MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

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horkini
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Re: Unglücks-Thread

Beitrag von horkini » Do 3. Jan 2019, 17:33

Laschen gehört zur "Seemannschaft". In Kerneuropa gehört Laschen immer noch zur Ausbildung für nautische Patentinhaber. Und die Verantwortung dafür trägt der Kapitän, auch wenn die Arbeiten von Landgangs durchgeführt werden. Für die Kontrolle hat die Besatzung schon lange keine Zeit mehr bzw. ist eher rudimentär ausgebildet.
Und das Wetter? War in diesem Fall ja wohl eher harmlos im Vergleich zu den Stürmen auf der Südhalbkugel oder bei Taifun im Westpazifik.
Die Dunkelziffer über den Verlust von Containern kennen nur die Versicherer!

Christian Costa
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Re: Unglücks-Thread

Beitrag von Christian Costa » Do 3. Jan 2019, 18:59

toni montana hat geschrieben:
Do 3. Jan 2019, 15:11
Tidenfall hat geschrieben:
Do 3. Jan 2019, 08:09
270 Container verloren
Warnmeldung für Borkum nach Havarie der "MSC Zoe"

https://www.abendblatt.de/region/articl ... rdsee.html
War die denn wohl falsch beladen oder die Container falsch gesichert??? Kann mir nicht vorstellen, dass so ein riesen-breiter Pott bei dem Wetter derartig ins Schaukeln gerät, dass die Dinger einfach so von Bord fallen!!
Nun Toni,
Dann fehlt dir wohl Vorstellungsvermögen....
Hier im BRV hat es in der Nacht extreme Böen gegeben. Ich will nicht wissen, wie solche Böen auf See wirken.
Im Übrigen ist jede Lage gleichmäßig beladen gewesen laut Plan.
Wenn sind einzelne Deckel abgeräumt gewesen.
Und das ist in der Containerschifffahrt Gang und Gäbe. Übrigens wird ein Stauplan mindestens doppelt geprüft und ggf angepasst.

Zudem werden die Container nicht alle im Hafen verwogen. Für das VGM Gewicht ist der Versender verantwortlich und haftet ggf.
Der Hafen und der Reeder müssen sich darauf verlassen und sind daher nicht unmittelbar haftbar.
MfG & bis neulich
Christian

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Re: Unglücks-Thread

Beitrag von Christian Costa » Do 3. Jan 2019, 19:02

horkini hat geschrieben:
Do 3. Jan 2019, 17:33
Laschen gehört zur "Seemannschaft". In Kerneuropa gehört Laschen immer noch zur Ausbildung für nautische Patentinhaber. Und die Verantwortung dafür trägt der Kapitän, auch wenn die Arbeiten von Landgangs durchgeführt werden. Für die Kontrolle hat die Besatzung schon lange keine Zeit mehr bzw. ist eher rudimentär ausgebildet.
Und das Wetter? War in diesem Fall ja wohl eher harmlos im Vergleich zu den Stürmen auf der Südhalbkugel oder bei Taifun im Westpazifik.
Die Dunkelziffer über den Verlust von Containern kennen nur die Versicherer!
Also wir haben immer wieder Crews die Container nachgelascht haben wollen...

Es wird nämlich sehr wohl das Lasching von der Besatzung überprüft.
Alles Andere wäre ja auch fahrlässig...
MfG & bis neulich
Christian

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horkini
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Re: Unglücks-Thread

Beitrag von horkini » Do 3. Jan 2019, 19:45

Danke Christian, deine Stellungnahme bestätigt exakt meine Meinung!
Nur ein Teil der Crews will nachgelascht haben, die anderen haben nicht kontrolliert oder nix gemerkt.
Wenn die Laschung gemäß Seemannschaft unter Zuhilfenahme der Vorschriften der Verlader durchgeführt wird, kann ein Schaden nur durch Seeschlag entstehen. Massiver Seeschlag kann die Statik einer Bay schwächen, wenn ein Container im unteren Stapelbereich zerstört ist.
Durch reine Rollbewegung wird eine einwandfreie Laschung nicht beeinträchtigt!
Das Thema ist schon interessant.

bonito
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Re: Unglücks-Thread

Beitrag von bonito » Do 3. Jan 2019, 20:34

Ich spekuliere mal etwas. Antwerpen wird wohl der, oder einer der ersten Löschhäfen sein. Für gewöhnlich wird mehr gelöscht als geladen, evtl wurde auch noch gebunkert. Das lässt vermuten, dass das GM, also die Stabilität gestiegen ist. Laschkräfte, die bei Ankunft in Antwerpen noch ok waren, können bei Abfahrt über dem Limit gelegen haben, wenn die oberen Lagen nicht abgeräumt wurden. Ich kenne die internen Richtlinien und Firmenpolitik von MSC nicht, würde mich aber nicht wundern, wenn man dieses billigend in Kauf genommen hat. Bei angenommenen 100 Containern wäre dies ein ziemlicher Zeit und Kostenfaktor. Ist aber nur Spekulation und ich will da niemanden was unterstellen. Es kann auch sein, dass das Schiff sich durch Resonanzen aufgeschaukelt hat und dadurch solche Beschleunigungskräfte auftraten, dass die Lashings nicht mehr hielten, obwohl rechnerisch alles im Limit war.Das kann schon mal ganz fix gehen, wenn man nicht aufpasst.
Über das VGM schreibe ich mal lieber nichts, sonst kriege ich Puls..... :evil:

Mich würde mal interessieren, was in den verlorenen Gefahrgutcontainern war. Gibt es da schon Informationen ?
Gruß

P.S.
Es ist auch fraglich, ob alle Container auf den im Plan vorgegebenen Positionen standen oder ob nicht doch der leichte unten und der schwere Container oben stand. Wäre auch nicht das erste mal.

