Malta - Hamburg MS CMA CGM Maupassant

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Andreas
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Malta - Hamburg MS CMA CGM Maupassant

Beitrag von Andreas » Mi 3. Jun 2015, 09:29

Reisetagebuch MS CMA CGM Maupassant
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Fr. 29.05.14
Nach einer längeren Vorbereitungszeit mit extrem vielem Papierkram, bei welchem ich mir eher vorkam wie ein Störenfried denn ein Kunde der der Reederei Einnahmen bringt, ging es am Abend nun endlich los, mit einem Flug mit Air Malta von Zürich nach Luuga. Aus dem Sollabflug von 17.40 Uhr wurde es aber trotz planmässigem Boardings nichts, infolge Überlastung des Luftraumes war unser Slot verschoben worden, was eine halbe Stunde Wartezeit im vollbesetzten Flugzeug mit einigen quengelnden Kindern an Bord bedeutete, nicht grade ein angenehmer Ferienstart.
Nach dem Start und schon längst über den Schweizer Alpen wurde mit dem begonnen, was bei Air Malta wohl Service heisst. Jeder Fluggast bekam eine Flasche Wasser und ein kleines Käsebrötchen in die Hände gedrückt, von der von andern Airlines bekannten Auswahl an Getränken war hier nichts zu wollen. Später wurde nochmals ein Trolley durch den Gang geschoben, von welchem man andere Getränke und kleine Snacks haben konnte, aber natürlich nur gegen Cash. Auch die Flugbegleiter schienen irgendwie einen miesen Tag zu haben, ein Lächeln oder etwas Charme? Fehlanzeige, die wünschten sich wohl sehnlichst den Feierabend herbei. Auch das Flugzeug schien einen Feierabend nötig zu haben, es wirkte schmutzig, an der Rückenlehne des Vordersitzes undefinierbare Schmutzspuren von Essen oder auch unangenehmeren Dingen, und die sahen nicht so aus als stammen sie erst von heute. Kurz und gut, Air Malta hat sicher in vielen Belangen noch Verbesserungsmöglichkeiten.

Nach 2 Stunden dann im letzte Tageslicht die Landung auf Malta, das Flugzeug rollte aber nicht auf die Stellplätze vor dem Flughafengebäude sondern daran vorbei und parkte direkt vor einem Hangar, von wo wir mit Bussen zum Hauptgebäude gefahren wurden. Die Kofferausgabe ging flott vonstatten, am recht engen Ausgang stauten sich die Leute, wie das wohl erst ist wenn eine vollbesetzte A330 oder grösser wesentlich mehr Leute nach Luuga bringt?
Der vorbestellte Taxifahrer wartete bereits, Abholservice wie für einen VIP, mal was Neues. Mit einem Kleinbus mit sicher 20 Plätzen wurde ich als einziger Fahrgast direkt zum Hotel in Birzebbuga gefahren, direkt gegenüber dem Hafen. Die Reception im Hotel war unbesetzt, nach einiger Zeit kam ein alter, fast zahnloser Mann angeschlurft, der mich erst nicht verstand, erst nach dem Vorlegen der Hotelreservation verstand er mein Anliegen, erledigte die wenigen Formalitäten und hielt mir eine Plastikkarte mit der Zimmernummer hin. Dann deutete er zum Fahrstuhl, das wars an Kommunikation, unter einem Gästeempfang stelle ich mir leicht was andres vor.
Das Zimmer erwies sich wider Erwarten als recht komfortabel, und vor allem mit einem Balkon ausgestattet der den direkten Blick zum Hafen ermöglichte. So konnte ich gleich einige Nachtbilder machen, und noch einige Zeit das Panorama an Licht und Wasser geniessen.

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Sa 30.05.15
Diesen Tag verbrachte ich in Birzebbuga, am Vormittag mit einem ausgedehnten Spaziergang entlang der Marsaxlokk Bay, die Häuser erinnern in ihrer Bauart teilweise recht stark an den Baustil im Magreb. Man sieht dass es auf Malta seit jeher an Wasser mangelt, die ganze Insel wirkt bräunlich, grün ist Mangelware. Auch die an verschiedenen Orten gepflanzten Palmen machen einen recht kümmerlichen Eindruck. Dafür hatte das Meerwasser einen noch nie gesehenen hellblauen Farbton, und wirkt recht klar, auch Unrat sieht man sehr wenig im Wasser, dafür immer wieder Schwärme kleiner Fische.
Den Nachmittag verbrachte ich teilweise am Stand und im Hotel, wo ich mir eine Siesta erlaubte. Nach einem etwas undefinierbaren Abendessen, das Fleisch hätte ein Kotelett sein sollen, war aber so dünn und zart dass ich mir nicht so sicher war ob das wirklich vom Schwein stammte und einem letzten kleinen Einkauf an Knabberzeugs galt mein Interesse beim Eindunklen wieder dem Schiffsverkehr. Malta Freeport scheint vor allem ein wichtiger Umschlagsplatz für Container aus dem Mittelmeerraum nach Übersee zu sein, viele Feeder sind zu sehen, die vor allem kleinere Häfen an der Nordafrikanischen Küste anlaufen.
Gegen 21.30 Uhr war es dann soweit, ich konnte das Einlaufen "meines" Schiffes, der CMA CGM Maupassant beobachten, sie wurde direkt gegenüber dem Hotel mit drei Schleppern gewendet und rückwärts zum Liegeplatz verbracht.


