MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

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StephanG2312
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von StephanG2312 » Mi 22. Mai 2019, 00:26

Ja, genau, immer alles klein reden, die Hauptsache, der Rubel rollt...und wenn die Argumente ausgehen, sind's die Medien schuld.

Wenn alle so denken würden, änderte sich nichts und es wird weiterhin MSC Zoe's, Exxon Valdez' und Prestige's geben, die lediglich mit einem Schulterzucken quittiert werden. So oder so wird es natürlich immer wieder Unglücke geben, alleine schon deswegen, weil immer Situationen vorkommen, die vorher keiner für möglich gehalten hätte (siehe zB VIKING SKY), aber das heißt doch nicht, dass man aus bereits geschehenen nicht lernen und die Seefahrt ein kleines Bisschen sicherer machen kann, ohne damit gleich den Profit der Reeder und Befrachter zu ruinieren. Wovor habt Ihr denn so eine Angst, dass Ihr das so klein redet? Dass das Weihnachtsgeld ausbleibt oder die Playstation € 10,00 mehr kosten könnte?

Ich glaube gern, dass beim Lashing alles richtig gemacht wurde (und habe auch nie das Gegenteil behauptet), aber warum ist es zB erlaubt, dass solche Pötte das VTS innen befahren dürfen und nicht außen rum lang müssen, wo bei tieferem Wasser die Wellensituation wahrscheinlich eine andere gewesen wäre?

Wie schon öfter gesagt, weiß ich, dass ich mit meiner Meinung gerade hier in der Minderheit bin und eigentlich bin ich es auch leid, meine Worte diesbezüglich immer wieder in den Wind zu schreien, aber wenn Gleichgültigkeit so offen zur Schau getragen wird, kann ich einfach nicht die Klappe halten, sorry! Nehmt zur Kenntnis, dass ich jedenfalls keinen direkt persönlich damit angreifen will!
Mit maritimen Gruß

Stephan

Tim S.
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Tim S. » Mi 22. Mai 2019, 09:36

Nein, das ist doch völlig okay und richtig, Stefan. Aus jedem Unglück sollten ja Lehren gezogen werden, ob zu Wasser, in der Luft oder auf dem Land. Da es ja auch im Interesse aller Beteiligten ist, Schäden zu minimieren, wird das ja auch der Fall sein. Es wird auch MSC oder deren Versicherern nicht egal sein und von daher denke ich, werden aus den Unfalluntersuchungen auch Konsequenzen gezogen in Form von Handlungsempfehlungen oder Richtlinien. Niemand, auch und gerade an der Küste, hat ja Interesse an dem ganzen Plastikschrott im Meer.

Tim S.
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Tim S. » Mi 22. Mai 2019, 11:03

Im Juni werden sich niederländische und deutsche Behörden zusammensetzen, um einen gemeinsamen Ansatz in der Bewertung des Bergungsstands zu finden.
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... oe210.html

Christian Costa
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Christian Costa » Mi 22. Mai 2019, 21:53

StephanG2312 hat geschrieben:
Mi 22. Mai 2019, 00:26
Ja, genau, immer alles klein reden, die Hauptsache, der Rubel rollt...und wenn die Argumente ausgehen, sind's die Medien schuld.

Wenn alle so denken würden, änderte sich nichts und es wird weiterhin MSC Zoe's, Exxon Valdez' und Prestige's geben, die lediglich mit einem Schulterzucken quittiert werden. So oder so wird es natürlich immer wieder Unglücke geben, alleine schon deswegen, weil immer Situationen vorkommen, die vorher keiner für möglich gehalten hätte (siehe zB VIKING SKY), aber das heißt doch nicht, dass man aus bereits geschehenen nicht lernen und die Seefahrt ein kleines Bisschen sicherer machen kann, ohne damit gleich den Profit der Reeder und Befrachter zu ruinieren. Wovor habt Ihr denn so eine Angst, dass Ihr das so klein redet? Dass das Weihnachtsgeld ausbleibt oder die Playstation € 10,00 mehr kosten könnte?

Ich glaube gern, dass beim Lashing alles richtig gemacht wurde (und habe auch nie das Gegenteil behauptet), aber warum ist es zB erlaubt, dass solche Pötte das VTS innen befahren dürfen und nicht außen rum lang müssen, wo bei tieferem Wasser die Wellensituation wahrscheinlich eine andere gewesen wäre?

