Unglücks-Thread

Antworten
Benutzeravatar
StephanG2312
Mitglied
Beiträge: 720
Registriert: So 11. Sep 2016, 00:16
Wohnort: Butjadingen

Re: Unglücks-Thread

Beitrag von StephanG2312 »

Mir ist gerade in dem Video noch eine Feinheit aufgefallen: Achtet mal auf die Radarantenne, die dreht sich noch. Also liefen entweder noch die Generatoren (womit wohl?) oder die Batterien sind noch vorhanden. Und warum konnte man nicht das Freifallboot entfernen? Wurden dort der Treibstoff und die Batterien entfern? :x
Mit maritimen Gruß

Stephan

Tim S.
Mitglied
Beiträge: 15905
Registriert: Fr 11. Jan 2008, 12:46

Re: Unglücks-Thread

Beitrag von Tim S. »

Nein, das ist doch völlig okay, solche Fragen aufzuwerfen, und ich gehe auch davon aus, dass natürlich auch umweltbelastende Stoffe noch in gewissen Mengen an Bord verblieben. Das ist aber bei einer solchen Operation kaum anders hinzukriegen. Das Schiff war ja, wie du gesehen hast, in einem katastrophalen Zustand, was die strukturelle Integrität angeht. Da ist es natürlich auch ein großes Risiko wie eine logistische Herausforderung, fernab von jeden Kapazitäten zur Unterstützung einer Bergung an Bord tätig zu sein. Es wurde dennoch ja ungeachtet der schwierigen Umstände monatelang gearbeitet, erst und mit Priorität den Krafstoff zu leichtern und dann das Schiff durch Löschen der Ladung schwimmfähig zu machen. Wenn man dann feststellt, da ist nichts zu retten, ist die Option, noch eine Tiefwasserposition zu erreichen und das Wrack dort zu entsorgen, wohl relativ alternativlos.

Benutzeravatar
StephanG2312
Mitglied
Beiträge: 720
Registriert: So 11. Sep 2016, 00:16
Wohnort: Butjadingen

Re: Unglücks-Thread

Beitrag von StephanG2312 »

Tim S. hat geschrieben:
Mo 15. Jun 2020, 12:34
Nein, das ist doch völlig okay, solche Fragen aufzuwerfen, und ich gehe auch davon aus, dass natürlich auch umweltbelastende Stoffe noch in gewissen Mengen an Bord verblieben. Das ist aber bei einer solchen Operation kaum anders hinzukriegen. Das Schiff war ja, wie du gesehen hast, in einem katastrophalen Zustand, was die strukturelle Integrität angeht. Da ist es natürlich auch ein großes Risiko wie eine logistische Herausforderung, fernab von jeden Kapazitäten zur Unterstützung einer Bergung an Bord tätig zu sein. Es wurde dennoch ja ungeachtet der schwierigen Umstände monatelang gearbeitet, erst und mit Priorität den Krafstoff zu leichtern und dann das Schiff durch Löschen der Ladung schwimmfähig zu machen. Wenn man dann feststellt, da ist nichts zu retten, ist die Option, noch eine Tiefwasserposition zu erreichen und das Wrack dort zu entsorgen, wohl relativ alternativlos.
Die Frage nach der Alternativlosigkeit ist ja genau der Punkt. Sicherlich wäre eine Bergung und ein Verholen zum nächsten geeigneten Abwracker ohne Frage eine immense logistische und kostenintensive Herausforderung gewesen, aber bei den Möglichkeiten heute wäre das sicher irgendwie möglich gewesen. Man hätte sie im Zweifel zumindest wieder auf Grund setzen bzw. dort belassen können, auseinanderschneiden und Stück für Stück abtransportieren können. Eine verantwortungsvolle Regierung sowie Flagge hätte mMn darauf bestehen können, auch, wenn die Kosten den Wert des Schiffes sicher um ein tausendfaches überschritten hätten. Trotzdem wurde eine höchstwahrscheinliche Umweltschädigung billigend in Kauf genommen und das regt mich auf, auch wenn ich weiß, dass das naiv klingen mag.
Mit maritimen Gruß

Stephan

Volker Landwehr
Mitglied
Beiträge: 604
Registriert: So 3. Aug 2008, 18:19

Re: Unglücks-Thread

Beitrag von Volker Landwehr »