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So 31.05.15
Da ich schon vor dem Abflug Order bekommen hatte, mich um ca acht Uhr am Morgen auf dem Schiff einzufinden, hiess es zeitig aufstehen. Rasch das Frühstück eingenommen und den Koffer fertig gepackt, wollte ich auschecken. Wiederum war nur der alte Mann anwesend, ich legte ihm die Zimmerkarte hin. Er sah mich nur verständnislos an, ich sagte dass ich gehen müsse, er sagte nur okay, das wars, keine Rechung, keine Unterschrift, kein auf Wiedersehen.
Dank der ausgezeichneten Wegbeschreibung des Reisebüros für den Weg zum Terminal wusste ich, dass ich kein Taxi brauchen würde, in zehn Minuten war ich vom Hotel am Gate.
Auf der Crewliste, die am Gate vorlag, war mein Zusteigen nicht vermerkt, erst ein Anruf beim Agenten der Reederei brachte Klarheit, dass ich tatsächlich berechtigt war, an Bord zu gehen. Mit einem Terminalbus voller Hafenmitarbeiter, es war eben Schichtwechsel, gelang ich schliesslich zum Liegeplatz der CMA CGM Maupassant. Am Geländer der Gangway holte ich mir die ersten schmutzigen Hände, da sollte man sich wirklich nur mit Handschuhen festhalten. Auf dem letzten Drittel kam mir dann der Seemann, der an der Gangway Wache hatte entgegen und nahm mir den Koffer ab. Nach einigen Formalitäten, auch er war offenbar über mein Zusteigen nicht informiert, und einer Kontrolle mit einem Detektor, was er suchte ist mir schleierhaft, denn mein Laptop und das Fotoequipement ergaben sicher jede Menge Anzeigen, wurde ich zum Chiefmate im Office verweisen.
Ein kurzes Willkommen und sogleich wurde ein Mitarbeiter angewiesen, mich auf meine Kammer zu bringen.
Diese Kammer erwies sich als zweckmässig und gemütlich eingerichtet, mit einem breiten Bett, genügend Stauraum, zwei Fenster, eines nach hinten, eines zur Seite. Auch ein Kühlschrank ist vorhanden, wo bereits einige Dosen Cola und Eistee kühlgestellt waren, bei den herrschenden warmen Temperaturen eine willkommene Erfrischung. Auf dem Bett waren aus Frottiertüchern ein Schwan und ein Elefant geformt, so wurde ich auf einem Frachtschiff noch nie willkommen geheissen, eine nette Geste.

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Nach dem Auspacken und Einrichten vertiefte ich mich erstmal in das aufliegende Passenger Booklet, um mich mit den Vorschriften und Gepflogenheiten an Bord vertraut zu machen. Rasch ein paar erste Fotos von der Kabine und den Schiffen im Hafenbecken gemacht, dann wollte ich mich dem Kapitän in seinem Arbeitsraum vorstellen. Auf dem Gang kam mir ein älterer Herr mit grauen Haaren, Nickelbrille, Shirt, Jeans und barfuss in Sandaletten entgegen und sah mich fragen an. Ich stellte mich als Passagier vor, worauf er sich lachend als der Kapitän zu erkennen gab. Er entschuldigte sich für seinen Auftritt, er trage nicht gerne die Uniform, ihm sei es in diesen Kleidern wohler. Dies verstand ich natürlich aus eigenem früheren Erleben nur zu gut. Rasch war das Wichtigste geklärt und er musste wieder an seinen Schreibtisch zurück.
Etwas später traf ich ihn wieder auf der wasserseitigen Aussennock, von wo er ein Rettungsbootmanöver seiner Crew beobachtete und Anweisungen gab. Dass es erst beim dritten Anlauf gelang, das Rettungsboot wieder an den Drahtseilen zu befestigen, erfreute ihn nicht eben. Er äusserte seinen Missmut über die viel zu wenigen Trainings die er durchführen könne. Da nach einem früheren Unfall die Reederei verboten hat, Rettungsboote mitsamt der Crew an Bord zu holen, musste für dieses Manöver extra ein Boot bestellt und bezahlt werden, welches die Crew von der Lotsentreppe zum Rettungsboot und nach dem Manöver wieder zurück brachte, und zudem während der gesamten Dauer des Bootmanövers auf stand by bereit war.
Nach dem schmackhaften Mittagessen und einer Safety Instruktion, bei welcher mir im Eilzugstempo der Gebrauch der Schwimmweste und des Überlebensanzuges demonstriert wurde und dem raschen Runterlesen einer Checkliste mit Fragen und einer Unterschrift auf dem Fragebogen war auch dies innert Minuten erledigt. Von dem vom zuständigen Offizier selber fertig ausgefüllte Fragebogen erhielt ich am Folgetag noch eine Kopie. Das wars zum Thema Safety.
Gegen 15 Uhr waren die Ladearbeiten beendet, aber da grade ein anderes grosses Schiff ablegte und zwei Feeder an seinen Liegeplatz einliefen, war grade kein Lotse frei, erst nachdem die beiden Feeder fest waren kamen die Lotsen und Schlepper zu uns, gegen 16 Uhr hiess es schliesslich Leinen los, wiederum mit drei Schleppern wurden wir vom Liegeplatz weggezogen und dann um 180 Grad zum Auslaufen gewendet. An den schroffen Felsen der Marsaxlokk Bay vorbei ging es raus in Mittelmeer, nach dem Verlassen des Hafens nochmals ein Wendekreis von 180 Grad und los geht die Fahrt gegen Westen. Langsam entschwanden die Felsen Maltas und Gozos am Horizont. Da wir erst am frühen Mittwoch Morgen in Tanger sein müssen, war das Tempo mit rund 16 Knoten recht gemächlich, im Schiff spürt man kaum eine Bewegung, wozu natürlich auch die völlig ruhige See beitrug. Ein erster Rundgang auf dem Laufgang aussen dem Schiff entlang rundete diesen Tag ab.
Vom vielen treppauf und treppab, dem langen Stehen auf der Nock bei strahlendem Sonnenschein und den vielen neuen Eindrücken war ich müde, sodass ich mich gegen 21 Uhr bereits hinlegte und auch schnell einschlief.


