Dieses Jahr waren wir über die Ostertage unterwegs mit der TransPaper, einem der drei RoRo-Schiffe, die speziell für die Logistikkette der finnischen StoraEnso-Papierwerke bei der Reederei TransAtlantic im Einsatz sind. Die Reise dauerte 8 Tage und führte von Lübeck über Göteborg, Kemi und Oulu wieder nach Göteborg (anstatt von Lübeck). Das Schiff hatte in dieser Woche die Route gewechselt, so dass wir die Wahl hatten, entweder auf eigene Faust nach Lübeck zurückzukehren oder die Reise zu verschieben. Letzteres war nach monatelanger Vorfreude keine Alternative, so dass wir 2 Tage vor Abfahrt noch spontan ein Ticket auf der "neuen" Stena Scandinavica von Göteborg nach Kiel dazu buchten...
M/V TransPaper
Gebaut 2006 auf der Aker-Werft in Rauma/Finnland. 190.8m lang, 26.44m breit, angetrieben von 2 MAN-Motoren mit je 9,000KW. Sie ist ein Schwesterschiff der TransPulp und TransTimber (alleine die Namen deuten schon den Bezug zur Papierindustrie an), denen wir in den 8 Tagen auf See auch begegnen sollten. Das Foto zeigt die TransPaper am Ostersamstag in Oulu:

Die Reise beginnt...
Nachdem die Abfahrtdaten sich in letzter Minute immer wieder geändert hatten - durch die extreme Eissituation Anfang März war der gesamte Fahrplan aus dem Takt geraten und immer noch nicht wieder normalisiert - waren wir froh, dass die TransPaper tatsächlich pünktlich am Nordlandkai in Lübeck lag.
Praktischerweise kann man dort direkt mit dem Auto vorfahren, ohne auf einen Shuttle angewiesen zu sein.

Unser Gepäck wurde per Kran aufs Hauptdeck befördert... erheblich komfortabler, als es die wacklige und lange Treppe hochzutragen.

An Bord
Nachdem wir die unzähligen Stufen erklommen hatten, bezogen wir erst einmal unser Zuhause für die nächsten Tage und besichtigten dann das Schiff. WIe bereits bei der Buchung klar war, ist die Kabine (mit Stockbett) für ein Frachtschiff eher klein; zudem ist der Ausblick durch Lüfter verstellt.

Als Ausgleich stand den Passagieren dafür ein Aufenthaltsraum zur Verfügung, mit Flatscreen-TV, Internet und einer schwedischen Bibilothek.

Das Essen wurde gemeinsam mit Offizieren und Crew in der Messe eingenommen, jedoch an unterschiedlichen Tischen. Im Hintergrund der Offizierstisch, am Fenster fanden die Passagiere - ab Göteborg nur meine bessere Hälfte und ich - Platz.

Noch im Hafen von Lübeck bekamen wir eine ausführliche Sicherheitseinweisung durch den zweiten Offizier, die wir schriftlich bestätigen mussten. Erfreulicherweise durften wir uns im Bereich der Aufbauten während der Reise frei bewegen, einschliesslich der Brücke - die im Vergleich zu unserem Containerfeeder "Jork Ruler" im vergangenen Jahr geradezu riesig erschien:

Die Fracht
Wie bereits erwähnt, sind die drei Trans*-Schwestern auf den Papiertransport der Firma StoraEnso spezialisierte RoRo-Schiffe. Das Papier wird u.a. in Rollenform in speziellen Containern, den sogenannten "SECU-Boxen" (= Stora Enso Cargo Unit), die mit 13.8 x 3.6 x 3.6m nicht nur erheblich größer als herkömmliche 40ft-Container sind, sondern mit 80t (!) auch noch eine wesentlich höhere Nutzlast haben. Die Boxen werden mit unglaublicher Geschwindigkeit und Präzision verladen; selbst ein großes Schiff wie die TransPaper schüttelt sich regelrecht beim Absetzen jedes einzelnen vollen Containers.

Hier noch ein Blick ins Lagerhaus auf die Papierrollen (in Oulu)...