Wie schon öfter gesagt, weiß ich, dass ich mit meiner Meinung gerade hier in der Minderheit bin und eigentlich bin ich es auch leid, meine Worte diesbezüglich immer wieder in den Wind zu schreien, aber wenn Gleichgültigkeit so offen zur Schau getragen wird, kann ich einfach nicht die Klappe halten, sorry! Nehmt zur Kenntnis, dass ich jedenfalls keinen direkt persönlich damit angreifen will!
Ach Stephan,
Niemand hat die Medien beschuldigt. Ich habe sie in diesem Zusammenhang - ganz vorn war damals der NDR - die Medien eher für ihre miserabele Recherche kritisiert...

Mit einem Schulterzucken habe ich das Unglück sicherlich nicht zur Kenntnis genommen. Dafür hatten wir in Bremerhaven dann doch zu viel mit dem Kahn zu tun.
Fakt ist, dass gemessen an der transportierten Menge recht wenig passiert. Das heißt nicht, dass man aus Unglücken Nichts lernen soll und zur Tagesordnung übergehen soll. Natürlich sollte man die Regelungen für die Deutsche Bucht überprüfen.
Die übertriebenen Rufe nach Peilsendern an Containern sind allerdings auch keine Lösung sondern blinder Aktionismus seitens der Politik.

Als damals das Autoschiff Baltic Ace vor Holland sank, war der Aufschrei in Deutschland auch ein anderer.
Damals sind Hunderte Autos versunken. In Deutschland war relative Ruhe.
Jetzt passiert ein Unglück vor der Haustür und die Welt soll natürlich weltweit die Regeln gemäß der niedersächsischen Landesregierung anpassen...

Fakt ist auch, dass mir das Thema nicht gleichgültig ist oder war. Ich habe lediglich die Fakten genannt. Ob man mit einer weiter nördlichen Route Schlimmeres hätte verhindern können, bleibt Spekulation, ist aber sicherlich möglich. Es war so oder so eine Extremsitution, die Gott sei Dank anderen Schiffen in der Nacht erspart geblieben ist. Wahrscheinlich hätte es gereicht, wenn die MSC ZOE zehn Minuten später an Ort und Stelle gewesen wäre und die Böen sie schlicht nicht erfasst hätten.
Wie du aber selbst sicherlich besser als ich weißt, muss bei solch einem Unfall einfach Vieles zusammen kommen.
Windrichtung, Beladung, Windstärke sowie kurze und starke Böen. Zudem muss das Schiff auch Angriffsfläche für den Wind bieten. Einen vollen Bulker hätte es wohl nicht so in Schieflage gebracht.

Fakt ist aber auch, dass gerade bei Preis sensiblen Gütern sehr wohl die 10 EUR den Unterschied machen können.
Klar, jetzt kann man gern argumentieren, dass dann die Arbeitsplätze wieder in Europa oder gar in Deutschland landen. Das dieses Argument nur eine Halbwahrheit ist, muss man nicht weiter ausformulieren, denn es gibt ja meist auch andere Märkte als Europa, die aus Fernost bedient werden.

Und ja, es soll Menschen geben, die jeden Cent umdrehen müssen und dann froh sind, dass Dinge Made in China günstig sind. Du magst in der Lage sein, das zu zahlen. Viele in der Gesellschaft sind es nicht. Sollen sie noch weiter an den Rand gedrängt werden, weil sie sich noch weniger leisten können?

Das ist eben Fluch und Segen der Globalisierung
MfG & bis neulich
Christian

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StephanG2312
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von StephanG2312 » Do 23. Mai 2019, 00:27

Christian,

zunächst: Hätte ich mich ausschließlich auf Deinen Beitrag bezogen, hätte ich ihn zitiert.

Nein, DU hast nicht die Medien beschuldigt, andere aber schon.

Nein, dass Peilsender die Seefahrt sicherer machen oder die nieders. Landesregierung die Expertise besitzt, als einzige den Fall zu bewerten und die entsprechenden Maßnahmen festzulegen, habe ich nicht behauptet und halte ich ebenfalls für Unsinn.