Mo 01.06.15
Tierische Überraschungen, so könnte man diesen Tag übertiteln.
Die erste Überraschung erlebte ich am Morgen, die Borduhr zeigte 7.45, mein Natel 6.45 Uhr, und das Frühstück war vom 7- 8 Uhr angesagt. Offenbar wurde in der Nacht die Zeit um eine Stunde geändert, ohne dass ich es mitbekam. Rasch in die Kleider und hinunter in den Speiseraum der Offiziere, wo ich am Tisch der Schiffsführung meinen Platz habe. Wie schon am Vortag beim Abendessen war kaum wer am Tisch, offenbar nimmt man es mit den Essenszeiten hier recht flexibel. Ich verzichtete auf das angebotene Cornedbeef und begnügte mich mit zwei Scheiben Toastbrot, ein Frühstück mit Butter und Konfitüre scheint man hier an Bord nicht zu kennen. Umgekehrt mag ich zum Frühstück nicht schon warme Speisen, ein heisser Kaffee reicht mir völlig.
Nach einer ausgiebigen Dusche und einem Besuch auf der Brücke, zu welcher ich jederzeit freien Zugang habe, und einem längeren Aufenthalt auf der sonnigen Aussennock war der Vormittag schnell vorüber.
Um ca 9 Uhr liess ein Pan Pan Ruf eines Schiffes alle auf der Brücke aufhorchen, ein Frachtschiff meldete einen Seemann als vermisst, der zuletzt um 2 Uhr in der Nacht an Bord gesehen wurde. Es wurde vermutet, dass der Mann in der Nacht über Bord gefallen ist. Ein Blick in die Seekarte zeigte unserem Wachhabenden, dass unsere Position zu weit entfernt war, als dass diese Meldung für uns Relevanz gehabt hätte. Trotzdem machte männiglich sich Gedanken, was da wohl vorgefallen ist.
Nach dem Mittagessen ein erster Anruf über das Satelitentelefon nach Hause, auch das klappte gut. Es ist beruhigend zu wissen, dass man auch an Bord nicht abgeschnitten ist.
Auch die Nachmittagsstunden verbrachte ich vor allem auf der Aussennock, und dort erlebte ich dann auch die zweite, diesmal echt tierische Überraschung. In den Kielwellen unseres Schiffes sprangen plötzlich einige Tümmler, zum Glück war meine Kamera griffbereit, denn leider wollten die Tiere unsere Geschwindigkeit nicht mithalten und waren rasch wieder ausser Sicht. Ich fühle mich geehrt, diese tollen Tiere einmal in freier Wildbahn gesehen zu haben. Kurz darauf de zweite Überraschung, ich sah etwas grösseres im Wasser treiben. Rasch die Kamera draufgehalten und einige Fotos geschossen. Als ich die Bilder dann vergrössert ansah, erkannte ich eine grosse Schildkröte. die ihren Kopf eben aus dem Wasser gestreckt hatte. Ich habe nicht gewusst dass diese Tiere im Mittelmeer frei leben, umso mehr freute mich auch diese Begegnung.
Ein schöner Sommerabend klang nur allzu rasch aus und bald legte sich die Nacht übers Wasser.

