Antriebswelle / Antriebsschraube / Propeller

Fisserfahrer
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Registriert: Fr 11. Jan 2008, 17:52

Re: Antriebswelle / Antriebsschraube / Propeller

Beitrag von Fisserfahrer »

Hallo zusammen,
noch einige zusätzliche Infos zum Thema Antrieb und dessen Steuerung:

Drehzahlen
Das Optimum der Propellerdrehzahl ist u.a. vom Durchmesser abhängig, (je größer je langsamer) und wird auch von der Geschwindigkeit an den Flügelspitzen begrenzt (Kavitation!) Sie liegt bei größeren Propellern deutlich unter 100 U/min.
Der Vorteil des langsamlaufenden 2-Takters ist, dass er kein Untersetzungsgetriebe braucht.
Die mittelschnell-laufenden 4 Takter haben in der Regel ein Untersetzungsgetriebe, dafür haben sie erheblich geringere notwendige Bau-Höhen (Motorhöhe + Ausbauhöhe für Kolben+K-Stange/Pleuel), deshalb haben Fähren /RoRo ehr 4-Takter.

"ganz langsam voraus"
Ist etwas abhängig von der Bauart ( 2/4-Takt) und der Nenndrehzahl. Ein großer 2-Takter mit Nmax= 100 U/min dreht (wenn er richtig warm ist!!) bis 10 U/min herunter (hängt auch etwas von der Art der Aufladung zusammen, denn er braucht ja auch Luft in den Zylindern..)

Umsteuerung
Je nach Hersteller wird Nockenwelle verschoben (je ein Vorwärts- und Rückwärts-Nocken) oder verdreht.
Das geht ganz fix, innerhalb weniger Sekunden und ist kein Problem.
Wenn Motor "noch in die falsche Richtung dreht", kann bis zu einem gewissen Grade schon vor dem Stillstand "in die andere Richtung" Anlass-Luft drauf gegeben werden, um die Maschine abzubremsen, wird zu früh Kraftstoff gegeben, öffnen die Sicherheitsventile ( das ist unüberhörbar und nicht so ganz lustig...)
Bei Manövern im Hafen, wenn das Schiff kaum Fahrt hat, steht die Schraube sehr schnell, innerhalb einiger wenigen Umdrehungen.
Ganz anders, wenn das Schiff in Fahrt ist und gestoppt werden muss, dann treibt die Schraube die Maschine, das kann dann einige Minuten dauern, bis in Gegenrichtung angelassen werden kann.

Getriebe/ Kupplung
Auch bei großen 2-Taktern ist die Welle nicht starr mit der Kurbelwelle verbunden, sondern dazwischen sitzt ein Drehschwingungsdämpfer.
Dieser ist aber bei 1-Motoren Anlagen nicht auskuppelbar.

Fernsteuerung von der Brücke
Bei DDG Hansa waren die ersten Schiffe, soweit ich weiß, die die WN-Klasse (Crostafels++..) ab 1966, bei HL die Friesensteinklasse ab 1967.
Die Fernsteuerung und Überwachung für 16/24 wachfreien Betrieb war mit minimaler Elektronik ausgeführt. Ja, es gab ein paar Transistoren, sehr viel (zB die Meßwertüberwachung) ging mit unendlich vielen Relais. Die Hansa-Crostafels-Klasse hatte noch Germanium-Transistoren in der Siematic drin, die ziemlich temperaturempfindlich waren, der Maschinenkontrollraum (MKR) war oft der kühlste Ort an Bord und hatte 2 unabhänige Kühlanlagen (eine für Stand-By) . Genial für die Crew, im MKR so um die 18 C, im Maschinenraum auch mal 40-50 C, so was nennt man heute Thermoschock....

Verstellpropeller
Der bauliche Aufwand ist ja nicht ganz gering, man denke auch an die Kräfte, die da bei 100 000 kW drüber müssen. Zudem ist er,
auf Grund der höhern Teileanzahl, erheblich störanfälliger, ein weiterer Grund, ihn bei 1-Schrauben-Schiffen ehr nicht einzusetzen.

Hoffe, noch ein paar Aspekte beigetragen zu haben.

Fisserfahrer
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