Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

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Volker Landwehr
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Volker Landwehr »

Ich denke, es ist sehr optimistisch zu sagen, dass die Geschwindigkeit keine große Rolle spielt. Man fährt nicht nur mit dem Strom und dann sind 15 kn halt nur noch 12 kn über Grund. Und wenn dann die Anlegemanöver so schwierig sind, wie beschrieben, zählt jede Geschwindigkeitsreserve, wenn man pünktlich bleiben will.

Man sollte nicht die Schuld auf andere schieben, wenn man mit einer Fahrstrecke kalkuliert, die genehmigt werden muss bzw. verboten werden kann.

Auch die anderen Ausführungen bestätigen, für mich jedenfalls, dass die Schiffe im Rückblick zu langsam waren. Daraus hat Herr Albrecht die richtige Lehre gezogen, nur dass die Fanafjord zu lang ist.

Die beschriebenen Probleme sind sicher ein Teil der Gründe für das Scheitern, aber das schließt die übrigen hier im Thread genannten Ursachen aus meiner Sicht nicht aus.

Ich habe noch keine Firma gesehen, die ausschließlich wegen externer Gründe gescheitert ist. Auch das Fehlen der Scheuerleiste ist ein interner Grund. Schließlich war Elb-Link eine Tochter der Reederei der Fähren.
Gruß, Volker

HansP
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von HansP »

Shuttle_F hat geschrieben:
Mi 30. Okt 2019, 19:27
Nur leider ist so ein Anleger aufgrund bestehender Verordnungen nicht zu realisieren. Das war alles schon auf der Agenda.

Zum "Speed-Limit": Zunächst besteht nur ein Limit für 10kn für den Abschnitt Tn 119-125. Für Cuxhaven - Brunsbüttel sind 15kn erlaubt. Die Beschränkungen gelten für die Geschwindigkeit "durch Wasser" und nicht "über Grund". Da letztere wesentlich von der Gezeitenströmung abhängig ist (+/- 3-4 kn) und eigentlich auch die maßgebliche Größe ist, ist diese Auflage nicht ganz so kritisch zu bewerten. Immerhin kann man bei 15kn "durchs Wasser" plus Strömung im Bestfall noch ca. 16-18kn erreichen (ca. 50 min Fahrzeit).
Zwei andere Faktoren waren im Fall Elb-Link wesentlich störender: (a) die angewiesene Streckenführung über eine Distanz von ca. 15,5sm, wobei die direkte Strecke (diagonal über die Tonnenlinie) nur 12,1sm gewesen wäre. Die Schiffe mussten - auch wenn keinerlei Verkehr bestand - immer die längere Strecke befahren. (b) Manöverzeiten betrugen i.d.R. zwischen 7-15min beim Anlegen. Bei ungünstigen Bedingungen auch wesentlich mehr. Warum? Die Schiffe sollten entlang den (extra gerammten) Anlegedalben in die "Parkposition" einfahren, i.e. an die Dalben fahren und dann reinschlittern. Nur fehlte hierzu die erforderliche Abriebkante von 50cm aus Hartgummi mit Teflonbesatz. Obwohl alles spezifiziert war... Umgesetzt wurde es von den estnischen Betreibern nie. Somit wurden die Anlegemanöver zur Herausforderung. Fazit: 10% längere Strecke und erheblich längere Manöverzeiten (90-100min statt 75min), was der "Taktung" nicht wirklich zuträglich war und einen effektiveren Fahrplan behinderte. Plus 15-20 min pro Umlauf bedeutet den Wegfall von 1 - 2 weiteren möglichen Umläufen am Tag pro Schiff!!! Dies ist kaum zu kompensieren, auch wenn man unter voller Leistung fährt, was ggfs sowieso nicht mehr gestattet wäre.