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Di 02.06.2015
Ein weiterer Seetag bei strahlend schönem Wetter, anfangs kam der Wind von hinten und kompensierte praktisch den Fahrtwind, sodass es selbst auf der Aussennock annährend Windstill war, Die hohen Temperaturen zwangen immer wieder dazu, den Schatten und die Kühle der Brücke oder der Kabine aufzusuchen. Auch heute wurde das Ausharren auf der Nock belohnt, konnte ich doch wiederum Delphine sowie zwei kleine Schildkröten beobachten. Gegen Abend nahm der Schiffsverkehr in unserem Sichtbereich merklich zu, es war offensichtlich dass wir uns dem Engpass an der Strasse von Gibraltar näherten Kurz nach 20 Uhr versank die Sonne blutrot hinter den Hügeln an der Spanischen Küste, welche in den Stunden davor immer mehr aus dem Dunst herausragten. Da wir morgen gegen 6 Uhr in der Strasse von Gibraltar sein werden, endet auch mein Tag früher, will ich doch bei Tagesanbruch wiederum auf der Brücke sein.

juanito
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Re: Malta - Hamburg MS CMA CGM Maupassant

Beitrag von juanito » Mi 3. Jun 2015, 18:58

Salü Andreas

Ein wunderbarer Bericht mit einem spannenden Start deiner Reise. Bin ganz gespannt, wie es dir weiter ergeht. Da werde ich fast neidisch und erinnere mich gerne an meine bisherigen Frachtschiffreisen zurück.

Geniesse es weiterhin, ich freue mich auf deinen nächsten Bericht.

Viel Spass!

Hans-Ruedi

Andreas
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Re: Malta - Hamburg MS CMA CGM Maupassant

Beitrag von Andreas » Sa 6. Jun 2015, 23:06

Fortsetzung

Mi 03.06.2015
Auf halb sechs Uhr Morgens hatte ich den Wecker gestellt, rasch die Kleider angezogen und rauf auf die Brücke. Das Schiff hatte schon begonnen, das Fahrwasser der Strasse von Gibraltar zu kreuzen, Tanger Med lag im Lichterschein vor uns. Auch das Lotsenboot war bald auszumachen, es wurde aber nicht direkt die Leeseite unseres Schiffes angesteuert, sondern der Lotse umrundete erst das Schiff, er wollte wohl selber einen Augenschein vom Zustand unseres Schiffes nehmen. Auch die Schlepper waren bald zur Stelle und machten an Bug und Heck fest. Die Hafeneinfahrt erwies sich als tückisch, wurde doch unmittelbar nach Passieren der Mole eine Wendung um 180 Grad nötig, um mit der richtigen Seite an den Liegeplatz zu kommen. Bei diesem Manöver blieb zwischen den Schiffen an der Kaje vorne und der Hafenmole mit einem weiteren Schiff hinten nicht viel Platz, ein Ausfall der Steuerung oder beim Antrieb muss sich an solch einer engen Drehstelle wohl fatal auswirken. Längsseits des an der kritischen Stelle liegenden Schiffes hatte zudem noch ein Bunkertanker festgemacht, was den Platz noch zusätzlich einengte. Aber glücklicherweise ging alles gut und wir machten zwischen der E.R. Cuxhaven und der Esperanza N fest.
Der Hafen Tanger Med wurde erst vor einigen Jahren gebaut, er liegt etwa 60 Kilometer östlich der Stadt Tanger im Schutze eines Bergrückens, der den Wind etwas abhält, direkt an der Strasse von Gibraltar. Der Containerterminal ist klar sichtbar in 2 Hälften geteilt, auf der einen Seite hat Maersk das Sagen, auf der andern Seite ist Eurogate engagiert. Diese Teilung zwischen den beiden Firmen wird sogar mit einem Zaun klar signalisiert, der sich über das gesamte Terminal hinzieht. Etwas westlich des Containerhafens, der auch Stückgutschiffen und kleinen Tankern Liegeplätze bietet, liegt der Fährhafen, in welchem fast im Stundentakt Fähren nach Algeciras auf der gegenüberliegenden Seite der Wasserstrasse ablegen. Diese Fähren liessen sich im Laufe des Tages gut aus der Nock unseres Schiffes ablichten, während der übrige Verkehr in der Strasse von Gibraltar zum Knipsen zu weit weg war, aber beobachten liess sich dort sehr viel.
Wer meint, Marokko sei einfach flaches Land mit viel Sand, der wird in Tanger eines besseren belehrt. Hohe Hügel säumen die Küste, die meist auch mit einer grünen Vegetation bewachsen sind. Oben auf den Hügeln stehen Windkraftanlagen, Radarstationen und ähnliches mehr, das Ganze erinnert eher an Norwegen als an Marokko.
Die ersten Voraussagen zur Abfahrt lauteten irgendwann nach ein Uhr in der Nacht, den Nachmittag und Abend über wurde unser Vorschiff mit bis zu 5 Containerbrücken ent- und beladen, wobei das Entladen den grösseren Teil ausmachte, fuhren wir doch schliesslich mit rund 15'000 Tonnen weniger Ladung weiter. Gegen 21 Uhr erklang dann der Aufruf im Schiff, die Crew solle sich zum Ablegen zu ihren Arbeitsplätzen begeben, kurz darauf waren auch der Lotse und die Schlepper zur Stelle. Bei heftigem ablandigen Wind mussten die Schlepper das Schiff erst auf der Stelle halten um ein Verdriften zu verhindern. Kurz nach dem Eindunklen legten wir ab und verliessen Tanger beim Einbruch der Nacht. Das Queren der stark befahrenen Wasserstrasse unter dem Kommando des Kapitäns war spannend zu beobachten. Schliesslich drehten wir nach Westen und reihten uns in der richtigen "Fahrspur" in den Verkehr ein. Unser nächstes Ziel ist Southampton, wo wir am Samstagabend ankommen sollen.

