Der Nostalgie-Thread

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Fritz
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Fritz »

Noch einige Bilder aus der "Bybloszeit" War mein erstes Schiff und es wurde etwas mehr fotografiert.

Landgang: Verschiedenen Häfen in Madagaskar, La Reunion, Mauricius. Das waren die Häfen fürs Löschen.
Laden dann in südlichen Afrika.

Gruß

Fritz

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Fritz
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Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Fritz »

1974, ich war Student (C6 bzw. CI), 2 Semester absolviert, ich hatte nebenbei C2 oder C3 erworben, in den Semesterferien Geld verdienen.

Eine Reise MS Dollart, mit Getreide von Rouen zu einer Brauerei nach Venedig. In Venedig wurde das Schiff von einem geschäftstüchtigem Flieger fotografiert. Er kam mit den Bildern an Bord und zumindest ich habe eines gekauft.

Für mich war es das erste ausgeflaggte Schiff. Arbeitsvertrag in Bad Zwischenahn beim Reeder/Eigner unterschrieben. Firmensitz Panama, Heimathafen Limassol.

Gruß

Fritz

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Fritz
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Fritz »

Hier der Heuervertrag für die Reise auf der MS Dollart.

3000 DM im Monat Netto auf die Hand war viel Geld. Ich meine, dass mein Bafög unter oder um 500 DM im Monat lag. (könnte bei mir suchen) Also ein Monat fahren war gleichbedeutend mit 6 Monate Bafög.

Die weiteren Bedingungen (Krankheit etc.) hat man als junger Student ausgeblendet.

Gruß

Fritz


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Stephan Giesen
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Stephan Giesen »

Fritz hat geschrieben: Mi 5. Jun 2024, 11:46 Noch einige Bilder aus der "Bybloszeit" War mein erstes Schiff und es wurde etwas mehr fotografiert.

Landgang: Verschiedenen Häfen in Madagaskar, La Reunion, Mauricius. Das waren die Häfen fürs Löschen.
Laden dann in südlichen Afrika.

Gruß

Fritz

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Der Beitrag erinnert mich an mein zweites Praktikum mit Fahrtgebiet Westafrika. Wenn ich mich recht erinnere, war der Run Dakar-Tema-Takoradi-San Pedro-Abidjan-Lagos und genau so wieder zurück. Auf meinem ersten Törn war ich dann ziemlich überrascht, als in der Messe plötzlich etwa 4-5 einheimische Damen saßen. Als ich den Chief Mate fragte, was es damit auf sich hatte, meinte er, die würden uns nun begleiten, für die Crew kochen und waschen und auch sonst zu Diensten sein. Ich war doch sehr erstaunt, dass das im Jahr 2004 noch so ohne weiteres möglich war. Mein Fall war das nicht, aber leben und leben lassen. :roll:

In Abidjan hatte der Kapitän wohl schon länger ein Liebchen, welches er aber offenbar los werden wollte. Also beauftragte er mich, der Dame auf der Pier seine Grüße zu übermitteln, ihr aber klar zu machen, dass sie an Bord nicht mehr willkommen war. Aus mir heute unverständlichen Gründen habe ich den „Auftrag“ übernommen. Sie teilte mir dann mit, dass sie von ihm schwanger sei. Ich habe ihm die Nachricht übermittelt, aber er blieb bei seiner Entscheidung. Während ich ihr das mitteilte, sah ich den feigen Hund, wie er die Szene aus seiner Kammer beobachtete. Auch wenn wir generell ein gutes Verhältnis zueinander hatten, habe ich nie wieder für einen Menschen eine tiefere Verachtung empfunden als für ihn. Darüber hinaus kam ich mir selber ungeheuer schäbig vor, mich vor diesen Karren habe spannen lassen. Auch wenn ich mich nie moralisch über andere Menschen gestellt habe, hat mich das Erlebnis doch sehr geprägt und ich hatte danach auch kein Interesse mehr, dort irgendwo an Land zu gehen. Als zwei Reisen später der Alte und ich in Lagos den Ersten aus dem Knast auslösen mussten, weil er sich von einer „Dame“ Pass und Geld hat klauen lassen, wusste ich, dass das die richtige Entscheidung war. Wie gesagt, dass sowas alles noch 2004 möglich war, hat mich sehr überrascht, aber da war ich wohl zu naiv.
Mit maritimen Gruß

Stephan
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Fritz »

Moin Stephan,

das was du schreibst finde ich für 2004 auch verwunderlich. Über 20 Jahre vorher auf den Madagaskarreisen war es wohl so üblich und normal. Die Frauen kamen an Bord, blieben die Liegezeit über an Bord, wurden verpflegt, haben Wäsche gewaschen (Waschmaschine hatten wir noch nicht) und mitgefeiert. Wie einige Männer mit hnen umgegangen sind war eigentlich wiederlich. Dabei war das Verbale ("mein Kohlensack in der Koje") noch recht harmlos.
Ob die Frauen dann auch mitgefahren sind zum nächsten Hafen habe ich vergessen. Ich denke eher nicht. Der Rückweg wäre wohl schwierig gewesen.