Nun sieht es ja leider so aus, als würde dieses Thema sich erledigt haben. Dennoch nicht als Resultat jeglicher bekannten Annahmen... sondern aufgrund anderer Umstände.
Ich möchte gerne einmal die Gelegenheit nutzen und mich für die hier gegebenen Hintergrundinformationen bedanken!
Es hilft ungemein um ein besseres Verständnis für die Problematik des Elbfährverkehrs zu bekommen.

Danke!

Grüße
Hans

Shuttle_F
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Shuttle_F »

Allerdings war die Geschwindigkeit der Schiffe nicht ausschlaggebend für den Misserfolg. Laut Aufzeichnungen der Schiffe war die gefahrene Geschwindigkeit ausreichend für die geplante Taktung, aber eben nicht die Manöverzeiten (aus erwähnten Gründen). Nur hätte man diese durch die verkürzte Strecke kompensieren können. Mal zur Info: Es gibt - laut den offiziellen nautischen Angaben - keine verbindlich vorgeschriebene Befahrensregel in diesem Stromabschnitt. Lediglich die Querung über die Kanal - Reede NW Brunsbüttel ist beschränkt SOFERN dort Schiffe vor Anker liegen, was zu 95% nicht der Fall war. Dennoch obliegt es der Verkehrsüberwachung eine Route IM EINZELFALL festlzulegen. Nur ist der EINZELFALL zum REGELFALL mutiert und so bestand keine Chance zum Abkürzen falls notwendig (selbst bei besten Bedingungen).

Ansonsten bestätigst Du genau das was ich zuvor und viele Male davor angeführt habe: Es waren eben NICHT die externen Schwierigkeiten sondern interne Problem hauptsächlich ursächlich. Nur eben nicht die dauernd angenommenen Gründe, sondern eine Menge anderer, die eher weniger den Schiffen zuzuordnen sind. Glaub mir, dass diese mir genauestens bekannt sind.
Der Grund warum ich darauf rumreite ist der verzweifelte Versuch zu vermitteln, dass diese Linie auch ohne den Einsatz von neuen “Superfähren” mit staatlicher Hilfe gute Chancen hat. Das solche Variante zum tragen kommt ist mehr als unwahrscheinlich. Schon daher ist es doch kontraproduktiv etwaiges Interesse anderer Natur von vornherein als “Rumgespiele” zu disqualifizieren ohne die wirklichen Hintergründe zu berücksichtigen.

Volker Landwehr
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Volker Landwehr »

Da scheinst Du mich falsch zu verstehen. Für mich sind externe und interne Probleme Ursache für das Scheitern.
Gruß, Volker

Lana-Kristin K.
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Lana-Kristin K. »

Moin,

ich möchte gern allen Interessierten in diesem Forum einen Artikel der Boyens Medien näherbringen, dessen Inhalt sich mit der Elbfähre Cuxhaven-Brunsbüttel auseinandersetzt.

Auch wenn man sich eigentlich darüber freuen müsste, dass das Projekt Elbfähre in den Medien noch nicht ganz aufgegeben wurde, so muss man ernüchtert feststellen, dass der genannte Artikel keine neuen Informationen aufzuweisen scheint, als das, was den meisten Mitgliedern dieses Forums bereits bekannt gewesen ist.

Link zum Artikel der Boyens Medien (bislang frei lesbar)v. 05.11.19:
https://www.boyens-medien.de/artikel/di ... 03946.html

Grüße aus dem hohen Norden

Tim S.
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Tim S. »

Hat jemand den Pay-Zugang:
Cuxhaven und Brunsbüttel: Beide Seiten wollen eine neue Fähre
https://www.cnv-medien.de/news/cuxhaven ... aehre.html

Volker Landwehr
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Volker Landwehr »

Das Ganze scheint ziemlich unverbindlich zu sein. Die beiden Bürgermeister von Brunsbüttel und Cuxhaven sind sich einig, dass sie die Elbfähre wollen, es aber schwer würde.