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Do 04.06.15
Am Morgen beim Aufstehen war schon zu spüren, dass der Seegang merklich zugenommen hatte, die Dünung des Atlantiks und der Wind der an Stärke zugelegt hatte, er wehte den ganzen Tag mit einer Geschwindigkeit von 25 - 35 Knoten, sorgten für stetige Bewegung im Schiff. Da der Wind und die Dünung praktisch genau von vorne kamen, waren die Bewegungen vor allem auf- und abwärts, was zu ertragen kein Problem war. Nach dem Mittag legten sich immer mehr Dunst und Wolken vor die Sonne, sodass gegen Abend die Sicht nur noch beschränkt war, an Fotografieren des nahebei verlaufenden Schiffsverkehrs war nicht mehr zu denken. Auch der Aufenthalt auf den Nocks war des starken Windes wegen nur noch beschränkt möglich, ohne Windschutz verschlug es einem fast den Atem. Wir folgten den ganzen Tag über mit Kurs genau nach Norden, also 0 Grad, der Westküste Portugals ohne diese aber je in Sichtweite zu haben, bis zum frühen Morgen des Folgetages sollten wir dann Cap Finisterre erreichen und in die Biskaya einschwenken. Ob dieser Wind und die Dünung für die berüchtigte Biskaya ein gutes Zeichen ist? Wir werden es am Folgetag sehen, ich habe zumindest meine Kammer soweit seefest aufgeräumt dass auch bei zunehmendem Schaukeln nichts in Bewegung geraten kann.


Fr. 05.06.15
Am Morgen beim Aufstehen zeigte es sich schon, dass meine Befürchtungen unbegründet waren, Wind und See hatten sich über Nacht beruhigt, die Biskaya zeigte sich vorerst von ihrer sonnigen Seite, dies änderte sich dann im Verlaufe des Vormittages, erste bewölkte sich der Himmel immer mehr, die Sonne verschwand hinter den Wolken, schliesslich bildete sich eine Front welche einen kleinen Regenschauer zur Folge hatte, der Wind legte kurzfristig wieder zu und erreichte in Spitzen über 40 Knoten, pendelte sich dann aber schnell wieder im Bereich 25-30 Knoten ein. Leider immer noch etwas zuviel um draussen auf der Nock zu verbleiben. Im Verlaufe des Nachmittages klarte es dann wieder auf, bei Sonne und klarer Sicht waren immer Schiffe in naher und weiterer Entfernung auszumachen. Der Tag verabschiedete sich mit einem spektakulären Feuerwerk an Farben, die Sonne verschwand hinter kleinen Wölkchen und zauberte dadurch eine sehr spezielle Stimmung an den Horizont, die selbst den diensthabenden Dritten begeisterte.
Mal einige Worte zum Schiff und der Besatzung, das 2010 in Südkorea erbaute Schiff einer Französischen Reederei unter englischer Flagge wird von einer relativ grossen Crew gefahren, die aus Rumänien, Bulgarien, Montenegro, China und den Philippinen kommt.
Nebst dem Kapitän, dem 1. und 2. Offizier gibt es zwei dritte nautische Offiziere. Im technischen Bereich sind zwei Chiefing an Bord, dies wegen Ablösung, dann gibt den 2, den 3, und den 4. Ingenieur, einen Elektronik Offizier, und einen speziellen Mitarbeiter für die Betreuung der Reefercontainer. Dann sind zwei zusätzliche Kadetten an Bord, die im Zuge ihrer Ausbildung eine Zeit auf dem Schiff verbringen. Nicht zu vergessen natürlich der Koch, der immer wieder versucht den Spagat zwischen Europäischer und Asiatischer Küche zu machen, manchmal mit etwas zweifelhaftem Resultat, haben seine Pommes Frites zB die Konsistenz von gar gekochten Nudeln. Aber grundsätzlich ist das Essen sehr abwechslungsreich und schmackhaft, selbst für mich wurde zum Frühstück zwischenzeitlich Butter und Konfitüre gefunden. Momentan sind nicht weniger als 26 Männer an Bord satt zu kriegen, hungrig bleibt dabei gewiss keiner. Die Offiziere und die Besatzung essen in zwei getrennten Speiseräumen, ich habe meinen Platz gleich neben dem Kapitän, also tägliches Captainsdinner. Aber selten ist die gesamte Mannschaft gleichzeitig am Tisch, öfters war ich auch alleine, aber immer ist der Steward bereit und fragt nach den Wünschen. Wenn der Kapitän einen Wunsch hat, so ruft er nicht etwa nach dem Steward, sondern an seinem Platz steht ein kleines Glöcklein, welches alleine diesem Zweck dient.
Nebst der Messe, so wird der Speiseraum genannt, steht den Passagieren, also momentan mir alleine, ein Aufenthaltsraum zur Verfügung der mit TV, einer kleinen Tee- und Kaffeeküche und bequemen Stühlen ausgestattet ist, nur ist die Aussicht nach vorne leider sehr beschränkt, je nach dem wieviele Container geladen sind. Auch auf der Brücke ist eine kleine Sitzecke vorhanden, nur leider ganz an der Wand hinten, sodass man das Wasser nicht sehen kann. Darum ziehe ich es vor, wenn möglich draussen auf der Nock zu stehen, dort ist man auch rasch genug falls mal wieder Delphine sich rasch zeigen.