Zusätzlich werden auch normale Container befördert, die dann in der Regel doppelt gestapelt sind, wie hier in Kemi:

Auf dem Weg nach Norden war ungefähr die Hälfte der SECU-Boxen leer, es wurde jedoch auch Zellstoff (Pulp) als Rohmaterial für die Papierherstellung nach Finnland gebracht. Auf dem Rückweg war das Schiff hingegen gut ausgelastet.
Doch genug Vorgeplänkel, nun soll die Reise losgehen:
Lübeck - Göteborg (DIenstag - Mittwoch)

Ein vorerst letzter Blick zurück auf die Altstadt von Lübeck...

...dann begann pünktlich um 13:30h die knapp zweistündige, sehr sehenswerte Revierfahrt Traveabwärts bis zur Ostsee:

Vorbei an Lagerhäusern...

...anderen RoRo-Schiffen...

...erreichen wir schließlich Travemünde, wo hinter dem Skandinavienkai Gegenverkehr in Gestalt der von Schlauchbooten umringten Stena Forecaster kam:

Abschied von Travemünde:

Spät abends passieren wir die riesige Beltbrücke, bevor wir uns zu Bett begeben:

Göteborg - Kemi (Mittwoch - Samstag)

Bereits um 6 Uhr früh erreichte die TransPaper Göteborg; wir ließen uns allerdings bis kurz vor dem Frühstück Zeit mit dem Aufstehen und beobachteten anschliessend die Beladung, bevor das Schiff am Nachmittag wieder ablegte und Kurs auf Kemi in Nordfinnland nahm.

Beim Verlassen des Hafens begegnete uns noch die TransPulp zwischen den Schären:

Am Mittwoch fuhren wir zunächst RIchtung Süden durch den Öresund an Kopenhagen vorbei; insbesondere die nächtliche Passage des Flughafens Kastrup bei langsamer Fahrt war recht eindrucksvoll. In den kommenden Tagen ging es um die Südspitze Schwedens herum wieder Richtung Nordost. Wir passierten Bornholm, Öland Gotland und die Aland-Inseln.

Erfreulicherweise zeigte sich nicht nur die Sonne von ihrer besten Seite, sondern das Meer war teilweise glatt wie ein Binnengewässer...

Entspannte Stunden ohne Handynetz tragen zum Urlaubsgefühl bei...

... und bieten auch genügend Zeit zur ausführlichen Schiffsbesichtigung, während es langsam kälter wird...

Mit der Zeit kam man auch mit der schwedisch-philipinischen Besatzung näher in Kontakt. Ein Beispiel skandinavischen Humors sieht man hier:

Abendstimmung auf der TransPaper...


... und auf dem Meer...

Freitag nachmittag ist es endlich soweit: Das erste Mal auf dieser Reise ist Eis in SIcht:

Die treibenden Eisschollen sind auch ein perfekter Siesta-Platz für eine Robbe:

Einfahrt in das Eisfeld...

Abendlicht an der Trennlinie zwischen Eisschollen und freiem Wasser

In der Ferne ist bereits der größte schwedische Eisbrecher "Oden" zu sehen:

Eine Stunde später, kurz nach 21 Uhr, passieren wir die Oden:

Abendstimmung mit dichter werdendem Eis... das Schiff vibrierte nun spürbar und hob sich immer ein wenig, wenn es eine Eisscholle unter den Bug nahm, während gleichzeitig ein stetiges scharrendes Geräusch von der Bordwand zu hören war. Diese Kulisse sollte uns die nächsten 48 Stunden begleiten, während die TransPaper nunmehr mit der Kraft beider Maschinen ihren Weg durchs Eis bahnte.

Mit Hilfe der Suchscheinwerfer und mit Funkunterstützung der Oden wird eine geeignete Fahrrinne nach Kemi gesucht...

Nach einer kurzen Nacht begebe ich mich am Samstag früh vor 4 Uhr auf die Brücke... als ich die abgedunkelte Treppe hochkomme, empfängt mich eine geradezu magische Stimmung: Gedämpfte Radiomusik im Hintergrund, Kaffeeduft in der Luft und verhaltene Gespräche der Besatzung, die konzentriert der Fahrrinne folgt....

