wenn man in Stockholm wohnt und zum 01.03.22 der Neubau VIKING GLORY seine erste Abendabfahrt ab Stockholm macht, muss man einfach dabei sein. So auch ich.
Kurz zum Schiff
Der Neubau Viking Glory wurde bereits 2017 für den Verkehr Stockholm-Mariehamn-Turku bestellt, um sich zur Viking Grace zu gesellen und die 1988 gebaute Amorella zu ersetzen.
Gebaut wurde das Schiff in China, nicht in Finnland – ein Trend, der bei vielen Reedereien zu sehen ist.
Die für 2020 geplante Lieferung verzögerte sich mehrmals, am 28.12.2021 verließ das fertige Schiff schließlich die Werft, um Anfang Februar in der Ostsee anzukommen.
Mit 65.211 BRZ und einer Länge von ca. 223m ist sie die größte Fähre der Ostsee und löst die Silja Europa ab.
Das ist das gute Stück, aufgenommen am 05.03.22 während einer späteren Passage mit der Rosella:

Mit an Bord war ein ebenso schiffsbegeisterter Bekannter von mir aus Schweden, er hatte noch zwei Freunde mit.
01.03.22 – zum ersten Mal ab Stockholm…
Schließlich war’s heute so weit: nachdem die Glory am 28.02.22 in Turku getauft wurde, hatte sie am 01.03.22 ihre erste Abfahrt gegen 08:45 aus Turku über Mariehamn, entsprechend war ihre erste Abendabfahrt ab Stockholm für 20:00 anberaumt.
Bevor ich mich gegen 18:30 am Terminal einfand, drehte ich noch eine Runde mit den kleinen Hafenfähren durch Stockholm:



Abends am Terminal angekommen, füllte sich dieses allmählich, das Schiff war ausgebucht – kein Wunder, bei der ersten Abfahrt ab Stockholm des nagelneuen, lang ersehnten Schiffes. Ich holte mein Ticket und vertat mir noh etwas die Beine. Das Schiff wollte ich beim Einlaufen 18:55 schon bestaunen.
Allerdings kam sie bereits mit 15 min. Verspätung in Stockholm an, in Mariehamn soll es wohl Probleme mit der Verladung gegeben haben.
Schließlich ging ich zum Wartebereich im zweiten Stock – so voll war das Terminal noch nie, bei einem ausgebuchten Schiff kein Wunder.
Eine Kapelle spielte.
In einschlägigen sozialen Netzwerken wurde bekannt gegeben, dass Probleme mit der Gangway die Einschiffung verzögerten, sodass wir schlussendlich 20:15 statt wie geplant, 19:40 an Bord kamen. Die Passagiere nahmen es gelassen und applaudierten, als wir an Bord konnten.
Aus der geplanten Abfahrt 20:00 wurde natürlich nichts. 20:45 etwa dürften wir abgelegt haben.
Egal, nachdem ich meine Innenkabine auf Deck 6 bezog, ging’s zum ersten Rundgang über das Schiff.
Was soll ich sagen? Selten war ich so beeindruckend von einem unglaublich modernen, überaus gelungenen Interieur! Das Atrium auf Deck 9 und 10 mutete wie auf einem waschechten Kreuzfahrtschiff an. Der Titel „Fähre“ schien hier nur noch formell als Bezeichnung für den Schiffstypen zu gelten.
Verschiedene Bilder, die während der gesamten Reise gemacht wurden, soll’s hier geben:

Das Atrium auf Deck 9 und 10 – dort findet sich auch das „Market“-Foodcourt.

Einer der großen Außendeck-Bereiche am Heck.


Die Vista-Lounge, eines meiner Highlights auf Deck 10 mit toller Livemusik.