Andreas
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Re: Malta - Hamburg MS CMA CGM Maupassant

Beitrag von Andreas » Sa 6. Jun 2015, 23:44

Sa 06.06.15
Morgens gegen drei Uhr hatten wir die Biskaya definitiv hinter uns gelassen, später zeigte sich der erwachende Morgen von seiner schönsten Seite, blauer Himmel, Sicht bis zum Horizont, und auch der Schiffsverkehr in Richtung Ärmelkanal hatte merklich zugenommen, im Laufe des Morgens wurde es so warm, dass für einmal gar ein Sonnenbad auf der Nock möglich war, mangels Liegestuhl eben stehend. Der Schiffsverkehr mit kleineren Frachtern bis hin zu einem Supertanker war interessant zu beobachten und verlangte von den wachhabenden Nautikern umsichtige Planung. Auf diesem Streckenabschnitt wurde auch bei Tag mit einem zusätzlichen Ausguck gefahren, was sonst nur in der Nacht der Fall ist. Um 18.30 Uhr waren wir beim Lotsen für den Solent, leider hatte sich der Wind merklich abgekühlt und die Sonne war hinter Schleierwolken verschwunden. Der Aufenthalt auf der Nock war anfangs nur zum Knipsen möglich, dazwischen zog ich mich gerne wieder in die Brücke zum aufwärmen zurück.
Die Fahrt hinauf nach Southampton ist etwas vom anspruchvollsten was ich bis heute erlebt habe, enges Fahrwasser das nicht überall Begegnungen zulässt, enge Kurven, insbesondere jene vor Cowes hatte es wirklich in sich. Und vor Cowes lag auch eine Ansammlung toller grosser Yachten die ich so auch noch nie gesehen habe: Leander, Shemara und die über die Toppen beflaggte Norge, das ganze bewacht von der Englischen Fregatte HS Nortumberland.
Weiter den Solent hinauf ging die Fahrt, vorbei an den Tankerliegeplätzen, dann folgten eine Anzahl an Autotransportern, bis wir schliesslich nach etwas mehr als vier Stunden am obersten Liegeplatz des Hafens anlegten. Erstaunlich was sich mit bis zu 3200 ISO fast ohne Licht noch so knipsen lässt, nach vier Stunden fast ununterbrochen auf den Füssen bin ich froh dass ich nun die Füsse hochlegen kann. Morgen um 13 Uhr soll die Reise schon wieder weitergehen, nach Rotterdam.
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Und ich kann mir den kleinen Seitenheib nicht verkneifen, von Anfang bis zum Festmachen war lediglich ein Lotse an Bord. In Deutschland müsste für unser 300 x 40m Schiff sicher mindestens zwei Steurer mit an Bord, weil das schwierige Fahrwasser spezielle Kenntnisse erfodern, und dass ein Lotse nach 4 Stunden sehr anspruchsvoller Revierfahrt ein Schiff auch noch anlegt, dafür kein Hafenlotse nötig ist, das wäre in Deutschland unvorstellbar und würde das Können jedes andern Lotsen natürlich völlig überfordern.... :roll:

Andreas
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Re: Malta - Hamburg MS CMA CGM Maupassant

Beitrag von Andreas » Mo 8. Jun 2015, 16:38

Sonntag 07.06.15
Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, so könnte man sagen. Doch der Reihe nach. Der Liegeplatz ganz am oberen Ende des Hafens in Southampton garantierte eines: kein Schiffsverkehr, so war der Sonntag ein ruhiger Tag an welchem das Ausspannen und Relaxen dran war. Der Tag begann mit einem traumhaft schönen Morgen, kein Wölkchen am Himmel, so wie ein Sonntag eben sein sollte. neben uns lagen diverse Segelbote an ihren Liegeplätzen im Wasser, aber kaum wer nutzte den schönen Tag zum Segeln.
Schon bald war klar, dass es mit der Abgangszeit um 13 Uhr nichts war, erst hiess es 15 Uhr, bald aber 20 Uhr, und genau so kam es auch, gegen 17.30 Uhr waren die Ladearbeiten beendet, aber erst nach 19 Uhr kamen dann Schlepper und der Lotse. Erst mussten zwei Schiffe welches hinter uns lagen ablegen, erst dann war die Reihe an uns, wir fuhren erst ein ganzes Stück rückwärts vom Liegeplatz weg bis an eine stelle wo wir mit Hilfe zweier Schlepper drehen konnten, wiederum war wie in Tanger der Platz sehr knapp, es brauchte die volle Aufmerksamkeit von Lotsen, Kapitän und den Schlepperkapitänen um unser Schiff ohne Probleme zum Abgang drehen zu können. Im letzten Tageslicht ging es dann dem ganzen Hafen entlang in Richtung See, das schöne Abendlicht lud wieder zum fleissigen Gebrauch des Fotoapparates ein. Bald war es dann aber leider zu dunkel, sodass ich von Cowes und den einlaufenden und auf Reede liegenden Schiffen nichts mehr knipsen konnte.
Ab diesem Tag sind wir übrigens ein Mann weniger an Bord, der Chef Ingenieur hat in Southampton am frühen Morgen das Schiff verlassen um seinen Urlaub anzutreten.