Nein, es gab weder bei der BALTIC ACE einen Aufschrei in Deutschland und meiner Meinung nach auch nicht wirklich bei der MSC ZOE. Es dauerte schließlich keine zwei Wochen, da haben 90% der Bevölkerung das Thema längst wieder verdrängt. Die verbleibenden 10% bestanden aus denjenigen, die das Thema aus Umweltaspekten oder maritimen Interessen beschäftigt hat oder die als Anwohner bzw. Urlauber direkt betroffen waren. Den Rest interessiert es einfach nicht. Bestes Beispiel (völlig vom Thema ab, aber es trifft die Stimmung in unserer Gesellschaft auf den Punkt): Lidl hat letzte Woche sein Bananenangebot, was bis dahin ausschließlich aus Fair-Trade-Produkten bestand, aus dem Sortiment genommen und wieder auf herkömmliche Ware umgestellt, weil die Kundschaft nicht bereit war, die € 0,10 pro Kilo mehr zu bezahlen. Aber Abends am TV und am Stammtisch wird sich echauffiert, wie schlimm doch die Zustände in den Herkunftsländern sind. Das gleiche gilt für Eier, Fleisch und und und...einfach verachtenswert aus meiner Sicht, aber in so einem Land leben wir nun mal (und können es uns ja auch Gott sei Dank aussuchen).

Nein, mich interessiert es tatsächlich nicht, ob andere sich mehr oder weniger leisten können, solange den Preis dafür unsere Umwelt zahlt

Ja, das ist in der Tat der Preis für die Globalisierung, da hast Du völlig Recht. Die einen unterstützen das und halten es für den größten Gewinn der Menschheit, die anderen sehe das äußerst kritisch und haben ihren Lebensstil derart angepasst, das eben nicht zu unterstützen und zu fördern (was weiß Gott nicht immer gelingt). Ändern werden beide Fraktionen jedoch daran nichts.
Mit maritimen Gruß

Stephan

bonito
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von bonito » Fr 24. Mai 2019, 12:23

Passt vielleicht zum Thema, inwieweit die Dinger Wasserdicht sind und Unterwasser funktionieren steht da leider nicht.

50.000 Tracker: CMA CGM weitet digitale Kontrolle aus
https://hansa-online.de/2019/05/feature ... rolle-aus/

Nochmal zum Ünglück. Ich gehe davon aus, dass die Klassifikationsgesellschaften und Versicherungen sich den Fall sehr genau anschauen. Und ich schätze mal, dass man auch bei MSC sich den Fall genau anschaut. Solch eine finanziellen Schaden zahlt man nicht mal eben aus der Portokasse, vom Image Verlust mal ganz abgesehen. Es gibt schon Kunden, die etwas genauer hinschauen, wem sie ihre Ladung anvertrauen.
Es ist auch nicht so, dass die Reedereien immer nur untätig sind.
Nach dem Brand auf der Meask Honam gab es mehrere Treffen nahmhafter Reedereien zwecks Analyse und Überlegungen, wie man zumindest reedereiintern die Stauvorschriften verbessern kann. Wobei einige Reedereien eben lediglich dem IMDG Code folg(t)en während andere Reedereien schon vorher strengere Regeln einhielten. Sicherlich ist noch nicht überall das Verständnis vorhanden, aber es tut sich was.

Gruß

Volker Landwehr
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Volker Landwehr » Fr 24. Mai 2019, 15:50

bonito hat geschrieben:
Fr 24. Mai 2019, 12:23
Passt vielleicht zum Thema, inwieweit die Dinger Wasserdicht sind und Unterwasser funktionieren steht da leider nicht.

50.000 Tracker: CMA CGM weitet digitale Kontrolle aus
https://hansa-online.de/2019/05/feature ... rolle-aus/
Gruß
Sie funktionieren mit Sicherheit nicht unter Wasser: https://vimeo.com/155658816

Verlässlich unter Wasser funktionieren nur Ultraschallgeräte. Als Beispiel, der Unterwasser-Peilsender (pinger) eines Flugschreibers strahlt ein Ultraschall-Signal von 160 Dezibel bei 37,5 kHz ab. https://de.wikipedia.org/wiki/Flugschre ... sserortung
Gruß, Volker

Tim S.
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Tim S. » Fr 31. Mai 2019, 21:43

Bergung von Containertrümmern und Ladung gestoppt:
https://www.rtlnieuws.nl/nieuws/nederla ... en-bezorgd

StephanG2312
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von StephanG2312 » Sa 1. Jun 2019, 00:36

Soviel zu den vollmundigen Versprechen der Reederei, alles Material bergen zu wollen. Mich überrascht das nicht, im Gegenteil... :twisted:
Mit maritimen Gruß

Stephan

Tim S.
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Tim S. » Sa 1. Jun 2019, 11:53

Hielt ich angesichts der Verhältnisse vor Ort aber auch gleich für arg vollmundig.

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