Meine moralischen Maßstäbe gerieten so etwas durcheinander als ich feststellen musste, dass vor allem die verheirateten Männer für die Rückreise hofften, dass wir vor dem ersten deutschen Hafen noch einen anderen in Europa anliefen. Hier konnten sie dann zumindest zum "Tripperdoktor" gehen bevor sie ihre Ehefrau wieder sahen. Dass sie vorher den Ziehschein geküzt haben (angeblich keine Überstunden mehr) um ihr Landleben zu bezahlen war auch so ein überraschendes Erlebnis.


Gruß

Fritz
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Stephan Giesen
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Stephan Giesen »

Fritz hat geschrieben: Sa 8. Jun 2024, 21:25 Moin Stephan,

das was du schreibst finde ich für 2004 auch verwunderlich. Über 20 Jahre vorher auf den Madagaskarreisen war es wohl so üblich und normal. Die Frauen kamen an Bord, blieben die Liegezeit über an Bord, wurden verpflegt, haben Wäsche gewaschen (Waschmaschine hatten wir noch nicht) und mitgefeiert. Wie einige Männer mit hnen umgegangen sind war eigentlich wiederlich. Dabei war das Verbale ("mein Kohlensack in der Koje") noch recht harmlos.
Ob die Frauen dann auch mitgefahren sind zum nächsten Hafen habe ich vergessen. Ich denke eher nicht. Der Rückweg wäre wohl schwierig gewesen.

Meine moralischen Maßstäbe gerieten so etwas durcheinander als ich feststellen musste, dass vor allem die verheirateten Männer für die Rückreise hofften, dass wir vor dem ersten deutschen Hafen noch einen anderen in Europa anliefen. Hier konnten sie dann zumindest zum "Tripperdoktor" gehen bevor sie ihre Ehefrau wieder sahen. Dass sie vorher den Ziehschein geküzt haben (angeblich keine Überstunden mehr) um ihr Landleben zu bezahlen war auch so ein überraschendes Erlebnis.


Gruß

Fritz
Naja, da sie ja in unserem Fall im gleichen Hafen wieder von Bord gingen, in dem sie gekommen sind, war das wohl möglich. In den Häfen dazwischen waren sie wohl meist in den Kabinen versteckt. Solange die Immigration mit genug "Beute" in Form von Softdrinks und Spirituosen wieder von Bord gehen konnten, gab es wohl auch nichts zu befürchten.
Einerseits bin ich froh, diese Erfahrung gemacht zu haben, hat sie mich schließlich doch irgendwo geprägt, andererseits war das nicht mein Verständnis von Seefahrt, so dass ich meinen baldigen Wechsel in die Kreuzfahrt dann auch nicht bereut habe. Da ging zwar auch nicht immer alles moralisch einwandfrei zu, aber es wurde zumindest nicht die Not anderer Menschen ausgenutzt.
Mit maritimen Gruß

Stephan
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Stephan Giesen »

Fritz hat geschrieben: Sa 8. Jun 2024, 21:25 Moin Stephan,

das was du schreibst finde ich für 2004 auch verwunderlich. Über 20 Jahre vorher auf den Madagaskarreisen war es wohl so üblich und normal. Die Frauen kamen an Bord, blieben die Liegezeit über an Bord, wurden verpflegt, haben Wäsche gewaschen (Waschmaschine hatten wir noch nicht) und mitgefeiert. Wie einige Männer mit hnen umgegangen sind war eigentlich wiederlich. Dabei war das Verbale ("mein Kohlensack in der Koje") noch recht harmlos.
Ob die Frauen dann auch mitgefahren sind zum nächsten Hafen habe ich vergessen. Ich denke eher nicht. Der Rückweg wäre wohl schwierig gewesen.

Meine moralischen Maßstäbe gerieten so etwas durcheinander als ich feststellen musste, dass vor allem die verheirateten Männer für die Rückreise hofften, dass wir vor dem ersten deutschen Hafen noch einen anderen in Europa anliefen. Hier konnten sie dann zumindest zum "Tripperdoktor" gehen bevor sie ihre Ehefrau wieder sahen. Dass sie vorher den Ziehschein geküzt haben (angeblich keine Überstunden mehr) um ihr Landleben zu bezahlen war auch so ein überraschendes Erlebnis.


