiet Golf von Aden.

Sonntag, 24. Januar 2010 (im Golf von Aden)
Sonntag – Ruhetag für mich! Erwache heute schon nach 6 Uhr. Zu dieser Zeit ist es immer noch dunkel, erst gegen 7 Uhr wird’s langsam hell. Der Chief Mate hat uns gestern informiert, dass ab Mittag aus Sicherheitsgründen für 1.5 Tage kein Aussenaufenthalt mehr erlaubt sei. Rund ums Boot sind bereits die Feuerwehrschläuche installiert, die einen möglichen Piratenangriff verhindern sollen. Ziehe also nochmals meine Joggingschuhe an und renne ums Schiff, zum letzten Mal für den Moment. Der restliche Vormittag ist mit Videofilm schauen verplant. Nach 11.30 Uhr werden wir vom Stewart in den Offiziersaufenthaltsraum gerufen, wo sämtliche Offiziere gemütlich zum Apero versammelt sind. Neben netten Häppchen (Lachs-, Eier-, Rohschinkenbrötchen) gibt’s Whiskey Cola oder Chinesischen Rotwein. Wir entscheiden uns für letzteres, einen Cabernet Sauvignon, der ganz gut mundet. Hier ist eine ganz lustige Runde zusammen, einer der Ingenieure erzählt ständig Witze, allerdings auf Kroatisch leider. Erst um 12.15 Uhr geht’s dann zum Mittagessen über, heute weil es Sonntag ist, als Nachspeise mit zwei Kugeln Schoko-Eis und –Sauce. Schlemm! Nach einem längeren Verdauungsschlaf geht’s zu Tischtennis und Darts in den Fitnessraum. Im ersteren sind wir schon ganz gut, mit Darts haben wir so unsere liebe Mühe. Das Abendessen ist ein richtiges Sonntags-Festessen: Suppe, Parma-Schinken als Vorspeise, Salat, Fillet Wellington mit Baked Potato, Maiskolben, Salat dazu und als Nachspeise ein Stück Schokokuchen mit Schokosauce darüber. Schmeckt vorzüglich! Kompliment unserem Super-Chefkoch! Das Bier müssen wir heute vorverschieben, da wir gegen 20.30 Uhr am Wendepunkt 125 vorbeikommen und Kursänderung Richtung Golf von Aden machen. Wir verfolgen das Treiben gespannt auf der Brücke. Diverse Schiffe ohne Kennzeichen sind auszumachen auf dem Radar, spannende Momente. Bleibe bis 22 Uhr auf der Brücke. Zu diesem Zeitpunkt passieren wir Wendepunkt 125 und biegen auf den Internationalen Korridor im Golf von Aden ein, gefährliche Piratenzone.

Eine Statistik des IMB Piracy Reporting Center zeigt, dass seit Januar 2009 vor Somalia über 221 Piratenangriffe verzeichnet worden sind. 49 Schiffe davon wurden gekidnappt.

Montag, 25. Januar 2010 (im Golf von Aden)
Der Schlaf war tief, die Nacht war ruhig! Die Zeit wurde wiederum um eine Stunde nachgestellt. Es trennn uns nun noch drei Stunden von der Mitteleuropäischen Zeit. Es wird schon langsam hell, als der Wecker schrillt. Nach dem Frühstück schauen wir auf der Brücke vorbei. Offenbar haben wir mitten in der Nacht die Queen Mary II gekreuzt. Der Kadett erzählt mir freudenstrahlend von dem Ereignis. Sämtliche Positions- und anderen Lichter seien voll eingeschaltet gewesen. In der Zwischenzeit sind wir etwa auf halbem Weg zum Wendepunkt 126, dem Ende des Korridors. Diesen sollten wir heute Abend erreichen. Mit Joggen wird nichts, die Luken bleiben dicht bei Sicherheitsstufe 2. Stattdessen begebe ich mich in den Fitnessraum und maltraitiere den Hometrainer für etwas über 30 Minuten. Knapp 500 Kalorien leichter gönne ich mir eine Dusche und schaue anschliessend auf der Brücke dem Treiben zu. Zwei zusätzliche Beobachter verstärken den diensthabenden Offizier, die Stimmung bleibt angespannt. Bald ruft wieder das Mittagessen, heute ist Fisch angesagt. Nach einem Nickerchen und dem Nachmittagskaffee sind wir wieder auf der Brücke anzutreffen. Kurz vor 16 Uhr kreuzt uns ein Konvoi von 6 kleineren Schiffen, begleitet von einem Kriegsschiff (Fregatte) am Schluss der Kolonne. Sieht aus wie ein Gänsemarsch, in Zweierkolonne. Unsere Geschwindigkeit beträgt immer noch konstant über 24 Knoten. Ungefähr um 18.15 Uhr sollten wir das Ende des Internationalen Korridors erreichen. Man kann sich den Korridor vorstellen wie eine zweispurige Autobahn mit einer Spur nordwärts und einer südwärts. Zwischendurch braust ein europäisches Aufklärungsflugzeug über unsere Köpfe hinweg. Nach dem Abendessen (Suppe, Pizza als Vorspeise, Rindsschmorbraten mit Kartoffelstock und Erbsen, frische Ananas) verfolgen wir auf der Brücke den Kurswechsel des Schiffes Richtung Rotes Meer. Plötzlich braust ein Kampflugzeug der Allierten Kräfte über uns hinweg, dreht seine Runden und braust wieder davon. Der Sonnenuntergang von der Brücke aus betrachtet ist absolut der Hammer. Schön zuzuschauen, wie sich die rote Sonnenkugel langsam hinter dem Horizont verabschiedet. Ein Bierchen im Passagieraufenthaltsraum rundet den spannenden Tag ab.