StephanG2312 hat geschrieben:
Mo 15. Jun 2020, 12:45
Die Frage nach der Alternativlosigkeit ist ja genau der Punkt. Sicherlich wäre eine Bergung und ein Verholen zum nächsten geeigneten Abwracker ohne Frage eine immense logistische und kostenintensive Herausforderung gewesen, aber bei den Möglichkeiten heute wäre das sicher irgendwie möglich gewesen. Man hätte sie im Zweifel zumindest wieder auf Grund setzen bzw. dort belassen können, auseinanderschneiden und Stück für Stück abtransportieren können. Eine verantwortungsvolle Regierung sowie Flagge hätte mMn darauf bestehen können, auch, wenn die Kosten den Wert des Schiffes sicher um ein tausendfaches überschritten hätten. Trotzdem wurde eine höchstwahrscheinliche Umweltschädigung billigend in Kauf genommen und das regt mich auf, auch wenn ich weiß, dass das naiv klingen mag.
Es fängt doch schon mit der Frage nach dem nächsten geeigneten Abwracker an, der ein 340 m langes Schiff aufnehmen kann. Kann sie den Weg dahin überstehen? Wenn man das Schiff vor Ort zerschneidet geraten evt auch Restkraftstoffe und Erz ins Meer. Und wer bezahlt das Ganze? Schiffseigner und Versicherer haften nur bis zu einer Grenze. Darüber soll dann wer die Kosten übernehmen, der Flaggenstaat Marshallinseln, Brasilien?

Da finde ich es schon ein wenig naiv, das bei der relativ überschaubaren Umweltgefährdung zu erwarten.

Umweltschutz ja, aber bitte mit Augenmaß und Abwägung von Risiko, Nutzen und Kosten.

Hier noch ein paar Anmerkungen zu einem früheren Post:
StephanG2312 hat geschrieben:
Mo 15. Jun 2020, 11:13
Naja, aber die machen ja auch nur das, für das sie bezahlt werden. Insofern fehlt mir weiterhin ein Beleg, dass die Tanks gereinigt wurden.
Ich würde davon ausgehen, dass die Tanks nicht gereinigt wurden. Schließlich war das Ziel am Anfang, Schiff und Ladung zu Bergen, nicht es zu versenken.

Angesichts der laut amerikanischer Websites jährlich geschätzt 706 Millionen Gallons (2,67 Mio m³) Öleinleitung in die Meere, würde ich mir über die verbleibenden Reste nun wirklich keine Gedanken machen.
StephanG2312 hat geschrieben:
Mo 15. Jun 2020, 11:13
Tim S. hat geschrieben:
So 14. Jun 2020, 21:22
...Das Erz ist natürlich nicht umweltschädlich...
Ist das so? Nur, weil es ein natürlich vorkommender Rohstoff ist, heißt das ja nicht automatisch, dass das keine Auswirkungen zumindest auf die Tierwelt hat. Zugegeben habe ich aber auch auf die Schnelle keinen Beleg dafür gefunden, dass das so ist.
Laut Umweltbundesamt ist Eisenerz als "nicht Grundwasser gefährdend" eingestuft. Letztendlich hängt es von Beimengungen und ihrer Menge ab.
StephanG2312 hat geschrieben:
Mo 15. Jun 2020, 11:13
Ich weiß zwar, dass man hier wie auch anderswo gerne mal belächelt wird, wenn man sich mit Umweltthemen intensiver und gegenüber der Schifffahrt auch mal kritisch befasst, aber ich tue mich wirklich schwer damit, den Vorgang in dem Vertrauen zu akzeptieren, dass das ja schon alles irgendwie seine Richtigkeit gehabt haben wird. Wie auch immer, ändern kann man es leider eh nicht mehr. Nichtsdestotrotz habe ich mal die zuständigen Ressorts diverser überregionaler Tageszeitungen angeschrieben und auf den Vorfall aufmerksam gemacht, rechne aber zugegeben kaum mit einer Resonanz darauf. :roll:
Gegen Umweltschutz habe ich nichts einzuwenden. Aber Umweltschutz ist nicht alles, es muss immer eine Abwägung von Risiken, Nutzen und Kosten geben.

Und natürlich werden auch Fehlentscheidungen getroffen, wie der Untergang des Tankers PRESTIGE zeigt. Die spanischen Behörden verweigerten das Schleppen in der Annahme, der Untergang draußen würde weniger Schaden an der Küste anrichten. Hinterher hat sich gezeigt, dass das Einschleppen weniger Schaden angerichtet hätte. Hier hätte man die Ölpest auf Hafenbecken beschränken können.
Gruß, Volker

Benutzeravatar
StephanG2312
Mitglied
Beiträge: 720
Registriert: So 11. Sep 2016, 00:16
Wohnort: Butjadingen

Re: Unglücks-Thread

Beitrag von StephanG2312 »

Moin Volker,

Deine Sichtweise ist natürlich auch nicht grundsätzlich verkehrt und durchaus nachvollziehbar. In einem Punkt widerspreche ich jedoch:
Volker Landwehr hat geschrieben:
Mo 15. Jun 2020, 14:00
Angesichts der laut amerikanischer Websites jährlich geschätzt 706 Millionen Gallons (2,67 Mio m³) Öleinleitung in die Meere, würde ich mir über die verbleibenden Reste nun wirklich keine Gedanken machen.
Jeder m³ im Meer ist einer zuviel und jeder m³ ist es wert, sich darüber Gedanken zu machen und sich zu fragen, was man dagegen unternehmen kann.

