Rostock verliert seine "Georg Büchner"

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Schubi
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Re: Rostock verliert seine "Georg Büchner"

Beitrag von Schubi » Di 8. Jan 2013, 16:55

Soviel zum 10.01. , und nützt jetzt leider auch nix mehr ...

http://www.ostsee-zeitung.de/rostock/in ... id=3652872

Tim S.
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Re: Rostock verliert seine "Georg Büchner"

Beitrag von Tim S. » Mi 9. Jan 2013, 11:11

Schiffe nur Denkmale auf Zeit, sagt die Stadt Rostock:
http://www.nnn.de/nachrichten/home/top- ... 0e092acffa

Schubi
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Re: Rostock verliert seine "Georg Büchner"

Beitrag von Schubi » Mi 9. Jan 2013, 19:35

Na da antworten ja die richtigen.
Sollten vielleicht mal die Betreiber der "Rickmer Rickmers" , "Cap San Diego", "Queen Mary", "Passat" und vor allem der "HMS Warrior" usw. mal fragen was historisches Erbe und Pflicht dieses zu erhalten bedeutet ...

spirit
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Re: Rostock verliert seine "Georg Büchner"

Beitrag von spirit » Mi 9. Jan 2013, 22:56

..leider fehlt den Deutschen das Geld und sicherlich auch das Gefühl für die Vergangenheit.
Das Schiffe wie die Rickmer Rickmers, Cap San Diego usw. erhalten werden hat aber auch mit den großen Reedereien zu tun. Wenn ich anders z.B. an den noch immer trostlosen Zustand der Gorch Fock I in Stralsund denke, sieht man wie machtlos kleine Vereine im Verhältnis zu den "Großen" sind. Die Bark ist immerhin das Typschiff einen großen Serie. Ihre Schwestern segeln heute noch alle in tadellosem Zustand. Eagle (Horst Wessel), Sagres ... Aber leider haftet ihr der Makel der Reichsmarine an.
Hier liegt mit Sicherheit aus das Problem für die "Georg Büchner". Das Schiff stammt aus der heute verhassten DDR-Geschichte.
Als das Schiff für die großen Ausstellungen in Rostock für das Stadtbild interessant war, gabs sogar einen prestigeträchtigen Liegeplatz im Stadthafen. Nachdem das große Spektakel vorüber war, waren wieder die "kleinen" gefragt. Heute wird von Seiten der Stadt nur noch von "Denkmälern mit Verfallsdatum" gesprochen.
Wenn wir Deuschen nicht bald mehr für die Seefahrtshistorie tun, ist die Geschichte und die Herkunft bald vergessen.
Bleibt nur zu hoffen, dass unser Staat sich mal wieder mehr um die eigenen Belange kümmert. Afghanistan und auch der vordere Orient (neues Patriot-Testgebiet) sind weit weg.
Hier gibt´s genug zu tun. Es fehlt an Bildung, Kultur und Entwicklung im eigenen Lande....

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Re: Rostock verliert seine "Georg Büchner"

Beitrag von Olle » Do 10. Jan 2013, 09:03

Ja, danke für Deinen Rundumschlag. (Nichts anderes ist es, zeigt vor allem der letzte Satz.)
spirit hat geschrieben:Hier gibt´s genug zu tun. Es fehlt an Bildung, Kultur und Entwicklung im eigenen Lande....
Wenn ich die bisherigen und zu erwartenden jährlichen Kosten für die Büchner in Jahresgehälter von (gutausgebildeten) Sozialpädagogen, Lehrern, Bundeswehrpiloten, Kindergärtnern, Altenpflegern oder Bewährungshelfern umrechne, komme ich zum Entschluss, dass das Groschengrab schon viel früher weggegeben hätte werden sollen.

Ich sehe ein, dass Technikdenkmäler zu bewahrende Kultur sind, und dass das Technikerbe in Deutschland evtl. vernachlässigt wird, aber die Büchner ist da kein MaBstab!
(Wenn ich einmal in reichere Länder schaue (Dänemark, Finnland) und mir die GröBe der gröBten Museumsschiffe dort anschaue, stehe ich mit meiner Einschätzung vielleicht richtig da.)