Dienstag, 26. Januar 2010 (im Roten Meer)
Um 1 Uhr früh haben wir kurz Handy-Empfang, der aber leider nicht lange dauert. Diese Nacht hatten wir einmal sehr starkes Links-/Rechtsrollen, dass man sich fast anbinden musste am Bett. Die Sonne steht schon über dem Horizont, als um 7 Uhr der Wecker schrillt. Beim Brückengang nach dem Frühstück stellen wir fest, dass wir diese Nacht schon anständig vorwärts gekommen sind und uns bereits im unteren Drittel des Roten Meeres befinden. Das Meer ist ganz glatt, wie frisch mit dem Bügeleisen flachgedrückt. Die Vorsichtsmassnahmen der letzten paar Tage wurden aufgehoben, das Schiff ist wieder frei passierbar, ich drehe wieder meine Jogging-Runden. Allerdings ist infolge Malerarbeiten nur Backbord passierbar. Nach Dusche und Abkühlung im Pool (das Wasser ist auch kälter auch sonst) hole ich beim Stewart zwei Klappstühle für unser F-Aussichtsdeck und wir gehen ein bisschen sonnenbaden. Ein kurzer Brückengang nach dem Mittagessen zeigt, dass wir bereits auf Höhe des Sudan sind. Regelmässig kreuzen wir andere Schiffe, kleinere oder grössere Containerschiffe von Maersk und NYK. Der Kapitän hat die Geschwindigkeit auf 21.5 Knoten gedrosselt, damit wir nicht zu früh in Suez eintreffen. Wir müssen spätestens um 5 Uhr morgens am 28.1.2010 da sein, kein Grund zum hetzen also. Zum Abendessen gibt’s dann Suppe und Salat, zwei Würstchen als Vorspeise, dann gebratene Ente mit Kartoffel-Gratin, zum Dessert noch zwei kleine süsse Omeletten. Schmeckt wieder einmal super-gut! Wir genehmigen uns noch ein „Feierabend-Bier“ und stellen die Uhren nochmals eine Stunde nach.

Mittwoch, 27. Januar 2010 (im Roten Meer)
Heute erwache ich früh, schon nach 6 Uhr. Es ist schon hell, als ich aufstehe und kurz auf der Brücke vorbeischaue. Wir fahren immer noch konstant mit etwas mehr als 21 Knoten. Nach dem stärkenden Frühstück schaue ich noch im Schiffsbüro im Unterdeck vorbei und sende ein Email nach Hause. Leider hat mein USB-Modem gestern Abend bei einem Zusammenstoss mit der Bürotisch-Lampe Schaden genommen und ist nicht mehr brauchbar! Meine Füsse haben heute keine Lust auf Joggen, sie sind tonnenschwer! So gehe ich halt in den Fitnessraum zum Alternativprogramm auf den Hometrainer. Die Temperaturen draussen sind bereits markant tiefer und erreichen nur noch knapp 20 Grad. Vor dem Mittagessen gibt’s noch den Videofilm „Hilde“ über das Leben von Hildegard Knef, einen sehr spannenden Film. Nach Mittagessen und Brückengang gibt’s ein erholsames Nickerchen. Übrigens: haben Sie gewusst? Vom Upperdeck führen 128 Stufen bis zur Brücke, schneller geht’s natürlich mit dem Lift über die 9 Stockwerke. Am Nachmittag fahren wir auf Höhe von Safaga vorbei und sollten gegen 19 Uhr Hurghada/El Gouna erreichen. Wir gönnen uns zwischendurch einen Nachmittagskaffee, bevor weitergearbeitet wird. Kurz nach dem Nachtessen (Suppe, Salat, Octopus-Salat als Vorspeise, Huhn-Röllchen mit Erbsen, Trauben als Nachspeise) passieren wir den Wendepunkt bei Hurghada, weiter geht’s leicht links Richtung Suez.