Ich bin sicher weit davon entfernt, das zu sein, was der Volksmund einen "Öko" nennt und ich weine nun auch nicht wegen der Versenkung der STELLAR BANNER seitdem jede Nacht in mein Kopfkissen, aber ich finde die Aktion nach wie vor mehr als skandalös, zumal sie ja scheinbar nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit von statten gegangen ist. Selbst Deine Aussage "Aber Umweltschutz ist nicht alles, es muss immer eine Abwägung von Risiken, Nutzen und Kosten geben" ist ja immer noch Wunschdenken, da aus meiner Sicht nach wie vor insbesondere die Kosten bzw. der Gewinn in den meisten Ländern dieser Erde einen deutlich höheren Stellenwert haben als der Umweltschutz.

Wie gesagt, der Drops ist eh gelutscht, aber ich würde mir wünschen, dass wenigstens nachträglich die Öffentlichkeit sich ein eigenes Bild von den Vorgängen machen könnte, indem sie darüber informiert würde. Ansonsten sagt sich der nächste Eigner oder Anrainerstaat beim nächsten Mal "Hat ja bei der STELLAR BANNER keinen interessiert, also wird das jetzt nicht anders sein." Den Vorwurf der Naivität lasse ich mir in diesem Fall da gerne gefallen.
Mit maritimen Gruß

Stephan

Volker Landwehr
Mitglied
Beiträge: 604
Registriert: So 3. Aug 2008, 18:19

Re: Unglücks-Thread

Beitrag von Volker Landwehr »

StephanG2312 hat geschrieben:
Mo 15. Jun 2020, 15:55
Moin Volker,

Deine Sichtweise ist natürlich auch nicht grundsätzlich verkehrt und durchaus nachvollziehbar. In einem Punkt widerspreche ich jedoch:
Volker Landwehr hat geschrieben:
Mo 15. Jun 2020, 14:00
Angesichts der laut amerikanischer Websites jährlich geschätzt 706 Millionen Gallons (2,67 Mio m³) Öleinleitung in die Meere, würde ich mir über die verbleibenden Reste nun wirklich keine Gedanken machen.
Jeder m³ im Meer ist einer zuviel und jeder m³ ist es wert, sich darüber Gedanken zu machen und sich zu fragen, was man dagegen unternehmen kann.
Ich denke, bei einem erst vier Jahre alten Bulker wird man es sich mit der Aufgabe der Schiffes nicht leicht gemacht haben. Auch wenn ich zustimme, dass jeder m³ zuviel ist, kann dass nicht heißen, dass jede Geldsumme gerechtfertigt ist, ihn zu vermeiden. Siehe Risiko, Nutzen, Kosten.

Es ist ja nicht so, dass es keine Quelle gibt, die den Vorgang darstellen. Eine davon gibt folgende Aussage: https://www.marinelink.com/news/stellar ... ian-479205
Zitat: The portion of cargo that will remain in the ship's holds does not pose risks to the environment, the Brazilian Navy said. Remaining oil and oily residue on board will be removed prior to scuttling.
Man muss anscheinend verschiedene Quellen lesen, um umfassende Informationen zu erhalten ;)
StephanG2312 hat geschrieben:
Mo 15. Jun 2020, 15:55
Ich bin sicher weit davon entfernt, das zu sein, was der Volksmund einen "Öko" nennt und ich weine nun auch nicht wegen der Versenkung der STELLAR BANNER seitdem jede Nacht in mein Kopfkissen, aber ich finde die Aktion nach wie vor mehr als skandalös, zumal sie ja scheinbar nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit von statten gegangen ist. Selbst Deine Aussage "Aber Umweltschutz ist nicht alles, es muss immer eine Abwägung von Risiken, Nutzen und Kosten geben" ist ja immer noch Wunschdenken, da aus meiner Sicht nach wie vor insbesondere die Kosten bzw. der Gewinn in den meisten Ländern dieser Erde einen deutlich höheren Stellenwert haben als der Umweltschutz.
In einem weiteren Artikel gibt Polaris, Eigner des Schiffs, folgende Auskunft: “Following an extensive inspection by the classification society and the surveyors, the structural integrity of the hull was been declared unseaworthy. Towing the vessel to shore presented significant safety concerns,” Polaris Shipping confirmed to our publication.
und “Prior to scuttling, floating objects, such as mooring line and pollutants, also a minimal quantity of gas oil which had remained onboard have been removed. Part of the iron ore, navigation equipment and basic machinery remained on the vessel, which are deemed to pose no risk to marine life,” the company added. https://www.offshore-energy.biz/stellar ... seaworthy/
Es ist also schon nachvollziehbar, wenn man lange genug sucht, allerdings nicht in der deutschen Presse. Umweltschutzstandards unterscheiden sich stark von Land zu Land. In Brasilien geht man mit der Umwelt sehr viel wenig strikt um als bei uns. Wobei in Deutschland die Abwägung oft auch nicht mehr stattfindet und die Waage zu weit zum Umweltschutz ausschlägt.