Gruß

Fritz
Naja, da sie ja in unserem Fall im gleichen Hafen wieder von Bord gingen, in dem sie gekommen sind, war das wohl möglich. In den Häfen dazwischen waren sie meist in den Kabinen versteckt. Solange die Immigration mit genug "Beute" in Form von Softdrinks und Spirituosen wieder von Bord gehen konnten, gab es auch nichts zu befürchten.
Einerseits bin ich froh, diese Erfahrung gemacht zu haben, hat sie mich schließlich doch irgendwo geprägt, andererseits war das nicht mein Verständnis von Seefahrt, so dass ich meinen baldigen Wechsel in die Kreuzfahrt dann auch nicht bereut habe. Da ging zwar auch nicht immer alles moralisch einwandfrei zu, aber es wurde zumindest nicht die Not anderer Menschen ausgenutzt.
Mit maritimen Gruß

Stephan
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Fritz »

Moin Stephan,

ich bin auch ab 1969 für einige Jahre aufs Passagierschiff gewechselt. Ob der Charakter der Crew (moralische Grundeinstellung) besser war? Es boten sich weniger Gelegenheiten wegen der kurzen Liegezeiten für das sich in Afrika gezeigte Verhalten einiger Kollegen. Derartige Charaktere gibt es immer noch, wie mir scheint eher mehr als weniger.

Wie ist es heute auf dem Passagierschiff mit der Behandlung der Crew durch den Reeder? 1969 wurden noch alle nach dem deutschen Heuertarfif bezahlt, aber dann begann auch bald die Aktion Outsorcing fürs Servicepersonal. Vorbei mit Tarifbindung.

Gruß

Fritz
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Stephan Giesen »

Fritz hat geschrieben: Di 11. Jun 2024, 21:03 Moin Stephan,

ich bin auch ab 1969 für einige Jahre aufs Passagierschiff gewechselt. Ob der Charakter der Crew (moralische Grundeinstellung) besser war? Es boten sich weniger Gelegenheiten wegen der kurzen Liegezeiten für das sich in Afrika gezeigte Verhalten einiger Kollegen. Derartige Charaktere gibt es immer noch, wie mir scheint eher mehr als weniger.

Wie ist es heute auf dem Passagierschiff mit der Behandlung der Crew durch den Reeder? 1969 wurden noch alle nach dem deutschen Heuertarfif bezahlt, aber dann begann auch bald die Aktion Outsorcing fürs Servicepersonal. Vorbei mit Tarifbindung.

Gruß

Fritz
Moin Fritz,

klar, solche Charaktere gab und gibt es auch dort und die werden auch nie aussterben, aber wie gesagt wird da nicht die Not anderer ausgenutzt. Wer sich auf ein "Bordabenteuer" einlässt, tut das aus freien Stücken oder hat eben auch die Möglichkeit, klar Nein zu sagen. Sexuelle Ausbeutung wie Du und ich es auf den afrikanischen Reisen erlebt haben, habe ich in meiner Kreuzfahrtzeit jedenfalls nie bewusst mitbekommen, was natürlich nicht heißt, dass es sie nicht gibt (auch hier werden exotische Ziele angelaufen und es bleibt immer Zeit für einen Landgang). In Zeiten von #Me too und Social Media Zugang auch mitten auf dem Atlantik dürfte das zumindest an Bord theoretisch inzwischen garkein Thema mehr sein. Aber auch hier gab es zu meiner Zeit dennoch "Kollegen", die auf der einen Reise noch ein Techtelmechtel mit einem Crewmitglied hatten und während der nächsten die Ehefrau auf Mitreise dabei hatten. Es geht aber auch "moralisch einwandfrei" und ich konnte einige Kollegen kennenlernen, die dauerhaft ihr Glück innerhalb der Crew gefunden haben; ich bin zum Beispiel einer davon. ;)

Da es mittlerweile kaum bzw. gar kein Kreuzfahrtschiff mehr unter deutscher Flagge gibt, brauchst Du hier nach Heuertarif nicht mehr zu suchen. Es gelten die Bedingungen der zumeist Billigflaggen. Meist ist es so, dass die Offiziersränge nicht schlecht verdienen, die westlichen "Rankings" knapp an der Ausbeutungsgrenze entlang schrammen und man aber bei den asiatischen oder osteuropäischen Kollegen ruhigen Gewissens von Ausbeuterei sprechen kann. Dazu gibt es reichlich Berichte und Dokumentationen, die von den Verfechtern dieser Reiseform gern als übertrieben bzw. Hetze dargestellt werden, nach meiner Erfahrung aber doch zum größten Teil zutreffen, wobei wie überall nicht alle Reedereien über einen Kamm geschoren werden dürfen. Dennoch und genau deswegen lehne ich diese Form des Reisens heute für mich persönlich ab, ohne dabei meine Haltung anderen aufdrängen zu wollen.
Mit maritimen Gruß

Stephan
Fritz
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Fritz »

Autotransport war nicht immer so rationell wie heute.
1976 bin ich für ca. 8 Wochen als 2. Ing auf diesem Schiff gefahren. Von Savona an die Ostküste USA mit Fiats, zurück ins Mittelmeer mit amerikanischen Autos.

Wegen der Bürgerkriegsprobleme in Beirut konnten wir dort die Pick Ups nicht löschen sondern legten in Tartous an.

Gruß

Fritz



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