juanito
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Re: Frachtschiffreise Hong Kong - Southampton live

Beitrag von juanito » Sa 30. Jan 2010, 18:38

Donnerstag, 28. Januar 2010 (im Suez-Kanal)
Diese Nacht schlief ich sehr unruhig, schaute immer wieder zum Fenster raus. Gemäss Bordbuch sind wir plangemäss nach 3 Uhr früh in Suez angekommen und haben geankert. Anschliessend sind Immigrations-Offizier und Quarantäne-Offizier an Bord gekommen und sind ihren Tätigkeiten nachgekommen. Nach 5 Uhr erwachte ich dann und merke, dass das Schiff vor Anker liegt. Ziehe mich an und schaue kurz auf der Brücke vorbei. Zahlreiche Schiffe um uns herum haben geankert. So gegen 6.30 Uhr legen wir los, fügen uns in die Kolonne von rund 6 Schiffen vor uns ein und fahren durchs Hafenbecken von Suez Richtung Kanal, hinter uns drei weitere Schiffe. An der Stadt vorbei geht die Fahrt im Schneckentempo (ca. 10 Knoten). Die Aussicht vom Schiff ist grossartig, rechts vom Suezkanal ist hauptsächlich Wüste. Am Ende der Stadt beschliessen wir, kurz zu frühstücken und sind dann anschliessend wieder auf der Brücke. Interessanterweise hat es auf der linken Kanalseite zahlreiche kleinere und grössere Dörfer, man kriegt aus Distanz einen guten Einblick ins ägyptische Leben. Joggen verschiebe ich auf den Nachmittag, um mehr vom Kanalerlebnis zu haben. Der ägyptische Kanallotse verbannt uns später von der Brücke, weil er sich offenbar an unserer Anwesenheit gestört hatte und wir uns während der Kanaldurchfahrt nur noch auf den unteren Decks aufhalten dürfen. Der Kanal ist schätzungsweise etwa 160 m breit, auf beiden Seiten mit einer Backsteinmauer befestigt. Alle paar hundert Meter steht ein Wachturm mit entsprechenden Wachhäuschen. Überhaupt ist das Militär wie sonst in Ägypten sehr stark vertreten. Das Wetter ist genial schön, die Temperaturen liegen aber nur bei knapp 10 Grad, die Sicht ist eher dunstig. Auf der rechten Seite passieren wir einen Truppenübungsplatz mit Panzerhaubitzen und Schützenpanzern, auf der nahegelegenen Plattform sind Hunderte von Soldaten für eine Parade aufgestellt. Wir wundern uns, ob heute irgendein wichtiger Feiertag ist hier in Ägypten. Nach 10.30 Uhr erreichen wir einen grossen See, die Ausweichstelle im Kanal. Hier warten bereits über 20 Schiffe aller Grösse auf unsere Ankunft, damit diese ihre Fahrt Richtung Süden fortsetzen können. Schiffe von MOL, MAERSK, CHINA SHIPPING und kleineren Reedereien liegen hier vor Anker, ein imposanter Anblick! Die Durchfahrt Richtung Norden an den wartenden Schiffen vorbei geht sehr langsam, sicher total eine Stunde. Kurz vor Mittag beträgt die Aussentemperatur immerhin 15 Grad. Zwischendurch geniessen wir unser Mittagessen im Essraum (Suppe und Salat, Fisch/Kartoffel-Eintopf, eine Orange als Nachspeise und nach wie vor den beliebten roten Don Simon als Tischwein. Nach einer kurzen Siesta geniessen wir erneut den Ausblick vom G-Deck. Fähren kreuzen den Suez Kanal, immer wieder sieht man Dörfer, Eselwagen sowie Felder, die bestellt werden. Kurz vor 3 Uhr fahren wir unter einer riesigen Hängebrücke hindurch, die beide Ufer miteinander verbindet. Der mühsame Lotse scheint nun von Bord zu sein, berichtet der Kapitän. Die Kanaldurchfahrtsgebühren für unser Schiff betragen rund $ 260‘000. Um 15.30 Uhr gönnen wir uns eine kurze Kaffeepause im Essraum und gehen gleich wieder auf G-Deck. Hier könnte man den ganzen Tag dem Treiben zuschauen. Links vom Kanal verläuft eine 4-spurige Autobahn Richtung Port Said parallel zum Kanal, sogar eine Eisenbahnstrecke findet sich da noch. Zwischendurch kreuzt uns ein Eisenbahnzug mit etwa 5 eher ältlichen Eisenbahnwagen. Nach 16 Uhr versuche ich meine Jogging-Runden vom Vormittag nachzuholen, muss aber bereits nach zwei Runden mit schmerzender Archilles-Sehne links aufgeben. Stattdessen gehe ich halt in den Fitnessraum auf dem schonenderen Hometrainer. Es dämmert schon langsam, als wir wie geplant gegen 17.30 Uhr bei Port Said resp. Port Fouad vorbeifahren. Die Städte liegen auf der linken Seite, der grosse Containerhafen von MAERSK gleich rechts an einem Seitenkanal des Suezkanals. Hier in Port Fouad wird im grossen Stil Salz abgebaut. Kurz nach 18 Uhr geht’s zum Abendessen: Suppe und Salat, Spaghetti Bolognaise als Vorspeise, dann Beef Steak (etwas zäh!) mit Kartoffeln und Spargeln, dazu frische Ananas. Zurück auf der Kommandobrücke verfolgen wir die Fahrt durch einen mit Lampen versehenen Korridor aufs offene Meer hinaus und dann links abbiegen Richtung Tanger.
Entspannt gönnen wir uns noch ein Bierchen im Passagierraum und lassen den Tag Revue passieren: Hat wunderbar gepasst, dass wir den Kanal bei Tageslicht passieren durften!
Vor dem Schlafen gehen stellen wir unsere Uhren um eine weitere Stunde zurück und sind nun zeitgleich wie zu Hause.

