Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

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Tim S.
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Tim S. » Mi 8. Mai 2019, 11:41

Die Cuxhavener Linke fordert eine „seriöse und nachhaltige Planung des Projekts“. Sie lädt zu einem Expertengespräch ein, das am Donnerstag, 16. Mai, um 18 Uhr im Cuxhavener Restaurant Seestern, Albert-Ballin-Platz 1, beginnt. Gäste sind die Schifffahrtsexperten Jürgen Grzeskowiak, Klaus-Peter Lasse und Jan Ehlers.
https://www.boyens-medien.de/artikel/di ... davon.html

Shuttle_F
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Shuttle_F » Do 9. Mai 2019, 18:32

Das sich nunmehr irgendwelche Leute, die zuvor zum Boykott der Linie aufriefen ohne sich mal mit den Fakten auseinander setzen, dafür einsetzen wollen, ist echt ohne Worte. Nur weil die Schiffe unter Estland fuhren und nicht unter deutscher Flagge... wobei Estland alles andere als eine Billigflagge ist. Die anschließende Weiterfahrt unter deutscher Flagge, war keinerlei Reaktion auf diese Protest - Nummer, sondern lediglich die einzige Möglichkeit schnell in Fahrt zu kommen.

Was auch immer als Lösung vorgetragen wird: Es muss finanzierbar sein und das ist kein Selbstläufer. Seriöse Investoren kommen normalerweise erst dann an Bord, wenn die Sache läuft und eine positive Prognose besteht. Zu allem anderen habe ich zuvor geschrieben...

StephanG2312
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von StephanG2312 » Do 9. Mai 2019, 19:17

Siehe auch hier:

https://www.dielinke-cuxhaven.de/politi ... experteng/

Vor allem beim Schlusssatz
Für den Fall eines erneuten Scheiterns des Projekts muss über einen Fährbetrieb in öffentlicher Hand nachgedacht werden.
weiß ich nicht, ob ich lachen oder den Kopf schütteln soll :shock:
Mit maritimen Gruß

Stephan

Volker Landwehr
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Volker Landwehr » Fr 10. Mai 2019, 16:22

In der heutigen CN findet sich ein Artikel "Schiffahrtsexperten zweifeln am Vorhaben von Elbferry GmbH": https://www.cnv-medien.de/news/schifffa ... -gmbh.html

Im ersten Teil geht die CN auf das am 16.05.2019 stattfindende Gespräch ein und nennt noch einmal die derzeitigen Probleme: kein Schiff, keine Finanzierung, keine Zusage für Landesbürgschaft. Eine Verschiebung ins nächste Jahr sei wahrscheinlich.

Im zweiten Teil werden Teile des Gesprächs vorweggenommen, da die Kritikpunkte von Herrn Jürgen Grzeskowiak (HJG) ja nicht unbekannt sind. Herr Grzeskowiak hält die Fanafjord für zu groß. Alle Betreiber seien von dem im Gutachten der Baltic Marine Conult von 2014 prognostizierten Verkehrsaufkommen von 50.000 Lkw, 300.000 Pkw und 650.000 Passagieren ausgegangen. Anne-Marie und Grete hätten jährlich aber nur 15.800 Lkw, 85.000 Pkw und 450.000 Paxe erreicht.

HJG sieht ein Risiko in der nur einjährigen Befreiung von der Höchstgeschwindigkeit.
Er sieht die Jährlichen Kosten der Fanafjord bei 8,76 Mio. EUR. Mit den von Elbferry angepeilten 110 Lkw täglich ergäbe sich ein Verlust von 4,8 Mio. EUR. Für einen wirtschaftlichen Betrieb seien 20 Lkw pro Überfahrt erforderlich.

Hier schießt HJG aus meiner Sicht über das Ziel hinaus, denn Lkw sollten die Basis sein. Pkw und Paxe bringen auch Geld. Aber mit den Zahlen der Grete wären schon Pkw-Preise von 20 EUR und Pax-Preise von 10 EUR ausreichend die Lücke zu schließen.

Auch wird wieder das Konzept von zwei 70m Katamaranfähren genannt.
Gruß, Volker

romflens
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von romflens » Fr 10. Mai 2019, 16:44

Tja immer diese Experten. Der eine versucht seine Superfahren seit Jahren zu bauen. Glaubt wohl keiner mehr
Gruß aus Flensburg
Kai

Bilder sind meine eigenen oder mit schriftlicher Genehmigung des Eigentümers

Volker Landwehr
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Volker Landwehr » Fr 10. Mai 2019, 18:24

Da versucht sicherlich jemand etwas für sein ego zu tun.

Einene genaure Betrachtung wäre das Konzept mit zwei Katamaran-Fähren sicherlich wert, nachdem das Baltic Marine Consult (BMC) Gutachten so daneben lag.

