MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

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bonito
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von bonito »

Christian Costa hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 21:10


Diese Mär, dass das Schiff selbst lascht scheint sich ja hartnäckig zu halten.
Richtig ist, dass bei Feedern das Lasching oft noch von der Crew erledigt wird. Allerdings werden alle Großschiffe von Laschern im Hafen gelascht und gelöst.

Wenn man die Gestelle - Laschbrücken genannt - bis oben zieht, kann man eben weniger Ladung mitnehmen.
Die ACLer hatten und haben ausschließlich cellguides und daher noch nie einen Container verloren.
Das ist zwar schön und gut, kann man aber in weltweiter Fahrt nicht unsetzen, weil diese Konstruktion einfach zu unflexibel ist.
Höhere Laschbrücken - ok. Aber die Höhe der Laschbrücken ist abhängig von der Klassifiziergesellschaft in Verbindung mit den genutzten Twistlocks. Das wird geprüft und abgenommen. Zudem muss das Ende weicher sein, damit im Extremfall das Schiff sich auch wieder aufrichten kann und nicht kentert.

Die MSC Zoe hatte auf der Nordsee maximal acht Container an Deck stehen. Bis in die fünfte Lage ist alles gelascht und die äußeren Container der sechsten Lage sind in der Regel im Winterhalbjahr auch mit sog Sturmlaschings gesichert.
Da das Schiff aus Sines kam und in diesem Zustand auch die Biskaya passiert hat, war das Schiff wahrscheinlich eher nicht falsch beladen... Zudem wird in Sines meist hauptsächlich gelöscht, denn die MSC Zoe kam sicherlich nicht mit nur 12.7 m Tiefgang aus Fernost. Da wurde ordentlich entladen.

Das man überhöhte Laschwerte billigend in Kauf genommen hat, kann ich mir nicht wirklich vorstellen.
Die MSC Crews, die ich auf solchen Schiffen kennenlernen durfte sind gut ausgebildet und wissen, was sie tun. Bei einem Schiff auf dem Platz ist, wird kein Kapitän oder Ch Off irgend einen Container im roten Bereich akzeptieren.
Schon gar nicht um diese Jahreszeit.
Die Höhe der Laschbrücken bestimmt der Reeder, die Klassifikationsgesellschaft macht die Berechnung über die maximal zulässigen Laschkräfte u.a. abhängig von der Stabilität des Schiffes und des Fahrtgebietes. Diese Werte bzw Berechnung werden im Ladungsrechner angezeigt. Auf Fotos kann ich nicht erkennen, dass in den Aussenreihen Windlashings in der 6. Lage gesetzt sind, dafür fehlen die sogenannten Mikey Mouses (seitliche Erhöhung der Laschbrücken, z.B. die Hapag/UASC Schiffe). Ob die Laschkräfte eingehalten wurden oder nicht kann ich nicht beurteilen, gänzlich ausschließen würde ich das nicht, will aber auch nichts unterstellen. Unter gewissen Umständen kann man eine kurzzeitige Überschreitung akzeptieren, u.a. abhängig von der zu erwartenden Wetterlage. Schätze aber mal, dass die WAPO in Bremerhaven schon an Bord war und sich die Werte hat geben lassen.
Müsste nicht auch eine Seeamtsverhandlung in Deutschland oder den Niederlanden stattfinden ?
Wäre schon aus beruflichen Gründen am Ergebnis interessiert.
Ach ja, dass in Sines fast nur gelöscht wurde macht die Sache nicht einfacher. Höchst wahrscheinlich hat sich das GM (Stabilität) erhöht und somit sind auch die Laschkräfte gestiegen.

Gruß

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StephanG2312
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von StephanG2312 »

Christian Costa hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 21:10
Das man überhöhte Laschwerte billigend in Kauf genommen hat, kann ich mir nicht wirklich vorstellen.
Die MSC Crews, die ich auf solchen Schiffen kennenlernen durfte sind gut ausgebildet und wissen, was sie tun. Bei einem Schiff auf dem Platz ist, wird kein Kapitän oder Ch Off irgend einen Container im roten Bereich akzeptieren.
Schon gar nicht um diese Jahreszeit.
Und trotzdem haben sie 270 Container verloren... :roll:
Mit maritimen Gruß

Stephan

Tim S.
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Tim S. »

bonito hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 22:46
Müsste nicht auch eine Seeamtsverhandlung in Deutschland oder den Niederlanden stattfinden ?
Wäre schon aus beruflichen Gründen am Ergebnis interessiert.
Ach ja, dass in Sines fast nur gelöscht wurde macht die Sache nicht einfacher. Höchst wahrscheinlich hat sich das GM (Stabilität) erhöht und somit sind auch die Laschkräfte gestiegen.

Gruß
Da die Havarie sich in deutschen Hoheitsgewässern ereignete, wird die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen (BSU) - Seeamt gibt es nicht mehr - eine Untersuchung durchführen.