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Re: Malta - Hamburg MS CMA CGM Maupassant

Beitrag von Andreas » Mo 8. Jun 2015, 19:52

Montag, 08.06.15
Ich bin mit der Verwendung von Superlativen oft sehr zurückhaltend, aber dieser Tag verdient das Prädikat genial. Aber der Reihe nach, beim ersten Blick durch das Kammerfenster am Morgen grüssten an Backbord eben die bekannten Kreidefelsen von Dover, wir waren also grade im Ärmelkanal. Rasch ein ausgiebiges Frühstück, dann rauf auf die Brücke. Es war sehr spannend, den ganzen Schiffsverkehr und die Navigation durch die verschiedenen Verkehrstrennungsgebiete vom Ärmelkanal bis Rotterdam zu verfolgen. Am frühen Mittag erreichten wir die ersten Reeden, auf der über 30 Schiffe lagen die nach Rotterdam wollten. Vor der Essenszeit ging ich rasch in die Messe und bat den Koch um einen Teller Salat, da ich während der normalen Essenszeit dann auf der Brücke sein wollte. Das war auch kein Problem, sofort wurde die Salatschüssel auf den Tisch gestellt, dazu wie üblich frisch (auf)gebackene Pariserbrötchen.
Anschliessend wieder rauf auf die Brücke, wo die ersten Reedelieger in Knipsdistanz kamen. Ein Grossconatinerschiff nahm eben auch von der Reede fahrt auf und lief hinter uns Richtung Lotsenschiff. Das Wetter war noch immer fantastisch, eine Sicht wie ich sie in Rotterdam noch selten sah, klar und wie frisch gewaschen, nur ein kalter Wind mit 30 und mehr Knoten machen den Aufenthalt auf der Nock nicht grade angenehm.
Eine ganzen Reihe von Schiffen war am Einlaufen, eines nach dem andern erhielt einen Lotsen und lief mit reduzierter Geschwindigkeit Richtung Maasmündung. Ausgehend war auch schon reger Verkehr zu sehen, ein grosser MSC, dann kamen ein beladener Tanker und ein leerer Grosstanker, dahinter ein weiteres Grosscontainerschiff von CMA CGM und schliesslich kam auch von Hapag Lloyd ein grosses Schiff aus dem Hafen, eine solche Massierung sah ich noch selten in Rotterdam.
Auf der Höhe des Maasmondes, wo ich bei meinen Spotter Aufenthalten in Rotterdam sehr oft stehe, bekamen wir zwei Schlepper, welche und in gemächlicher Fahrt in den Amazonehaven brachten. Unterwegs waren verschiedene Schiffe zu sehen, ein roter Supertanker hatte es mir besonders angetan, er präsentierte sich weitgehend leer, es war die Bungs Kasturi Empat. Kaum lagen wir an unserm Platz, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen, denn des grosse Containerschiff, welches ich auf der Reede schon sah, wurde auch in den Amazonehaven gebracht, es fuhr praktisch in Griffweite an uns vorüber, es war die NYK Hyperion. Und weil aller guter Dinge drei sind, kam kurz danach noch ein grosses Containerschiff, die Ever Loading, welches ebenfalls im Amazonehaven festmachte, und ebenfalls an uns vorbeifuhr. Dazu kamen diverse Feederschiffe, Flusschiffe, die Schlepper an den Grossschiffen welche mit sichtbarer Power ihren Dienst versahen, kurz es war absolut gigantisch was da abging, dies bei strahlendem Sonnenschein und glasklarer Luft, und ich war nicht nur dabei sondern mittendrin. Erst gegen 17 Uhr legte sich etwas mehr Ruhe über das Hafenbecken, Zeit den schmerzenden Füssen etwas Erholung zu gönnen. Beim Abendessen erfuhr ich, dass es gem dem Agenten der Reederei morgen bereits gegen 7 Uhr losgehen würde, also werde ich wohl mal wieder den Wecker stellen müssen . Nun hoffe ich noch auf das eine oder andre Bild im Abendlicht.

PS: Zur Vermeidung hoher Gebühren werde ich weitere Bilder zu den Tagen erst nach meiner Ankunft am Mittwoch in Hamburg hinzufügen.

