Pressemeldungen

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Volker Landwehr
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Registriert: So 3. Aug 2008, 18:19

Re: Pressemeldungen

Beitrag von Volker Landwehr »

Wenn ich es richtig verstanden habe, soll eine Steuer nach Gewicht auf die eingeführten Waren eingeführt werden.

Vor ca. 1 Jahr hat die Trump Administration schon einen Versuch gemacht, in China gebaute Schiffe bei ihrem Anlauf in den USA mit höheren Hafengebühren zu belegen. Das wurde nach einer chinesischen Retourkutche auf Eis gelegt.

Da es für Versender wegen mangelnder US Schiffskapazitäten keine Ausweichmöglichkeiten und damit derzeit keine Konkurenz gibt, wird die Steuer auf die Preise aufgeschlagen werden. Die Kosten werden wieder vom amerikanischen Verbraucher getragen werden müssen.

Dieses ganze geplante Schiffbauprogramm geht aus meiner Sicht an der amerikanischen Wirklichkeit vorbei. Woher sollen die Werften und Werftarbeiter kommen, wo man doch alle nicht legal eingereisten Einwanderer abschieben will, die immerhin 5% der amerikanischen Arbeitnehmerschaft ausmachen.

Und dann sind da noch die Baukosten. Ich erinnere mich an ein in Philadelphia gebautes 3600 TEU Containerschiff der Reederei Matson. Es kostete in 2018 ca. $205 Millionen. Die in Odense gebaute 15.200 TEU EMMA MAERSK hat für 2018 inflationsbereinigt ca. $175 Millionen gekostet, ein 20.000 TEU Schiff in 2018 in Südkorea ebenfalls ca. 175 Millionen.
Oder ein neueres Beispiel:
Im Jahr 2022 gab Matson Navigation bei Philadelphia Shipyard drei 3.600 TEU-Dual-Fuel-Containerschiffe in Auftrag, wobei jedes Schiff etwa 333 Millionen US-Dollar kostete. Vergleichbare Schiffe, die in China gebaut wurden, kosteten nur 55 Millionen US-Dollar.
Quelle: https://www.yicaiglobal.com/opinion/zha ... onclusions

Mit diesen Baukosten sind in den USA gebaute Schiffe im internationalen Handel nicht konkurenzfähig. Für den Verkehr zwischen amerikanischen Häfen sind nach dem Jones Act betriebene Schiffe erforderlich. Das bedeutet gebaut in den USA, unter US Flagge fahrend, in US Besitz und mit US amerikanischer Crew. Ohne internationale Konkurenz geht das.

Das Ergebnis lässt sich an Hawaii ablesen. Dort sind die Lebenshaltungskosten ca. 90% höher als der Durchschnitt der kontinental USA. Brennstoffe importiet Hawaii zu 80% aus dem Ausland, obwohl die USA reichlich hätten.
Gruß, Volker
fuhri1186
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Registriert: Mo 26. Aug 2019, 14:05

Re: Pressemeldungen

Beitrag von fuhri1186 »

Danke Volker, ich wusste wohl, dass die in den USA gebauten Schiffe teurer sind, aber mit solchen Abweichungen zum "Weltmarkt" hätte ich nicht gerechnet...

Ein Artikel von Matson zu den neuen Schiffen der Aloha Klasse:

https://investor.matson.com/news-releas ... ered-aloha

Da wird recht gut beschrieben, warum die erheblichen Baukosten in kauf genommen werden.
Das erste der Schiffe soll Ende 2026 abgeliefert werden, die anderen beiden dann in 2027.
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