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Kurz nachdem wir festgemacht haben, erscheint die "Autority", repräsentiert durch eine junge Frau im Fleckentarnanzug. Sie soll wohl sicher stellen, dass niemand unkontrolliert das Schiff verläßt. Nicht nur die Phillipinos freuen sich über den Anblick...

Etwas später fährt ein kleiner Bus vor und setzt einige Uniformierte zur Pass-und Einreisekontrolle ab. Ich habe im eigens für solche "Verwaltungsakte" vorhandenen "Büro" auf dem Hauptdeck zur Gesichtskontrolle zu erscheinen. In diesem Büro sitzen sage und schreibe 1 Mann vom Zoll sowie 2 Frauen und 3 Männer der Polizei. Wenn das nicht Vollbeschäftigung ist.... Ich setze mein freundlichstes aber unverbindliches Lächeln auf, werde beäugt und bekommen sogleich einen Stempel in meinen Reisepass. Jetzt steht dem Landgang nichts mehr im Wege. Der 2.Offizier, der sich bereits nachmittags angeboten hatte, mir St.Petersburg zu zeigen, hat sich "landfein" gemacht und so verlassen wir gegen 19Uhr15 zusammen mit dem Kapitän und dem 2. Chief das Schiff. In Hamburg kaum vorstellbar, laufen wir quer über das Terminal. Um uns rum überall LKW und andere Fahrzeuge. Nix da "shuttlebus"... Ebenfalls bei uns kaum vorstellbar verläuft das "Auschecken" aus dem Terminal: Wir erreichen nach ca. 10 minütigem Fußmarsch ein verfallen wirkendes kleines Gebäude, welches wir zusammen mit einigen anderen Menschen durch eine marode, hölzerne und verglaste Eingangstür betreten und stoppen 2 Meter hinter der Tür an einem aus Kunststoff gefertigten, modernen "Pförtnerhäuschen". Einer darin sitzenden, attraktiven Brünetten legen wir unsere Pässe und den an Bord erhaltenen Passierschein vor. Ohne Worte erhalten wir nach kurzer Musterung unsere Ausweise zurück und dürfen nach Fingerzeig 3 Meter bis zu einer Drehschranke weiter gehen. Der an der Schranke stehende Uniformierte läßt uns nach Gutdünken passieren. Er scheint der Einzige zu sein, der in der Lage ist, Laute von sich zu geben: Als ich offensicht zu schnell meinem Vordermann folge, Pfeift er mich mit den Laute "ok-ok" zurück. Dieses Hindernis bewältigt, hat der russische Staatsapparat eine letzte Instanz bereit: Hinter dem Drehkreuz, kurz vor dem Ausgang aus dem Gebäude wartet ein letzter Beamter mit überdimensionalem "Schallplattenschmuggler" auf dem Kopf in einem wohl noch nicht modernisierten Verschlag auf uns.Ohne weitere Anstalten seitens der Organe nehmen wir auch diese Hürde und verlassen das Gebäude. Russland, wir kommen! Kommentar des Kapitäns: "They are so stupit- that russians"
Hinter dem Gebäude liegt ein Bretterweg, der uns auf einer Brücke parallel zu einer Eisenbahnstrecke über einen Fluß führt. Wegen der überall angebrachten Kameras wage ich es nicht, meine Canon auszupacken. Hier wäre eine simple Pocketkamera von Nutzen gewesen. Gleiches gilt für die nächste Etappe auf unserem Weg in die Stadt: Die Crew kennt eine Abkürzung durch ein paar Straßen, die ich niemals alleine betreten hätte. Ist der Eindruck bisher ärmlich und schmuddelig, durchlaufen wir jetzt eine Straße, die eher einem Schlaglochpiste in Afrika ähnelt. Überall Bruch und Dreck. Straßenköter, wo man hinsieht. Auf unserem Rückweg stelle ich erstaunt fest, dass es unter den Hunden hier offensichtlich verschiedene Rudel gibt, die sich das Revier aufgeteilt haben: 5 Hunde schickten sich an, uns laut bellend Ärger zu machen. Plötzlich erschien 3 weitere Hunde, die ebenfalls anfingen, zu bellen und -dumdidum- drehten die 5 im Gänsemarsch ab. Unsere 3 "Retter" interessierten sich im Übrigen nicht weiter für uns. Glück gehabt!
Am Ende dieser fragwürdigen Gegend begann das Leben. Wir betraten eine Wechselstube und brachten uns in den Besitz russischen Geldes. 37,10 Rubel für einen Euro.
Gleich an der Ecke der Wechselstube dann das erste Fotomotiv: Das mir auch nach dem Googeln nicht bekannte "grüne Tor " mit einer Quadriga oben drauf - ähnlich dem Brandenburger Tor in Berlin.

Schnell ein paar Fotos und weiter zum nahe gelegenen Eingang zur Metro. Schon jetzt -und im weiteren Verlauf unseres Stadtrundganges erst recht- kam ich mir vor wie ein Japaner: Europa in 5 Tagen....
Das Betreten der Metrostation hatte sofort einen WHOW-Effekt zur Folge. Uns empfing eine große Eingangshalle , die reich mit Verzierungen, die an die Sowjetzeit erinnerten, versehen war.