Man wolle versuchen, einen Betreiber zu finden und dazu auch Herrn Albers wieder ansprechen. Eine kommunale Betreibergesellschaft zu gründen oder die Fähre dauerhaft zu bezuschussen, käme nicht infrage.

Es würden zwei Varianten verfolgt: Ein kurzfrister Beginn im nächsten Sommer mit gecharterter Tonnage oder eine längerfristige Lösung mit einem gekauften Schiff. Genügend gebrauchte Tonnage wäre am Markt.

Im Falle eines Kaufes kann sich der Cuxhavener Bürgermeister eine Landesbürgschaft vorstellen. Der Brunsbütteler Bürgermeister will versuchen, den schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister ins Boot zu bekommen, der bisher jegliche finanzielle Unterstützung ausgeschlossen hatte.

Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann soll auch seine Unterstützung zugesagt haben. Gegebenenfalls müsse man über einen neuen Anleger in Altenbruch nachdenken.

Soweit der ungefähre Inhalt.

Meine Meinung dazu: Es geht weiter wie gehabt. Wir möchten die Linie gern haben, aber außer schön reden, wollen wir nichts dafür tun.

Ausreichend gebrauchte Tonnage am Markt heißt nicht gleichzeitig passende Tonnage. Bevor man etwas kurzfristig übers Knie bricht und wieder scheitert, sollte man das Projekt mit neuen Gutachten basierend auch auf den Erfahrungen auf ein tragfähiges Fundament stellen.

Vielleicht gibt ja passende Tonnage am Markt, aber wenn nicht, muss man auch Neubauten ins Auge fassen. Bis Neubauten da sind, kann mit am Markt befindlichen Fähren beginnen. Die müssen aber finanziert werden, da die Verluste abzusehen sind und sonst niemand einsteigen würde.

Ich würde nicht zu viel erwarten. Ohne jegliche finanzielle Zusagen könnte das im Sande verlaufen.
Gruß, Volker

PS: Die FANAFJORD ist immer noch zu haben. Ansonsten scheinen Doppelendfähren mit 19+ kn ziemlich dünn gesät zu sein.

Volker Landwehr
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Volker Landwehr »

Der CN von heute ist ein Artikel, der sich mit der Kritik an den Ergebnissen der beiden Bürgermeister zu Elbfähre befasst: https://www.cnv-medien.de/news/elbfaehr ... achen.html

Die Kritik kommt überwiegend aus der bekannten Ecke (Herr Grzeskowiak), scheint mir aber berechtigt. Aber lest sebst, der Artikel ist frei zugänglich.
Gruß, Volker

Shuttle_F
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Shuttle_F »

1.) Allein aus wettbewerbsrechtlichen Gründen ist eine staatlich finanzierte Lösung - im Hinblick auf die Glückstadt Fähre - nicht möglich. Dem Land oder dem Bund sind hier die Hände gebunden. Lediglich eine gewisse "nicht materielle" Unterstützung wäre in Aussicht.

2.) Sind denn diese "Grzeskowiak - Schiffe" das ultimative Heilmittel dafür das diese Linie nachhaltig stabil laufen wird? Um nur mal einen Punkt zu nennen: Soweit ich mich entsinne waren diese als Binnenschiffe konzipiert, was wiederum kaum den Gefahrgut-Transport erlaubt. Dieser ist nunmal essentiell wichtig ... grade in der Neben-Saison.

Warum sind die Schiffe noch nicht in Fahrt, wenn deren Rentabilität nicht in Frage steht? Das kann sich jeder selbst beantworten und vor allem warum die öffentliche Hand bei solcher Aussicht nötig wäre.

Ahlers hat immerhin einen realistischen Plan verfolgt dieses Vorhaben umzusetzen. Was zur negativen Elb-Link Historie führte, habe ich bereits ausführlich erläutert. Das sich dies alles - aus welchen Gründen auch immer - nicht materialisiert hat, ist doch kein Affront. Im Gegenteil.