Tim S.
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Tim S. »

Die Havarie des Containerschiffes „MSC Zoe“ hätte durch eine bessere Sicherung der Ladung an Deck verhindert werden können. Zu diesem Schluss kommt der Wilhelmshavener Experte Dieter Becker. Der Diplom-Ingenieur beschäftigt sich von Berufs wegen mit Havarien: Er ist seit über 40 Jahren Sachverständiger für Schiffbau der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer. "Wenn ich mir die Aufnahmen des Havaristen anschaue, hat in den Schadensbereichen keine fachgerechte ,Lashing’ stattgefunden".
http://www.wzonline.de/nachrichten/news ... -muss.html

Sindbad
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Sindbad »

Tim S. hat geschrieben:
Di 8. Jan 2019, 09:33
bonito hat geschrieben:
Mo 7. Jan 2019, 22:46
Müsste nicht auch eine Seeamtsverhandlung in Deutschland oder den Niederlanden stattfinden ?
Wäre schon aus beruflichen Gründen am Ergebnis interessiert.
Ach ja, dass in Sines fast nur gelöscht wurde macht die Sache nicht einfacher. Höchst wahrscheinlich hat sich das GM (Stabilität) erhöht und somit sind auch die Laschkräfte gestiegen.

Gruß
Da die Havarie sich in deutschen Hoheitsgewässern ereignete, wird die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen (BSU) - Seeamt gibt es nicht mehr - eine Untersuchung durchführen.
Deutsche Hoheitsgewässern :?:
Die meiste Container liegen vor der Hollandische Kuste ;)

Eilbek
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Eilbek »

Sindbad hat geschrieben:
Di 8. Jan 2019, 11:38

Deutsche Hoheitsgewässern :?:
Die meiste Container liegen vor der Hollandische Kuste ;)
Der Wind kam am 02. uns 03. Januar von N bzw NNO.
Wenn die Container (knapp) in deutschen Hoheitsgewässern über Bord gegangen sind, kann es schon sein, dass sie an der niederländischen Küste angeschwemmt werden.
http://archiv.nationalatlas.de/wp-conte ... archiv.pdf
Viele Grüße
Stefan

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StephanG2312
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von StephanG2312 »

Auf Borkum sind heute zwei leere Säcke angespült worden, die zuvor Dibenzoylperoxid enthielten.

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... er842.html

Mal sehen, mit welchen Argumenten das wieder runtergespielt wird! :x
Mit maritimen Gruß

Stephan

Christian Costa
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Christian Costa »

Ach Stephan,
weshalb diese Polemik?
Genauso, dass dennoch 270 Container über Bord sind. Ja, aber wenn sich solch ein Riese aufschaukelt, dann muss er ab nem gewissen Rollwinkel auch Container verlieren um nicht selbst unterzugehen. Das weißt du aber eigentlich auch.
MfG & bis neulich
Christian

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Christian Costa
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Christian Costa »

Die Höhe der Laschbrücken bestimmt der Reeder, die Klassifikationsgesellschaft macht die Berechnung über die maximal zulässigen Laschkräfte u.a. abhängig von der Stabilität des Schiffes und des Fahrtgebietes. Diese Werte bzw Berechnung werden im Ladungsrechner angezeigt. Auf Fotos kann ich nicht erkennen, dass in den Aussenreihen Windlashings in der 6. Lage gesetzt sind, dafür fehlen die sogenannten Mikey Mouses (seitliche Erhöhung der Laschbrücken, z.B. die Hapag/UASC Schiffe). Ob die Laschkräfte eingehalten wurden oder nicht kann ich nicht beurteilen, gänzlich ausschließen würde ich das nicht, will aber auch nichts unterstellen. Unter gewissen Umständen kann man eine kurzzeitige Überschreitung akzeptieren, u.a. abhängig von der zu erwartenden Wetterlage. Schätze aber mal, dass die WAPO in Bremerhaven schon an Bord war und sich die Werte hat geben lassen.
Müsste nicht auch eine Seeamtsverhandlung in Deutschland oder den Niederlanden stattfinden ?
Wäre schon aus beruflichen Gründen am Ergebnis interessiert.
Ach ja, dass in Sines fast nur gelöscht wurde macht die Sache nicht einfacher. Höchst wahrscheinlich hat sich das GM (Stabilität) erhöht und somit sind auch die Laschkräfte gestiegen.

Gruß
Korrekt - die Höhe der Laschbrücken bestimmt der Reeder.
Dennoch kann die MSC Zoe 11 Lagen an Deck fahren und hat vom Zertifizierer entsprechende Unterlagen vorliegen.
Sturmlasching sehe ich ebenfalls nicht.
Allerdings frage ich mich, was das bringen soll. Wenn ein Container mehr auf den Seiten fixiert ist. Wenn man sich ansieht, wie die Container kollabiert sind, dann sind die meisten Boxen unten aus der Verankerung gerissen und nicht oben, wo nur die Twistlocks halten.
Das ist gut daran zu erkennen, dass sie Stacks alle fixiert sind und schräg liegen.
Die beiden vermissten IMOs standen übrigens in zweiter Lage und nicht außenbords.
Auch korrekt: durch weniger Ladung kann das GM ansteigen, aber bei über 8000 vollen Büchsen und 12.7 m Tiefgang, ist das GM sicherlich nicht zu gering. Der Dampfer war ja weitestgehend 8hoch in jeder Luke abgeladen.
Erschreckend sind wieder unsere Freunde des NDR, die einen Rentner befragen, ob das Schiff korrekt gelascht ist und der dann in den oberen Lagen Laschstangen vermisst....
MfG & bis neulich
Christian

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Tim S.
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Tim S. »

Ex-Containerschiffkapitän Roel Ballieux: Das kann in der Deutschen Bucht schnell passieren.
https://www.ad.nl/binnenland/oud-kapite ... ~a8b9b8d6/

Simulator: Die Probleme kamen als das Schiff den Kurs änderte und ostwärts Richtung Bremen steuerte, sodass die Wellen nicht mehr von vorn, sondern von der Seite kamen:
https://nos.nl/artikel/2266568-simulati ... iezen.html

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