Freitag, 29. Januar 2010 (im Mittelmeer)
Die Sonne weckt mich auch heute wieder schon nach 6 Uhr. Geniesse das Frühstück so richtig und freue mich auf den Moment, wieder richtiges Schwarzbrot zu essen. Gehen dann noch kurz auf der Brücke vorbei, wo bereits 15 Grad herrschen. Wir sind nur mit 99 Umdrehungen unterwegs und sollten gemäss Navigation am 1. Februar um 8.16 Uhr in Tanger ankommen. Wahrscheinlich sind wir etwas zu schnell unterwegs gemäss Fahrplan. Im Verlaufe des Morgens schaue ich mir noch den ersten Teil des Videos „THE BOAT THAT ROCKED“ an, einer Rockkommödie, die in den 60er Jahren in England spielt. Vor dem Mittag gehe ich noch im Fitnessraum vorbei und schwitze auf dem Hometrainer während ca. 30 Min. Zu Mittag gibt’s heute Suppe und Griechischen Salat, Rindsgulasch mit Pasta und Erbsen, und dazu eine Orange. Nach einem kurzen Brückenrundgang lege mich anschliessend ein bisschen hin. Den Rest des Nachmittags arbeite ich, nur unterbrochen von einem Kaffeehalt im Essraum gegen 15.30 Uhr. Das letzte bisschen Schokolade aus meinem Vorrat gehört heute auch der Vergangenheit an, alles ausgegessen. Bereits nach 17 Uhr bricht die Dämmerung über uns herein, um 17.40 Uhr ist es bereits dunkel. Vor dem Abendessen gehe ich noch auf der Brücke vorbei und plaudere ein bisschen mit dem diensthabenden Chief Officer. Abendessen gibt’s wie immer um 18 Uhr. Ein Feierabendbier im Passagieraufenthaltsraum rundet den Tag auf hoher See ab. Heute Nacht soll nochmals eine Stunde nachgestellt werden, das reicht dann bis Southampton.

Samstag, 30. Januar 2009 (im Mittelmeer zwischen Malta und Sizilien)
Bedingt durch die Zeitverschiebung dürfte es bereits nach 5 Uhr hell geworden sein. Ich erwache so gegen 5.20 Uhr und es ist bereits hell. Nach der Morgentoilette mache ich einen Frühspaziergang rund ums Schiff. Unsere Schiffscrew ist bereits am Vorbereiten ihres Tageswerks (Malen, Schleifen, Putzen). Bis zum Frühstück relaxe ich noch ein bisschen und lese. Wie immer geniessen wir das reichhaltige Frühstück und statten anschliessend der Brücke einen Besuch ab. Das Thermometer zeigt noch knappe 11 Grad an. Zum ersten Mal seit unserer Abfahrt in Hong Kong regnet es in Strömen, mit starken Windböen. Wir fahren konstante 21 Knoten, um nicht zu früh an unserem nächsten Etappenziel einzutreffen. Gegen Mittag sollten wir die Meerenge zwischen Malta und Sizilien passieren.