Ich vermute, die Entwürfe wurden nicht beachtet, da dafür erst zwei Neubauten mit dem entsprechenden zeitlichen Vorlauf hätten gebaut werden müssen. Da hat man lieber auf die kurzfristige Lösung mit der Grete und Anne-Marie gesetzt (und das gleich zweimal) und jetzt mit der Fanafjord.

Während die derzeitigen Bemühungen weiterlaufen, sollte man sich die Vorstellungen und Berechnungen von HJG und Kollegen genau ansehen. Vielleicht ist ja wirklich etwas dran.
Gruß, Volker

Sven J
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Sven J » Fr 10. Mai 2019, 22:01

Volker Landwehr hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 16:22
Im zweiten Teil werden Teile des Gesprächs vorweggenommen, da die Kritikpunkte von Herrn Jürgen Grzeskowiak (HJG) ja nicht unbekannt sind. Herr Grzeskowiak hält die Fanafjord für zu groß. Alle Betreiber seien von dem im Gutachten der Baltic Marine Conult von 2014 prognostizierten Verkehrsaufkommen von 50.000 Lkw, 300.000 Pkw und 650.000 Passagieren ausgegangen. Anne-Marie und Grete hätten jährlich aber nur 15.800 Lkw, 85.000 Pkw und 450.000 Paxe erreicht.
1. Die aus dem Gutachten genannten Prognosen sind die Zahlen für 2025. So weit sind wir noch gar nicht.
2. Ist BMC nicht von einem Stundentakt und einer Fahrzeit <1 Stunde ausgegangen?
3. Sind die letzten beiden Betreiber nicht zu kurz auf der Strecke gewesen, um das Potenzial abzugreifen?
Volker Landwehr hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 16:22
HJG sieht ein Risiko in der nur einjährigen Befreiung von der Höchstgeschwindigkeit.
Das ist es sicher. Herr Ahlers sprach doch aber von einer unbefristeten Testphase...
Volker Landwehr hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 16:22
Aber mit den Zahlen der Grete wären schon Pkw-Preise von 20 EUR und Pax-Preise von 10 EUR ausreichend die Lücke zu schließen.
Was musste man denn auf der GRETE bezahlen? Waren das nicht sogar 25 EUR für einen PKW?
Volker Landwehr hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 16:22
...nachdem das Baltic Marine Consult (BMC) Gutachten so daneben lag.
Ist das Deine Meinung?

Ich empfehle, nicht nur Transportzahlen, sondern auch die Voraussetzungen und Annahmen mit der Wirklichkeit zu vergleichen.

Grüße
Sven

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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Volker Landwehr » Fr 10. Mai 2019, 23:29

Es istrichtig, die von mir genannten Prognosen waren für 2025. Die für 2014 sind aber genauso wenig erreicht erreicht wurde: 48.199 Lkw, 265.217 Pkw, 625.200 Paxe.

Mein Eindruck ist, das BMC auf Basis der Prognose das Fährkonzept mit Fahrzeiten, Hafenzeiten und Frequenz entwickelt hat. Das prognostizierte Transportaufkommen ist auf Basis der Machbarkeitsstudie von 2004 mit Hilfe der "Prognose der deutschlandweiten Verkehrsverflechtungen 2025" ermittelt worden.

Zumindestens sind die Betreiber lange genug im Geschäft und soweit von der Prognose weg gewesen, dass sie in die Insolvenz gehen mussten. Es ist durchaus möglich, dass andere Schiffe und andere Frequenzen das Projekt wirtschaftlich gemacht hätten. Deshalb sollte man sich die Vorschläge von Herrn Grzeskowiak mal genau ansehen.

Was die Testdauer betrifft, habe ich nur die Aussage von Herrn Grzeskowiak wieder gegeben. Vielleicht hat ja jemand eine Veröffentlichund der WSV.

Ich denke schon, dass das Gutachten zu positiv war.

Vielleicht kommst Du beim Lesen des Gutachtens zu anderen Erkentnissen. Ich kann mich beim Querlesen durchaus vertan haben: https://www.landtag.ltsh.de/infothek/wa ... 8-3568.pdf
Gruß, Volker

Sven J
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Sven J » Sa 11. Mai 2019, 12:43

Volker Landwehr hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 23:29
Vielleicht kommst Du beim Lesen des Gutachtens zu anderen Erkentnissen. Ich kann mich beim Querlesen durchaus vertan haben: https://www.landtag.ltsh.de/infothek/wa ... 8-3568.pdf
Gruß, Volker
Der Stundentakt wird darin auch vorausgesetzt, wenn ich nicht irgendetwas übersehen habe.

Ich hatte übrigens bis heute nur das andere Gutachten gelesen, die Zahlen sind etwas niedriger aber in der selben Größenordnung:
http://www.mw.niedersachsen.de/download ... uettel.pdf

Das Gutachten betrachte ich als seriös, die Risiken (vor allem Geschwindigkeistbeschränkung und A20-Tunnel) und Abhängikeiten (u. a. Fahrpreise) sind klar benannt. Kostensteigerungen für Personal und Treibstoff sind nicht vorraussehbar.