Ich kenne aus meine aktiven Zeit als Bau-Ing. Bauvorhaben, die z.B. an einer Mini-Population von Kleinnagern gescheitert sind, die aus biologischer Sicht bereits zu klein war, um zu überleben. Oder an einem seltenen Volgel, dessen Gesang man gehört haben will, ihn aber nie finden konnte. Da hat es kein Urteil gegeben, aber über die Jahre hat der Investor aufgegeben.

Auch die Elbvertiefung ist so ein Beispiel. Ich kann einige Bedenken (Fließgeschwindigkeit, Tidenhub, Sturmfluten)nachvollziehen, was die Elbvertiefung damit machen könnte. Es letztlich dann vom Schierlings-Wasserfenchel abhängig machen zu wollen, fällt für mich in die obige Kategorie. Gruß, Volker

Tim S.
Mitglied
Beiträge: 15905
Registriert: Fr 11. Jan 2008, 12:46

Re: Unglücks-Thread

Beitrag von Tim S. »

Ich denke, ein ganz wichtiges Wort war schon "abwägen". Maximalforderungen gehen in die Irre, und tatsächlich dürften die realen Umweltrisiken durch die Restmengen an pollutants in diesem Fall vernachlässigbar sein. Ein paar Tonnen Öl tun dem Atlantik in der Tat nichts wahrnehmbares. Da halte ich auch "Jeder Liter zählt" für falsch. Risiken und Kosten eines Bergungsversuchs stünden m.E. hier in keinem Verhältnis, zumal es keinerlei Gewähr einer erfolgreichen Bergung gegeben hätte. Die Risiken eines unkontrollierten Schiffbruchs in flacherem Gewässer wären wohl größer gewesen. Und ja, eine Verschrottung in halb gesunkenem Zustand würde auch noch erheblich mehr Risiken unkontrollierter Austritte von Schadstoffen mit sich gebracht haben. Von daher halte ich die Versenkung auf Tiefwasser, wo die verbliebenen Schadstoffe langfristig wegen der meeresklimatischen Bedingungen in der Tiefe eingeschlossen bleiben, für die weiseste und auch umweltschonendste Lösung.

Benutzeravatar
StephanG2312
Mitglied
Beiträge: 720
Registriert: So 11. Sep 2016, 00:16
Wohnort: Butjadingen

Re: Unglücks-Thread

Beitrag von StephanG2312 »

Bis auf die Haltung zum Thema Öl im Meer haben Eure Sichtweisen durchaus auch ihre Berechtigung und sind nachvollziehbar, auch wenn ich sie nicht teile. Ich denke, nun sind alle Argumente soweit ausgetauscht. Bin mal gespannt, ob man irgendwo irgendwann außerhalb dieses Forums zu dem Thema nochmal etwas liest.
Mit maritimen Gruß

Stephan

KaiR
Mitglied
Beiträge: 2702
Registriert: Mi 18. Feb 2009, 12:11

Re: Unglücks-Thread

Beitrag von KaiR »

interessantes Video über die Bergung des Autotransporters "Golden Ray" vor der Küste von Georgia.

https://www.facebook.com/CoastalGaDNR/v ... 3550551482
Grüße,

Kai

Maurice
Mitglied
Beiträge: 3639
Registriert: So 21. Jun 2009, 21:50
Wohnort: Leer

Re: Unglücks-Thread

Beitrag von Maurice »

Feuer an Bord der "Asuka II" in Yokohama.
https://english.kyodonews.net/news/2020 ... uries.html
Meine Fotos - Mein Copyright!

Antworten