Sergej kaufte Münzen, mit denen man ein Drehkreuz dazu veranlassen konnte, den Weg zu den Zügen frei zu geben.
Es folgte sogleich eine Rolltreppenanlage, die uns wohl gut 80 Meter in die Erde brachten.

Unten angekommen, bahnten wir uns einen Weg durch die Menschenmassen quer durch eine Halle zum Bahnsteig.
Der etwas altertümlich wirkende Zug brachte uns mit atemberaubender Geschwindigkeit in die Innenstadt.
Nach einmaligem Umsteigen erreichten wir die Station "Newskij Prospekt". Jetzt begann der Rundgang durch die Stadt, die Sergej zusammen mit dem 3.Offizier ausgearbeitet hatte.
Die Metrostation verlassend lag der Newskij Prospekt, St.Petersburgs Shoppingmeile schlechthin, vor unseren Füßen.
Gleich um die Ecke der Gribojedow-Kanal, an dessen Ende die duch ihre Mosaiktürme beeindruckende Auferstehungskirche steht.
Zurück auf den Newskij Prospekt "flanieren" wir in zügigem Tempo hinunter bis zu einer großen Kreuzung, an der wir rechts abbiegend direkt auf den Schloßplatz gelangen.Zur rechten befindet sich das im weiten Bogen errichtete, riesige Generalstabsgebäude,
zur linken das schmucke, in grün-weiß gehaltene und ebenfalls nicht eben kleine Winterpalais.
Dazwischen die Alexandersäule. Den Platz verlassend erreichen wir kurze Zeit später die Newa, einen Fluß, der sich durch St.Petersburg zieht. Spontan denke ich an unsere Alster in Hamburg.
Die Peter und Paul Kathedrale

Wir verlassen das Ufer der Newa und biegen ab zur Isaakskathedrale. Auf den Rasenflächen davor herrscht pure Lebensfreude. Es ist mittler weile kurz vor 20Uhr "boardtime" (MESZ), d.h. 22Uhr Ortszeit und immer noch um die 20 Grad warm.
Sergej deutet an, dass wir jetzt alles gesehen haben, was auf seinem Zettel steht. Nun müsse er noch ein paar Einkäufe tätigen, ausserdem müßte ich ja auch noch was mit nach Hause bringen....Da ich ihm erkläre, dass ich an Souveniers kein Interesse habe, beschließt er, dass ich russische Candys kaufen soll. Wenig später betreten wir einen "Supermarkt", einen der zahlreich vorhandenen kleinen kleinen Kellerläden, die bei uns wohl Nachbarshop oder Tante-Emma-Laden heißen würden.
Mit Engelsgeduld läßt Sergej eine Sorte nach der anderen in jeweils eine Tüte packen. Das dauert und der kleine Laden füllt sich: Eine Frau betritt den Kellerladen und annimiert ihren viel zu fetten Langhaardackel, ihr zu folgen. Nach einigem Zögern nimmt dieser die drei Stufen nach unten und beginnt sofort, die Wursttheke anzuhimmeln. Wenig später betreten 2 Polizisten mit den bereits bekannten "Schallplattenschmugglern" den Laden und beginnen, als sie merken, dass es etwas dauern wird, mit ihren Handys zu spielen.Ein weiterer Kunde hat auf der Hacke kehrt gemacht und den Laden verlassen. Der durchhängende Dackel ist mittler weile hinter dem Tresen in die hinteren Räume abgedampft,worauf Frauchen aufgeregt beginnt, ihn zur Rückkehr zu bewegen....und Sergej sucht "Candys" aus.... Letztendlich zahle ich einen Packen Rubelscheine und der Einkauf ist beendet. Nachdem die Polizei aufgehört hat, zu spielen und der Dackel aus dem Laden getragen ist, ordert Sergej schnell noch 4 Flaschen Vodka (die waren billiger als meine "Candys"

) und wir können endlich den Laden verlassen. Draussen nötigt mich Sergej, ihm meine Tüte zum Tragen zu überlassen. Meine Gegenwehr ist nur von kurzem Erfolg. Er besteht darauf.... "You take pictures and i carry candys..."
Der Rest des "Abenteuers St.Petersburg" ist schnell erzählt: Zurück zur Metro über den Newskij Prospekt, der immer noch stark belebt ist,
rasen wir mit dem Zug zurück Richtung Hafen,
laufen gefühlte 6 Kilometer durch die jetzt auch in bezug auf das Licht dunkle Gegend bis wir am Kontrollhaus ankommen. Warum Sergej mir jetzt die Plastiktüte aufs Auge drückt und dafür meine Fototasche umhängt, bleibt mir verborgen... Die Kontrollstation nehmen wir jedenfalls ohne Probleme. Zurück an Bord habe ich nur noch einen Wunsch: Ein kaltes Fuß- und ein heißes Duschbad! Besiegelt wird das ganze mit einer Dose Löwenbräu aus dem Kellershop. Ein anstrengender aber unheimlich schöner Tag geht zuende.
Danke Sergej!
Und damit in diesem Bericht auch noch ein Schiff zu sehen ist, sei erwähnt, dass die Aurora in der Nacht frischen Kraftstoff gebunkert hat...
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wird fortgesetzt