Und wenn ich an handlichere Technikdenkmäler wie Wal, Bussard oder Alexandra denke, dann behaupte ich, dass diese der derzeitigen Situation in Deutschland angemessener erscheinen.
Lasst uns ander Cap San freuen, aber wir müssen einsehen, dass solche Monster nicht gröBtenteils aus öffentlicher Hand zu wuppen sind. Hier hat nun einmal Hamburg die gröBere Lobby und da lassen sich dann auch entsprechend eher private Gelder zur Schiffsunterhaltung einwerben.

Tim S.
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Re: Rostock verliert seine "Georg Büchner"

Beitrag von Tim S. » Do 10. Jan 2013, 09:32

Ja, Spirit, das denke ich auch, dass das gar nichts mit DDR oder, wie im Falle der Gorch Fock 1, mit Reichsmarine zu tun hat. A und O zum Erhalt solcher technischer Denkmäler ist ein brauchbares Finanzierungskonzept, und das ist nicht vorrangig Sache der öffentlichen Hand. Wenn ich an Traditionsschiffe wie MS Stadt Kiel, Bussard, Alexandra, Wal o.ä. denke, dann ging es da auch häufig Spitz auf Knauf, weil die Schiffe einfach wegzurosten drohten, und es waren nicht die Kommunen, die dann einspringen, es auch nicht sollen. Es waren immer engagierte Fördervereine vor Ort, die die Manpower stellten, die Betriebskonzepte erarbeiteten und damit einen immer wieder auch schwierigen Erhalt der Substanz in Zusammenarbeit mit lokalen Arbeitgebern sicherstellen konnten. Ob all' diese Schiffe auf die Dauer zu erhalten sind, weiß man natürlich nie, siehe Schlepper Goliath in Bremerhaven, bei dem auf einmal gewaltiger Rostfraß festgestellt wurde und der kurzfristig zum Schrotter kam. Die Georg Büchner ist in der Tat ein sehr großes Schiff, das entsprechend große Summen verschlingen würde, und da schon länger nicht mehr genug für den Erhalt getan wurde, kommt am Ende nur noch die Entsorgung in Frage. Ich kenne mich in der Rostocker "Szene" nicht genug aus, ob es möglicherweise potente Unterstützerkreise wie in der "Pfeffersackstadt" Hamburg hätte geben können, aber der Exodus begann ja schon vor Jahrzehnten mit dem Schrotten des Dampfers Vorwärts. Mitunter sind es ja auch einzelne Menschen, die für große Projekte begeistern können und andere mitreißen, das ist in Rostock in Sachen Traditionsschiffe offenbar nicht der Fall, sonst hätte es ja beizeiten Kampagnen für die Büchner geben können. Aber es gibt ja immerhin noch große maritime Denkmäler wie das "Traditionsschiff Typ Frieden". Vielleicht ist es in einer Stadt dieser Größe auch nur in begrenztem Maße möglich, Museumsschiffe zu erhalten und zu betreiben.

Schubi
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Re: Rostock verliert seine "Georg Büchner"

Beitrag von Schubi » Do 10. Jan 2013, 11:53

Ja Tim, das hast du schon recht treffend alles auf den Punkt gebracht.
Das ist für mich persönlich auch die nicht wahr zu habende Realität, dass eine Stadt dieser Größe keine Industriedichte oder Anzahl an Reedereien auftrumpfen kann , wie Städte vergleichbarer Größe, sodass es eventuelle Geldgeber geben könnte die ihren Namen gerne ,mittels Sponsoring ,in der ansässigen Stadt publizieren möchten.
Firmen die sich aus der DDR Zeit heraus gründeten und sich somit etwas zum Erhalt des Historischen verbunden fühlen könnten, sind ja leider an den Händen ab zu zählen.

Traurige Realität ...
Zuletzt geändert von Schubi am Do 10. Jan 2013, 20:27, insgesamt 1-mal geändert.

lworch
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Re: Rostock verliert seine "Georg Büchner"

Beitrag von lworch » Do 10. Jan 2013, 17:07

Immerhin gibt es in Rostock neben dem Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum "Traditionsschiff Typ Frieden" noch die "Societät Rostock maritim e.V." mit einem weiteren - recht großen - Museum in der August-Bebel-Str. http://www.srm-hro.de. Bei meinem ersten Rostock-Besuch war ich doch recht erstaunt über die Vielfalt der maritimen Andenken.
Tschüß Lutz

tempest
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Re: Rostock verliert seine "Georg Büchner"