... dazu ein grandioser Ausblick auf Kemi in der frühen Morgendämerung:

Wir passieren den vor dem Hafen liegenden finnischen Eisbrecher Sisu...


...und tasten uns langsam an die Hafeneinfahrt heran.

Nach einem beeindruckenden Wendemanöver im Hafenbecken...

... und einem längeren Anlegemanöver, bei dem durch Manöver mit Bug- und Heckstrahler das Eis zwischen Schiff und Kaimauer herausgedrückt wird, haben wir den nördlichsten Punkt der Reise erreicht:

Im Hafen liegt noch der Museumseisbrecher Sampo...

... und die kleine Jaasalo, die hier der TransPaper Gesellschaft leistet:

Zwei Mal ein Blick aufs Eis...


Schon ist die Ladung verstaut und wir müssen wieder an Bord:

Kemi - Oulu (Samstag)
Abfahrt aus Kemi gegen Mittag:

Ein paar Stunden Eisfahrt bei strahlendem Sonnenschein:



Wir erreichen die Inseln vor Oulu:


Im Hintergrund ist schon das freie Fahrwasser vor der Hafeneinfahrt zu sehen:

Im Gegensatz zu Kemi ist der Hafen von Oulu in der Regel eisfrei, da die Papiermühlen hier ihr warmes Kühlwasser ins Meer leiten:

Hier einer der Lieferanten unserer Fracht - Papiermühle in Oulu:

Angelegt...

Kleiner Stadtrundgang in Oulu... auf dem Fußweg vom Hafen zur Innenstadt begegneten uns - passend zu Ostern - noch ein paar geradezu riesige weiße Hasen... Halluzination oder finnische Fauna?

Und wieder zurück auf die TransPaper, hier im Abendlicht:

Die Beladung dauerte eine gefühlte Ewigkeit und erst am Sonntag morgen um 2 Uhr verließen wir den Hafen von Oulu mit mehrstündiger Verspätung:

Oulu - Göteborg (Sonntag - Mittwoch)
Am Ostersonntag begegnete uns die TransTimber im Eis, so dass wir das Trio vollbekamen. Mit den Passagieren der TransTimber tauschten wir später noch per Email gegenseitige Fotos aus; hier unsere Aussicht auf das Schwesterschiff:

Zur Feier des Tages servierte unser Koch Fleming heute ein ausgezeichnetes Osterbuffet:

Die letzten Eisschollen bleiben zurück...

... und bald schon ist die Transpaper wieder im ruhigen freien Fahrwasser der Ostsee...

...während an Bord Waschtag angesagt ist:

Ein vorletztes Mal die Abendstimmung auf der TransPaper:


Und schon sind wir wieder in der Nähe von Kopenhagen angekommen, wo von weitem die Sundbrücke grüßt:

Hängebrücke mal 2:

In Kopenhagen kann man gleichzeitig Schiffe und Flugzeuge fotografieren:

Später am Abend stellten wir für ein paar Stunden die Maschinen ab und drifteten gemütlich abseits der Hauptschiffahrtsroute, um nicht zu früh in Göteborg anzukommen. Ich nutzte die vibrationsfreie Zeit für ein paar Langzeitbelichtungen auf der Brücke:

Am Mittwoch früh erreichten wir schließlich Göteborg und es hieß Abschied nehmen von der TransPaper und ihrer freundlichen Crew. Dies war auch das erste Mal, dass wir das obere Frachtdeck komplett leer sahen:

Nach einem schönen Tag im sonnigen und warmen Göteborg ging es abends dann mit der Stena Scandinavica, die nach ihrem Umbau erst vor wenigen Tagen auf der Göteborg-Route eingesetzt wurde, zurück nach Kiel. Nach 8 erholsamen Tagen als einzige Passagiere auf der TransPaper kam einem die Fähre geradezu wuselig vor...

Damit endet mein TransPaper-Bericht vom April 2011... viel länger als geplant, aber ich hoffe, Ihr seht mir die Bilderflut angesichts der Eindrücke nach

Gruß,
Thomas