Volker Landwehr
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Re: Elbfähre Cuxhaven - Brunsbüttel

Beitrag von Volker Landwehr »

Shuttle_F hat geschrieben:
Do 23. Jan 2020, 23:15
1.) Allein aus wettbewerbsrechtlichen Gründen ist eine staatlich finanzierte Lösung - im Hinblick auf die Glückstadt Fähre - nicht möglich. Dem Land oder dem Bund sind hier die Hände gebunden. Lediglich eine gewisse "nicht materielle" Unterstützung wäre in Aussicht.
Wenn Kommunen und Länder die Fährverbindung wirklich wollen, werden sie schon eine Vorleistungen erbringen müssen. Alle bisherigen Versuche, die Linie privatwirtschaftlich zu betreiben, sind gescheitert. Sie sind in die Insolvenz gegangen oder haben kein Schiff finanziert bekommen. Wer sollte da einen neuen Versuch wagen?
Shuttle_F hat geschrieben:
Do 23. Jan 2020, 23:15
2.) Sind denn diese "Grzeskowiak - Schiffe" das ultimative Heilmittel dafür das diese Linie nachhaltig stabil laufen wird? Um nur mal einen Punkt zu nennen: Soweit ich mich entsinne waren diese als Binnenschiffe konzipiert, was wiederum kaum den Gefahrgut-Transport erlaubt. Dieser ist nunmal essentiell wichtig ... grade in der Neben-Saison.
Sind die Gefahrguttransporte essentiell? Ohne jede Fähre und nur den Binnenschiffen in Wischhafen funktioniert es zur Zeit ja auch.
Ehe man jetzt wieder versucht, eine Lösung übers Knie zu brechen, sollte das Projekt vom Kopf auf die Beine gestellt werden. Ein neues, überarbeitetes Gutachten müsste ergebnisoffen die Erfahrungen der missglückten Versuche ebenso berücksichtigen wie die Vorschläge von Herrn Grzeskowiak und eventuell zwischenzeitlich veränderte Verkehrsströme. Vielleicht belegt das Gutachten dann, ob es sich lohnt, die Vorschläge von Herrn Grzeskowiak wieter zu verfolgen oder oben nicht. Sie einfach ungeprüft abzutun, halte ich nach den Erfahrungen der Vorgänger für leichtfertig.
Shuttle_F hat geschrieben:
Do 23. Jan 2020, 23:15
Warum sind die Schiffe noch nicht in Fahrt, wenn deren Rentabilität nicht in Frage steht? Das kann sich jeder selbst beantworten und vor allem warum die öffentliche Hand bei solcher Aussicht nötig wäre.
Ist es wirklich so einfach? Ich habe eine andere Erklärung. Bisher hatten alle nur schnell umzusetzende Lösungen im Focus. Da passte ein Vorschlag mit zwei neu zu bauenden Schiffen mit zwei Jahren Vorlaufzeit nicht ins Konzept. Die Fehlversuche haben für mich gezeigt, dass in jedem Fall die öffentliche benötigt wird, egal ob zu Kauf einer second-hand Fähre oder von Neubauten. Mit Vorfinanzierungen oder Bürgschaften.
Shuttle_F hat geschrieben:
Do 23. Jan 2020, 23:15
Ahlers hat immerhin einen realistischen Plan verfolgt dieses Vorhaben umzusetzen. Was zur negativen Elb-Link Historie führte, habe ich bereits ausführlich erläutert. Das sich dies alles - aus welchen Gründen auch immer - nicht materialisiert hat, ist doch kein Affront. Im Gegenteil.
Das heißt aber nicht, dass man ungeprüft immer auf diesem Weg weiter gehen sollte. Es gibt eine Definition von Wahnsinn, die Einstein zu geschrieben wird: Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
Gruß, Volker

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