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Re: Frachtschiffreise Hong Kong - Southampton live

Beitrag von juanito » Mo 1. Feb 2010, 20:57

Sonntag, 31. Januar 2009 (im Mittelmeer vor Tunesien und Algerien)

Für länger als 6 Uhr reicht der Schlaf auch heute Morgen nicht, auch wenn die Fenster verdunkelt sind. Hier wird’s bereits einiges später hell als noch gestern. Das Schiff schaukelt anständig, vor allem rollt es links/rechts. 11 Grad zeigt das Aussen-Thermometer auf der Brücke. Auch heute wieder ist das Wetter ziemlich unberechenbar, auf der Steuerbord-Seite scheint die Sonne bei lockerer Bewölkung, auf der Backbord-Seite sieht es nach weiteren Regenschauern aus. Prompt fängt es wenige Minuten später an zu regnen, der Wellengang ist nicht unbedeutend. Nach dem Frühstück geht’s erneut auf die Brücke, wir befinden uns zurzeit auf der Höhe von Tunesien. Vom Dritten Ingenieur erhalten wir eine DVD geschenkt mit vielen Fotos seiner bisherigen CMA CGM AQUILA-Reisen. Von Hamburg bis zum Eismeer in Nordchina dieses Jahr ist alles fotografisch festgehalten. Ganz spannend sind Fotos und Videos aus dem zugefrorenen nordchinesischen Meer. Hier scheint die CMA CGM AQUILA als Eisbrecher unterwegs gewesen zu sein bei -18 Grad Luft- und -2 Grad Wassertemperatur. Noch immer geht’s konstant mit 21 Knoten Richtung Tanger, die Ankunftszeit ist noch immer ungefähr Montag-Mittag. Kurz nach 10 Uhr ist Tagessport angesagt, ziehe mich um und gehe auf den Hometrainer schwitzen, gefolgt von einer abkühlenden Dusche. Das Badewasser im Pool ist schon längst abgelassen, er wird auch nicht mehr nachgefüllt (kein Wunder bei diesen (Wasser-)Temperaturen!). Bald ist schon wieder Mittag, heute fällt allerdings das Mittagessen nicht unbedingt überzeugend aus. Prompt wird der Chefkoch zum Kapitän zitiert, welcher seinen Unmut über das Menu äussert und ihn vor versammelter Offiziersschar blossstellt. Nach einer kurzen Ruhepause geht’s wieder ans Arbeiten. Kaffeehalt gibt’s nach 15 Uhr, anschliessend spielen wir wiederum ein bisschen Tischtennis und Darts, bis uns die Müdigkeit wieder in unsere Kojen treibt. Ich wechsle noch ein paar Worte mit dem Chefkoch, der ziemlich niedergeschlagen ist vom Mittag. Kein Wunder, krampft doch dieser von morgens früh bis abends spät zum Wohle der Besatzung. Inzwischen befinden wir uns auf Höhe von Algerien. Irgendwie scheint seit dem Suez-Kanal die Luft etwas draussen zu sein, es fehlen die spannenden Erlebnisse. Nach ein bisschen Arbeiten geht’s um 18 Uhr zum Abendessen: Suppe und Salat, Parma-Schinken als Vorspeise, dann gegrilltes Lamm mit Kartoffelstock/Kohl, gefolgt von einem Stück sehr gutem Apfelkuchen. Wir informieren uns anschliessend auf der Brücke ein letztes Mal über den Reiseverlauf und geniessen anschliessend unser verdientes Bierchen an diesem 18. Tag zur See.

Montag, 1. Februar 2009 (im Mittelmeer vor Algerien)