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Martin Witte
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Re: Unglücks-Thread

Beitrag von Martin Witte » Do 3. Jan 2019, 21:03

@horkini
Du unterstellst also jeder Laschgang dauerhaft ungenügend zu sichern? Es passt wohl im Großteil der Fälle eher alles, wenn nicht nachgelascht werden soll (dafür kann es übrigens viele Gründe geben). Ansonsten könnten wir trockenen Fußes über die vielen Container nach England laufen.

@bonito
Was hat Antwerpen damit zu tun? Zoe kam aus Sines.

Viele Grüße
Martin

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Re: Unglücks-Thread

Beitrag von bonito » Do 3. Jan 2019, 21:23

Martin Witte hat geschrieben:
Do 3. Jan 2019, 21:03

@bonito
Was hat Antwerpen damit zu tun? Zoe kam aus Sines.

Viele Grüße
Martin
In den Nachrichten eben hieß es, das Schiff wäre auf dem Weg von Antwerpen nach Bremerhaven gewesen. Keine Ahnung, was richtig ist.

P.S.
Sagt auch das Havariekommando
Wäre auch eher selten, dass ein deutscher Hafen als erster Hafen in der ARA Range angelaufen wird
P.P.S.
Hast Recht, andere, anscheinend etwas seriösere Quellen sagen Sines-Bremerhaven.

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Re: Unglücks-Thread

Beitrag von StephanG2312 » Fr 4. Jan 2019, 00:50

Auch, wenn Weihnachten vorbei ist, steigt auch der NDR voll ins Spekulatius...ähm, -ons-Geschäft ein:

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... er664.html

Was ich extrem befremdlich finde, ist, dass bei der GLORY AMSTERDAM, obwohl (Gott sei's gedankt) nichts schlimmes passiert ist, gleich ein Aufschrei sonder gleichen durch die Medien ging, aber hier, wo es quasi auf der Hand liegt, dass die Umwelt mittel- und langfristig massiv in Mitleidenschaft gerät, bislang kein Hahn danach kräht! Schlafen die Damen und Herren Redakteure noch ihren Silvesterkater aus? :evil:

Schön, dass MSC ein Sonarboot gechartert hat, dass die gesunkenen Container aufspüren soll, damit diese, was ich in meiner Naivität mal annehme, dann auch geborgen werden können, aber was ist mit den aufgebrochenen Containern, deren Inhalt sich in der Nordsee verteilt hat? Die Bilder, die man heute von den westfriesischen Inseln gesehen hat, lassen wohl Schlimmstes vermuten.
Mit maritimen Gruß

Stephan

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Re: Unglücks-Thread

Beitrag von Niklas » Fr 4. Jan 2019, 09:35

Ich kann da keinen großen Unterschied in der Berichterstattung zur Strandung der Glory Amsterdam und jetzt zur MSC Zoe erkennen.

Die üblichen Bedenkenträger und Lokalpolitiker haben sich auch schon gemeldet, da sind dann so sinnvolle Vorschläge wie Peilsender für alle Container - oder zumindest die mit DG - bei rumgekommen. Kein Kommentar.

Dramatische Folgen für die Umwelt kann ich vom Bürostuhl aus jetzt auch nicht erkennen - wir haben es hier nicht mit einer Katastrophe in der Größenordnung von Exxon Valdez oder Prestige zu tun. Natürlich ist es nicht schön, diesen Müll jetzt im Wasser und an den Stränden zu haben, die hier herbeifantastisierten schlimmsten Folgen sind das ganz bestimmt nicht.

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StephanG2312
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Re: Unglücks-Thread

Beitrag von StephanG2312 » Fr 4. Jan 2019, 10:32

Niklas hat geschrieben:
Fr 4. Jan 2019, 09:35
Ich kann da keinen großen Unterschied in der Berichterstattung zur Strandung der Glory Amsterdam und jetzt zur MSC Zoe erkennen.

Die üblichen Bedenkenträger und Lokalpolitiker haben sich auch schon gemeldet, da sind dann so sinnvolle Vorschläge wie Peilsender für alle Container - oder zumindest die mit DG - bei rumgekommen. Kein Kommentar.

Dramatische Folgen für die Umwelt kann ich vom Bürostuhl aus jetzt auch nicht erkennen - wir haben es hier nicht mit einer Katastrophe in der Größenordnung von Exxon Valdez oder Prestige zu tun. Natürlich ist es nicht schön, diesen Müll jetzt im Wasser und an den Stränden zu haben, die hier herbeifantastisierten schlimmsten Folgen sind das ganz bestimmt nicht.
Schön, dass nicht alle Menschen so denken wie Du...mehr gibt's da für mich nicht zu zu sagen ;)
Mit maritimen Gruß

Stephan

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