Die freitragenden Außendecks auf Deck 6 und 7 auf der Seite.
Das Auslaufen schaute ich mit trotz der Dunkelheit noch an, bis ich doch später, als erwartet ins Bett ging…
02.03. – ein ganzer Tag auf dem neuen Schiff
Schon früh, gegen 06:30 klingelte mein Wecker, ich wollte doch das Einlaufen nach Turku durch die tollen Schären nicht verpassen.
Man zog ein paar Runden über das Deck und bestaunte die schneebedeckte Schärenlandschaft:




Hier machte sich eine der ganz wenigen Schattenseiten der Glory bemerkbar: ja, das Schiff hat mehr als genug Außendecks, aber man kommt auf den obersten Decks nicht bis zum Namensschriftzug, sprich bis fast ganz vor.
Das geht auf der Viking Grace, die als zweites Schiff zwischen Stockholm und Turku verkehrt.
In der Mitte, bei der „Viking Terrace“ ist bei der Viking Glory auf den obersten Decks Schluss.
Immerhin kommt man auf der Glory auf Deck 6 und 7, den freitragenden Außendecks, recht weit vor. Auch da sind tolle Blicke vorprogrammiert.


Gegen 07:30, wie geplant, legten wir also nicht an, sondern etwas später. Turku war schon in Sichtweite.


Nebst der Galaxy lag de Amorella von Viking Line noch im Hafen, die zum 01.03.22 von der Viking Glory zwischen Stockholm und Turku via Mariehamn ersetzt wurde.
Seit 1988 war die Amorella nahezu ununterbrochen auf der Route unterwegs. Nun wird sie zum 01.04.22 zwischen Stockholm, Mariehamn und Helsinki verkehren, und meinem Lieblingsschiff, der Gabriella, Gesellschaft leisten. Das freut mich sehr!


Als in Turku Passagierwechsel war, ging’s ins Buffetrestaurant zum Frühstück, ich hatte es fast für mich allein! Meine Bekannten gesellten sich noch zu mir später. Natürlich wurde ein Platz am Fenster ergattert.
Das Restaurant gefiel mir ausgesprochen gut, mit das schönste, was ich bisher gesehen habe:



Zur Abfahrt, schätzungsweise gegen 09:15, ging’s ab an Deck und es hieß: „Hebel on the Table“, mit strammen 23 kn sollte wohl die Verspätung ausgeglichen werden…
Die Schärenlandschaft im Winter kann sich echt sehen lassen:




Die Decks hatte ich fast für mich allein, frönten die meisten Gäste unter Deck wohl der vielfältigen Unterhaltung…
Die schönen Ausblicke an Deck wollte ich mir nicht entgehen lassen, grad wenn doch die Sonne heraus kommt…


Ein RORO-Schiff namens ML Freya begegnete uns, späterhin noch die Europalink, die seit Januar 2022 zwischen Kapellskär und Naantali verkehrt. Sie hat damit die Finnfellow ersetzt.



Gegen den frühen Nachmittag erreichten wir Mariehamn, die Baltic Princess und Galaxy von Tallink Silja begegneten uns auf dem Weg nach Turku bzw. Stockholm. Mit beiden Schiffen war ich Mitte Februar unterwegs.
Die Viking Grace, die Gegenfähre zur Glory lag aus Stockholm kommend, schon in Mariehamn und machte sich wenig später auf den Weg nach Turku.




Rosella lief später auch noch ein, auf der ich einige Tage später war – welch ein Kontrast…

Zwischenzeitlich hatte ich noch ein Online-Seminar, was ich im Schiffsinneren verfolgte und wo ich mir einen schönen Platz suchte.
Von Mariehamn aus legten wir noch ein Stück auf der offenen See zurück, bis wir zum späten Nachmittag die Stockholmer Schären erreichten. Die mehrstündige Passage durch den Archipel ist und bleibt für mich unbeschreiblich, v. A. im Abendlicht:















Stundenlang konnte ich an Deck verweilen…
Gegen 19:5 schätzungsweise kamen wir in Stockholm an, statt 18:55, wir haben aber gut Verspätung aufgeholt.
Mittlerweile scheint man durch ausreichend schnelles Fahren den Fahrplan in den Griff bekommen zu haben, das Schiff ist meist stets pünktlich unterwegs.
Beim von Bord gehen dieses beeindruckenden Schiffes war klar: ich komme wieder! Absolut gelungenes Schiff.
Vielen Dank fürs Lesen.