Erwache auch heute wieder ca. 5.45 Uhr, ziemlich ausgeschlafen. Es ist immer noch ziemlich dunkel draussen, es wird aber langsam heller. So packe ich nach der Morgentoilette meine Kamera und gehe achtern. Von ganz hinten verfolge ich, wie es am Horizont langsam heller wird. Eine geniale Stimmung! Anschliessend gehe ich auf der Brücke vorbei. Wir fahren nur noch knapp 19 Knoten, damit wir nicht zu früh am Ziel sind. Auf der Steuerbord-Seite ist bereits die spanische Küste sichtbar. Spannend sind die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada, die von weitem sehr gut sichtbar sind. Auf der Backbord-Seite sieht man hingegen nur die Konturen des Festlandes, knapp unter den Wolken versteckt. Nach dem Frühstück schauen wir erneut auf der Brücke vorbei. Der Verkehr hat merklich zugenommen, bereits sind zahlreiche weitere Schiffe auf unserem Radar sichtbar. Gemäss Planung sollten wir gegen 11 Uhr den letzten Wendepunkt erreichen und schätzungsweise um die Mittagszeit die Strasse von Gibraltar durchfahren. Heute scheint auch das Wetter mitzumachen, nachdem meine letzten zwei Gibraltar-Durchfahrten meist bei eher schlechtem Wetter stattfanden. Zwischendurch finde ich Zeit für mein persönliches Fitnessprogramm auf dem Hometrainer. Der Kapitän reduziert die Geschwindigkeit bis auf 15 Knoten, damit die Ankunftszeit nicht ins Wanken kommt. Wir ziehen unser Mittagessen eine Viertelstunde vor, um nachher wieder bereit zu sein. Auf dem Menu steht heute: Suppe und Salat, Fisch mit Reis und Spinat, dazu Wassermelone als Nachspeise. Kurze Zeit später sind wir wieder auf der Brücke. Um 12.30 Uhr passieren wir den berühmten Felsen von Gibraltar, in schönstem Sonnenlicht. Wir reduzieren unser Tempo auf 8 Knoten und kurz nach Algeciras auf der spanischen Seite überqueren wir den entgegenkommenden Fahrstreifen und fahren in einer 90 Grad-Kurve frontal auf den mitten in der Strasse von Gibraltar gelegenen Hafen Tanger Med zu. Drei Lotsen kommen kurze Zeit später an Bord und lotsen uns durch die nicht ganz einfache Hafeneinfahrt. Anschliessend wird das Schiff von zwei, zeitweise drei Schleppern gedreht und steuerbord-seitig an die Hafenmauer angedockt. Voll spannend, diesem Manöver von der Brücke her zuzuschauen. Tanger Med ist ein richtiger Retortenhafen, weit weg von der namengebenden Stadt Tanger, mitten im Nichts. Der hauptsächlich von CMA CGM und MAERSK betriebene Hafen dürfte hauptsächlich als Umschlagplatz für Destinationen im Mittelmeer-Raum dienen. Kurz nach dem Festmachen geniessen wir unseren Nachmittagskaffee und gehen anschliessend etwas Tischtennis spielen. Den restlichen Nachmittag schauen wir dem Entladen von der Brücke zu. So wird zum Beispiel auch unser Müll hier in Tanger entsorgt. Gegen 18 Uhr schreiten wir zum Abendessen. Viel gibt’s heute in Tanger nicht abzuladen, gemäss Planung soll die Reise bereits um 1 Uhr in der Früh weitergehen Richtung Southampton. Den interessanten Tag schliessen wir mit einem kühlen Tsingtao-Bier im Passagier-Aufenthaltsraum ab.

Bis Donnerstag sollten wir dann in Southampton sein, wo unsere spannende Reise endet. Bilder werde ich leider erst nach meiner Rückkehr ins Netz stellen. Mein USB-Model ging im ersten Teil der Reise in die Brüche und seither übermittle ich die Beiträge eher mühsam mit meinem kleinformatigen Mobiltelefon.

juanito
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Re: Frachtschiffreise Hong Kong - Southampton live

Beitrag von juanito » Do 4. Feb 2010, 20:56

Dienstag, 2. Februar 2010 (im Atlantik um Spanien/Portugal)