Martin Witte
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Re: Malta - Hamburg MS CMA CGM Maupassant

Beitrag von Martin Witte » Di 9. Jun 2015, 08:48

Moin,

ETA Burchardkai: 10.6. 07:00

Viele Grüße
Martin

Andreas
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Re: Malta - Hamburg MS CMA CGM Maupassant

Beitrag von Andreas » Mi 10. Jun 2015, 20:51

Fortsetzung und Ende

Dienstag 09.06.15
Am Vorabend wurde eine voraussichtliche Abgangszeit von 07 Uhr am Morgen genannt, das hat sich dann schliesslich doch etwas hinausgezögert, um 9 Uhr hiess es dann Leinen los zur letzten Etappe meiner Reise. Wiederum war die Sicht klar, sodass ich viele Fotos von den liegenden und fahrenden Schiffen rundherum machen konnte, aber der kühle Wind machte mir das Verbleiben auf der Nock nicht wirklich angenehm.

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Da der Lotse gesehen hatte, wie heftig ich knipste, sprach er mich an, ob ich meine Bilder auch im Internet einstellen würde. Es stellte sich heraus, dass wir uns von den bekannten Schiffsbilder-Sites her gegenseitig kannten, auch er knipste während des Auslaufens das eine und andere Bild.
Nachdem der Lotse von Bord gegangen war, ging die Fahrt durch die diversen Verkehrstrennungsgebiete nordwärts.
Dass Schiff und Wasser seit jeher untrennbar zusammengehören ist bekannt, jedoch wenn im Schiff am falschen Ort Wasser ist, dann kann es schwierig werden, wie Beispiel zeigt.
Der Steward kam auf die Brücke und bat mich die Kabine zu öffnen, er müsse kontrollieren ob es Wasser in der Kabine habe. Das Ganze erschien mir suspekt, ich ging mit ihm nach unten, und sah, dass auf dem Flur meinem Deck Mitarbeiter am Wasser beseitigen waren, ebenso im ganzen Treppenhaus. Ich schloss meine Kabine auf und sah, dass auch dort der Teppich auf der einen Kabinenseite völlig durchnässt war.

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Grund dieser Überschwemmung war eine gebrochene Wasserleitung in unsrem Deck, das Wasser lief in die Kabinen auf der Backbordseite, dann ins Treppengaus und ergoss sich bis auf der Upperdeck hinunter. Das Ganze musste während dem Auslaufen passierst sein, weil ich dauernd auf der Nock draussen war, bekam ich davon nichts mit. Sämtliche verfügbaren Mannschaftsmitglieder waren am Wasser beseitigen, zu allem Elend versagte der einzige verfügbare Wassersauger auch ziemlich seinen Dienst. Sofort wurde mir angeboten, in die auf demselben Deck gelegene, unversehrte Eignerkabine umzuziehen, was ich auch dankend annahm, meine Sachen rasch packte und die Kabine wechselte. In der Nacht misste ich dann aber feststellen, dass diese Kabine wohl grösser und schöner war, aber vom Lärm der Fahrmotoren her einiges lauter als meine vorherige Kabine. Das war dann auch die einzige Nacht in der ich schlecht schlief.
Unsere Fahrt ging weiter auf dem "Highway" Richtung Deutsche Bucht, einen prächtigen Sonnenuntergang erlebten wir querab Borkum.

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Mittwoch 10.06.15
Um wenigsten einen Teil der Revierfahrt noch mitzubekommen, hatte ich meinen Wecker auf 04.45 Uhr gestellt, ein Blick aus dem Fenster liess mich eben Stadersand erkennen. Rasch angezogen und rauf auf die Brücke, kurz danach gab es einen wunderschönen Sonnenaufgang, wie man ihn nur von der Brücke eine Schiffes erleben kann.

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Gegen halb sieben machten wir sodann am Burchardkai fest, womit das Ende meiner Reise gekommen war.
Mit dem Kapitän hatte ich vereinbart, dass ich das Schiff erst nach dem Mittagessen verlassen würde, so hatte ich die Möglichkeit, noch einige Fotos aus der hohen Warte das Nock zu schiessen. Prompt liefen im Laufe des Vormittages noch weitere Schiffe in den Waltershofer Hafen, sodass meine Hoffnung erfüllt war.

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Nach dem Mittag hiess es dann Abschied nehmen von einer tollen Besatzung, gerne wäre ich an Bord geblieben um die Reise Richtung Osten, nach Saudi Arabein, den Emiraten, Pakistan und Indien mitzumachen.
Nun bleibe ich noch bis Samstag in Hamburg, wo ich natürlich vor allem weiter im Hafen unterwegs bin, aber von einer tiefer liegenden Perspektive aus.

Andreas
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Re: Malta - Hamburg MS CMA CGM Maupassant

Beitrag von Andreas » Mi 10. Jun 2015, 20:55

Herzlichen Dank allen die mitgelesen haben, und in Kommentaren und Nachrichten aktiv waren.

Grüsse
Andreas

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