Mit einem Stundentakt halte ich die prognostizierten Zahlen sogar für erreichbar. So schnell wird de Verkehrssitiuation auf der A7 nicht besser. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass die Betriebskosten mit zwei schnellen Schiffen schnell aus dem Ruder laufen können. Man könnte im Winterhalbjahr sicher langsamer fahren und auf einen 90-Minuten-Takt wechseln.

Das "Problem" beider Studien: Es gibt keine Aussagen zu den von Elb-Link realisiserten Szenarien mit einem oder zwei langsamen Schiffen und entsprechend dünnem Fahrplan. Damit taugen die prognostizierten Zahlen nicht zum direkten Vergleich mit dem von Grete und Anne-Marie beförderten Aufkommen.

Grüße
Sven

Volker Landwehr
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Volker Landwehr » Sa 11. Mai 2019, 14:47

Sven J hat geschrieben:
Sa 11. Mai 2019, 12:43


Der Stundentakt wird darin auch vorausgesetzt, wenn ich nicht irgendetwas übersehen habe.
Du siehst die 1 Stunde als Voraussetzung, ich sehe sie als Maßnahme die prognostizierten Verkehre zu bewältigen. Auf Seite 10 heißt es: Die Potenzialschätzung im Güterverkehr unterstellt, dass die Fährverbindung den logistischen Anforderungen gerecht wird, die neben Kosten und Zeit noch weitere Kriterien erfassen, insbesondere die Zuverlässigkeit betreffend.

Die Potentialabschäzungen beruht auf Verkehrsverflechtungen. Dazu kommt induzierter Verkehr. Zitat: Induzierter Verkehr ist neu entstehender Verkehr aufgrund des zusätzlichen Verkehrsangebots, der somit nicht in den Verkehrsverflechtungen abgebildet ist.
Sven J hat geschrieben:
Sa 11. Mai 2019, 12:43
Das Gutachten betrachte ich als seriös, die Risiken (vor allem Geschwindigkeistbeschränkung und A20-Tunnel) und Abhängikeiten (u. a. Fahrpreise) sind klar benannt. Kostensteigerungen für Personal und Treibstoff sind nicht vorraussehbar.
Ich halte das Gutachten nicht für unseriös, sondern für zu optimistisch. Das ist für mich nicht überraschend, wenn man die Auftraggeber Agentur für Wirtschaftsförderung Cuxhaven und egeb Entwicklungsgegellschaft Brunsbüttel mbH sieht, zwei die eine Fähre wollten. Für die Prognose mussten so viele Annahmen über die zukünftige Entwicklung getroffen werden, das Abweichungen vorprogrammiert sind. Prognosen sind halt eine Wette auf die Zukunft.
Sven J hat geschrieben:
Sa 11. Mai 2019, 12:43
Mit einem Stundentakt halte ich die prognostizierten Zahlen sogar für erreichbar. So schnell wird de Verkehrssitiuation auf der A7 nicht besser. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass die Betriebskosten mit zwei schnellen Schiffen schnell aus dem Ruder laufen können. Man könnte im Winterhalbjahr sicher langsamer fahren und auf einen 90-Minuten-Takt wechseln.
Was macht es für einen Sinn, einen 1-Stundentakt zu fahren, wenn bei weitem die Fähren bei längeren Taktzeiten nicht ausgelastet sind. Deshalb hat Elb-Link ja mit zwei Fähren begonnen mit der Option im Bedarfsfall eine drite Fähre einzusetzen und damit den Fahrplan zu verdichten. Natürlich können die Kosten mit zwei Katamaranfähren aus den Fugen geraten. Nur hat das Konzept nie jemand ernsthaft geprüft, da die schnelle Lösung mit gebrauchten Schiffen zeitlich verlockend war.
Sven J hat geschrieben:
Sa 11. Mai 2019, 12:43
Das "Problem" beider Studien: Es gibt keine Aussagen zu den von Elb-Link realisiserten Szenarien mit einem oder zwei langsamen Schiffen und entsprechend dünnem Fahrplan. Damit taugen die prognostizierten Zahlen nicht zum direkten Vergleich mit dem von Grete und Anne-Marie beförderten Aufkommen.
Ich sehe nicht, dass ein kürzerer Takt der Elb-Link geholfen hätte. Es hätte sie nur noch eher in die Involzenz gebracht.

Wir sehen das Gutachten und seine Folgen halt unterschiedlich.

Nur mit dem derzeitigen Theater um die Neuauflage und dem erzielten Transportvolumen wäre es aus meiner Sicht angebracht das Katamaran Konzept ernsthaft zu prüfen. Es kann auch herauskommen, dass es nicht tragfähig ist. Dann hätte man es aber endgültig vom Tisch und es käme nicht als never ending Story bei jeden neuen Fährproblem zurück.
Gruß, Volker

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