Die Abfahrt um 2 Uhr früh habe ich verschlafen. Ich erwache irgendwann mal im Verlaufe der Nacht, wir sind dann aber schon wieder mit Vollgas unterwegs. Das zweite Mal lasse ich mich dann um 7 Uhr durch meinen Wecker aus dem Schlaf holen. Es ist zwar schon hell, von Sonne ist aber noch nichts zu sehen. Nach dem Frühstück erfolgt der obligate Besuch der Brücke. Das Aussenthermometer zeigt zwar schon 14 Grad, der Himmel ist aber bewölkt, die Wellen des Atlantiks gehen schon etwas höher als noch im Mittelmeer. Wir pflügen mit 24 Knoten durch die Wellen. Im Verlaufe des Vormittags sollten wir den Wendepunkt Cabo São Vincente erreichen, der westlichste Zipfel Portugals. Kurz vor 10 Uhr ist Schwitzen angesagt, mühe mich auf dem Hometrainer für gut 35 Minuten ab. Nach einer wohltuenden Dusche mache ich einen Rundgang zu Fuss ums Schiff und treffe backbord auf ein paar unserer Crew-Mitglieder, die gerade Pause machen. Anschliessend mache ich noch ein paar Fotos vom Pool, dem Fitnessraum und der Küche inklusive Koch. Um 11.30 Uhr fahren wir bei Cabo São Vincente vorbei und machen eine scharfe Kehre nach steuerbord. Nach Mittagessen und Brückengang lege ich mich ein bisschen hin und erhole mich. Das Wetter wird immer schöner und deshalb verbringen wir den ganzen Nachmittag auf dem F-Aussendeck auf unseren Hollywood-Stühlen. Musste sogar extra Sonnencreme einstreichen und Sonnenbrille montieren, so stark war die Sonne. Bis zum Sonnenuntergang nach 17 Uhr ist angenehm warm, wir sitzen nur im Hemd auf unseren Stühlen und geniessen die Aussicht. Um 18 Uhr gibt’s Abendessen: Suppe und Salat, Krabben-Omeletten als Vorspeise, dann Crevetten „Buzzara“ mit Reis und Broccoli, als Dessert ein paar Pfirsiche aus der Büchse. Mache mit dem Chefingenieur noch den morgigen Besichtigungstermin ab. Anschliessend genehmigen wir uns noch eines der letzten Tsingtaos. Der Navigationscomputer zeigt als momentane Ankunftszeit etwa 5 Uhr früh am Donnerstag-Morgen. Dies dürfte sich aber sicher noch ändern.

Mittwoch, 3. Februar 2010 (im Atlantik in der Bucht von Biscaya)

Als der Wecker um 7 Uhr losgeht, ist es noch stockdunkel draussen. Auch dünkt mich, dass es eher kälter geworden ist seit gestern. Nach dem Frühstück schauen wir auf der Brücke vorbei. Geplante Ankunftszeit ist noch immer ca. 5.30 Uhr morgens, wir fahren konstant mit rund 24 Knoten nordwärts. Zurzeit durchqueren wir die Bucht von Biscaya und werden in etwa heute Abend um 20 Uhr Brest erreichen und dann langsam steuerbord Richtung Ärmelkanal einbiegen. Um 9.15 Uhr haben wir mit dem Chief Engineer zur Besichtigung des Maschinenraums abgemacht. Vom Upperdeck geht’s zur unscheinbaren Türe rein Richtung Maschinenraum, dann gleich zwei grosse Treppen nach unten zum Kontrollraum. Gehörschutz montiert, begeben wir uns auf den Rundgang. Zuerst kommen wir in der komplett eingerichteten Werkstatt vorbei. Anschliessend geht’s einen Stock tiefer zu den Dieselgeneratoren, die dem Schiff den benötigten Strom liefern. Wiederum einen Stock tiefer sieht man bereits die Hauptmaschine mit ihren 12 Zylindern und gut 98‘000 PS, dann hinten die ca. 1 m dicke Antriebswelle, welche zur Schraube führt (6-blättrig, ca. 10 m hoch). Unterstützt wird die Hauptmaschine durch einen Bugstrahler mit 3000 kw. Die Hauptmaschine verbraucht täglich rund 220 t Rohöl, das zuerst gereinigt und auf 140 Grad vorerhitzt wird. In den Tanks lagern total max. 10‘000 t Rohöl. Jeweils in Rotterdam wird vollgetankt (rund 9‘800 t), das reicht dann für eine komplette Reise bis China und zurück. Auf dem Weg zurück zum Kontrollraum sehen wir noch die eigene Wasseraufbereitungsanlage für Trinkwasser an Bord, die Klimaanlagen und diverse andere kleinere Maschinen. Knapp eine Stunde nach Beginn sind wir wieder auf Deck an der frischen Luft, um einige sehr eindrückliche Impressionen reicher. Um 10.30 Uhr gehe ich noch ein bisschen in den Fitnessraum schwitzen. Bezahle dem Kapitän noch unsere Schulden (ganze US$ 34 für Getränke während den 3 Wochen). Für den nächsten Crew-Grillplausch (Richtung Asien dann) übernehmen wir noch drei Kisten Bier. Bald ist schon wieder Mittag. Heute stehen auf dem Programm: Suppe und Salat, gegrilltes Beef, Pasta und gebratene Auberginen, sowie frische Ananas. Draussen bläst heute ein heftiger Wind, im Vergleich zum gestrigen warmen Nachmittag. Nach einem kurzen Erholungsschlaf treffen wir uns zum Kaffee und hören zufällig, dass heute ein Sicherheits-Drill ansteht. Prompt ertönt kurz nach halb vier das Alarmsignal und wir begeben uns wie geübt zur Masterstation auf A-Deck, werden aber bereits nach 3 Minuten wieder entlassen. So haben wir genügend Zeit, um im Fitnessraum ein bisschen Tischtennis und Darts zu spielen, bis wir ins Schwitzen kommen. Die Zeit vergeht im Fluge und schwupps, ist wieder Abendessen angesagt. Ein kurzer Besuch auf der Brücke sowie der Schlummerbecher schliessen den Tag ab. Gemäss Kapitän sollten wir morgen Donnerstag so gegen Mittag in Southampton eintreffen und ca. 15 Uhr an der Anlegestelle festgemacht haben. Kurz vor 21 Uhr passieren wir den Wegpunkt bei Brest Richtung Ärmelkanal. Ein Moment, den ich auf der dunklen Brücke auf Video kurz festhalte.