Beitrag von tempest » Do 10. Jan 2013, 19:14

Der Verlust der Büchner hat mitnichten, etwas mit der verhassten DDR Geschichte zu tun. Das ist Mist, Sorry. Die DSR Tradition steht in meiner Heimatstadt nun wirklich nicht zur Disposition.
Das Problem in Rostock ist einfach, das es keine Lobby/ kein Engagement für das maritime Erbe der Stadt gibt. Weder in der Bürgerschaft, die sich seit Jahren mit dem jeweiligen Bürgermeister bekriegt, noch unter den Bürgern selber. Es fehlt hier einfach die kritische Masse an engagierten und schlauen Bürgern, das ist leider so.
Vor einiger Zeit hat der Spiegel über eine Studie brichtet, die das gemeinnützige Engagement in der BRD nach Regionen untersuchte und dabei auch die Frage nach einem möglichen zukünftigen Engegement stellte. Das Ergebnis für Rostock war unterirdisch.

Wenn man einen Blick auf die Vergangenheit wirft, fällt auch auf, das dieses fehlende Engagement nicht immer etwas mit unzureichenden finaziellen Mittlen zu tun hat.
1989 wurde die VORWÄRTS Deutschlands letzter seegehender Dampfer verschrottet. Das waren zwar die Kommunisten und die Kack DDR war pleite, aber das passt trotzdem in die folgende kleine Auflistung.
1990 wurde die GERA der letzte noch original erhaltene Seitentrawler für eine D Mark nach Bremerhaven verkauft. Ist heute dort Museumsschiff. Einspruch der Rostocker Denkmalpflege gab es hier keinen.
Die in Rostock sehr berühmte UNDINE ebenfalls ein besonderes Unikat (warscheinlich das alteste Seebäderschiff) wurde nach Hamburg verkauft und vor gut 10 Jahren ausgeschlachtet. Demnächst wird sie wohl ebenfalls abgewrackt wird (liegt derzeit in Dresden)
Der alte Typ IV Frachter Dresden (das Traditionsschiff) und die Außenexponate des Schiffbaumuseums vergammelten in den 90ern völlig. (Der Fischkutter musste abgewrackt werden) Das Geld für die Sanierung kam dann über die Bundesmittel für die IGA rein. Heute liegt das Schiff an dem sicher unattraktivsten Platz den die Stadt für so ein Museum vergeben kann.
Und das waren die 90er Jahre, als Rostock über eine gesunde finanzielle Basis verfügte. Die von der Bürgerschaft selbstverschuldete Misere der Verschuldung fing ja erst 2001 an.
http://www.brandeins.de/magazin/-0dc712 ... frage.html

Und heute?

Aktuell liegt der im Inneren demolierte Eisbrecher Stefan Jantzen noch im Stadthafen. Mit den neuen Eigentümern wird das Schiff ebenfalls aus Rostock verschwinden.
Das Jugendschiff LIEKDEELER, der letzte Neptun Werft Bau der in Rostock erhalten ist, wurde seit Jahren nicht mehr gedockt. Das Projekt ist unterfinaziert. Engagement der Stadt? Keines. Auch dieses Schiff schafft es in einigen Jahren auf den Schrott. Das ist so sicher wie das jetzt beschlossene Abwracken der BÜCHNER.
Dazu noch das Hickhack um den Schwimmkran LANGER HEINRICH dessen Sanierung von der Stadt als Zumutung empfunden wurde. Beste Idee: Warum nicht an Land setzten oder verschenken.

Der Verein der die Georg Büchner betrieben hat, soll 900tsd für das Schiff bekommen haben. Mit dem Geld wird jetzt ein Hostel in der Stadt gebaut. Einfach armselig.
Den Verantwortlichen in der Stadt scheint überhaupt nicht bewusst zu sein, das die Büchner einer der wenigen noch erhaltenen Fracht-und Passagier"dampfer" ist mit denen früher der Verkehr zwischen den Kontinenten abgewickelt wurde.
Mir fällt eigentlich nur noch die japanische Hikawa Maru ein. Das Schiff ist zwar etwas älter aber sonst 1 zu 1 vergleichbar mit der Büchner.

Schönen Abend
MR

lworch
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Re: Rostock verliert seine "Georg Büchner"

Beitrag von lworch » Do 10. Jan 2013, 20:53

Hallo Hamburg2011,

hier sind nicht ganz so aktuelle Fotos der "Georg Büchner" vom Mai 2012: http://lworch.bplaced.net/schiffe/g_b/
Tschüß Lutz

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