Die Idee gefällt mir, daher versuche ich einmal etwas beizutragen.
Kurz zu mir: Ich bin von 2006 bis 2009 als Schiffmechaniker-Azubi bei Reederei Hermann Wulff auf großer Fahrt unterwegs und habe im Anschluss mein C-Patent in Cuxhaven erworben. Bis zum Chief bin ich bei den Gebrüder Winter unterwegs gewesen und dann ins Büro bei Reederei Drevin als Superintendent gewechselt. Mittlerweile bin ich allerdings als Projektleiter in einer Bremerhavener Schiffreperaturfirma unterwegs.
Immer, wenn wir wieder auf den Schiffen im Hafen unterwegs sind, stelle ich mir schon dann und wann mal die Frage, ob der Wechsel an Land die richtige Entscheidung war.
An Bord war vieles irgendwie einfacher. Man ist eingestiegen, das Mobiltelefon hat wenige Meilen aus dem Hafen raus nicht mehr funktioniert und jegliche Kommunikation war auf einige Mails in der Woche reduziert. Man war mit "seinen" Jungs an Bord, hat täglich seine mal mehr, mal weniger schwere Arbeit erledigt, am Abend ein gemeinsames Bier getrunken, vielleicht einen Film angeschaut, oder ein Buch in ruhe gelesen, oder ist einfach auch mal früh zu Bett gegangen. Einige Besatzungsmitglieder sind einem sogar so sehr ans Herz gewachsen, dass man stundenlang nach Feierabend gequatscht hat und es teils schmerzhaft war, wenn diese dann ausgestiegen sind.
Mit einem meiner Kapitäne habe ich unzählige Stunden am Abend auf der Brücke verbracht und wir haben nichts anderes gemacht, als uns mit Geschichten zu amüsieren. Und das alles ohne ständige Anrufe, Mail, soziale Medien, usw.
Es war eine tolle und spannende Zeit, ohne Frage!
Warum bin ich also nicht weiter gefahren... Nunja, als Chief sah die Lage dann schon etwas anders aus. Ich war die letzten drei Reisen als Deutscher alleine unterwegs, die restliche Besatzung bestand aus Philippinos, Russen, Ukrainern und Rumänen. Diese waren in aller Regel immer mindestens zu Zweit oder Dritt und es ist mir schlicht schwer gefallen, einen Draht zu den Jungs aufzubauen. In aller Regel sind die einzelnen Nationalitäten nach Feierabend unter sich geblieben und somit sind die mir so "geliebten" Gespräche entfallen. Also saß ich oft alleine auf Kammer und habe die X'te Serie zum vierten Mal geschaut. Zudem hat die Qualität der Besatzungen stetig abgebaut und es war mir zum Ende meiner Seefahrtzeit schlicht zum Teil zu gefährlich mit den Jungs auf See zu sein. Als ich dann in Singapur für den Fehler meines zweiten Ingenieures kurzzeitig in den polizeilichen Arrest musste, habe ich die Kündigung eingereicht und bin an Land geblieben.
Dennoch denke ich gerne an diese Zeit zurück und ab und an überlege ich schon, ob ich nicht doch wieder fahren sollte. Zumindest mein Patent halte ich aufrecht, man weiß ja nie!
Würde mich freuen, wenn mir die, die hier schreiben und noch fahren berichten, wie es mittlerweile für deutsche Besatzungen aussieht. Macht Euch der Job noch so viel Spaß wie noch vor ein paar Jahren? Wie geht Ihr mit der "Einsamkeit" als einer der wenigen Deutschen an Bord um? Nimmt der Ausbildungsgrad, speziell unter den Offizieren wieder zu?
Hier noch ein paar Bilder:
Herlichstes Wetter am Äquator 2006:
Kurz vor der Taufe haben wir auch noch alle gelacht

(Ich bin der im orangenen Shirt)
2007 Meine dritte Reise als Azubi, ein wunderbares Schiff! Leider nach nur 10 Jahren Betrieb auf den Strand geschoben, da die 4500er keiner mehr wollte zu der Zeit...
Meine erste Dockung als fertiger Schiffmechaniker, während den Ferien in der Zeit als ich Patent gemacht habe. Ebenfalls ein tolles Schiff, ebenfalls Verschrottet... Das war die erste Dockung bei Palumbo auf Malte nach deren Wiedereröffnung:
Und mein erstes Schiff, da hat die Reederei mich direkt nach Unterschrift auf dem Lehrvertrag nach Afrika geschickt. Die Reise ging fünf Monate Italien - Nigeria - Ghana - Elfenbeinküste - Sierra Leone und zuück. Nach der Reise wurde ich in der Reederei mit der Frage begrüßt, ob mir die Reise gefallen hat, wenn ja, wird aus mir ein Seemann
So, nun bin ich auf Eure Geschichten gespannt!
Grüße, Toni