Donnerstag, 4. Februar 2010 (im Ärmelkanal/Ankunft Southampton)

Es empfängt uns typisch englisches Wetter: Wind, Regen und Nebel! Nach der Morgentoilette statte ich gegen 7 Uhr der Brücke einen Besuch ab. Wir fahren nur noch mit 15 Knoten, sollten gemäss Navigationscomputer in etwa 2 Stunden die Abzweigung Richtung Southampton erreichen. Nach dem Frühstück sind wir wieder auf der Brücke anzutreffen und verfolgen das Abzweigen mit. Leider ist das Schiff wieder einmal zu früh unterwegs, der Lotse kommt erst um 12.30 Uhr an Bord. Aus diesem Grunde dümpeln wir praktisch mit Standgas vor uns hin und vertrödeln die Zeit bis zur Lotsenaufnahme. So bleiben auch uns zwei Stunden Zeit. Wir genehmigen uns unser letztes Tsingtao und vertreiben uns die Zeit mit dem Mittagessen. Das Wetter ist ziemlich schlecht, als unser Lotse um 12.50 Uhr doch noch an Bord kommt. Langsam geht’s dann Richtung Southampton, an alten Betonfestungen aus dem zweiten Weltkrieg vorbei. Wir fahren Dutzenden von farbigen Boyen entlang, kreuzen unterwegs noch die CMA CGM DON GIOVANNI, die gerade vollbeladen ausläuft. Ich banne die Vorbeifahrt auf Video, auf dem Brückendeck stehend bei knapp 8 Grad. Die Zufahrt zum Hafen von Southampton ist selbst unter Profis nicht ganz einfach. Gemäss Kapitän hat dies jeder CMA Kapitän mindestens 50 Mal im Simulator in Marseille geübt. Kurz nach 16 Uhr kommt der Hafen von Southampton in Sichtweite, zuerst das grosse Autoterminal mit einem vollbeladenen Autotransporter gleich angedockt, dann die (leeren) Kreuzfahrtterminals und eine Anlegestelle der Marine. Vorbei geht’s an der Grande Spagna von Grimaldi, sowie am Ende des Beckens an einem Autotransporter von Willelmsen und einem Gastanker vorbei, die beide gemäss Lotsen zum Verschrotten bereitgemacht wurden. Es dauert noch bis fast 17 Uhr, bis wir unsere Endposition ganz hinten im Hafen erreicht haben und von drei Schleppern sanft an die Anlegestelle geschoben werden. Vor dem Abendessen erholen wir uns kurz in unseren Kojen und schreiten dann zum letzten Abendessen an Bord. Dazu geniessen wir unsere letzten Gläser unseres liebgewonnenen spanischen Rotweins. Anschliessend holen wir uns beim 3. Offizier noch unsere Pässe und machen einen letzten Kontrollgang auf der Brücke. Mit Abladen wurde noch nicht begonnen. Insgesamt 2500 Container werden während des Aufenthaltes abgeladen, die CMA CGM AQUILA wird ihre Reise übermorgen Vormittag wieder fortsetzen Richtung Hamburg, Rotterdam, Zeebrugge und Le Havre.

Wir selber werden morgen nach dem Frühstück mit vielen Eindrücken unserer 3-wöchigen Reise von Bord gehen, mit dem Bus nach London fahren und den nächsten Swiss-Flieger nach Zürich nehmen.

Ich hoffe, das Mitlesen hat Spass gemacht und ich konnte Euch den Alltag als Frachtschiff-Passagier etwas näher bringen. Fotos folgen, so bald ich wieder zu Hause bin. Machts gut!

Euer Juanito

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