
Hier ca. 140 Fotos zu meinem Bericht:
https://picasaweb.google.com/1055546839 ... directlink
Mein Bericht ist für Kreuzfahrer gedacht, die sich für eine Frachtschiffreise interessieren.
Das Schiff:
Ich habe auf der MS Charlotta (IMO Br. 9432232) eine 2 X 7 Tage back to back Reise ab Hamburg gemacht: HH-NOK-Kotka (Finnland)-Helsinki-HH und HH-Bremerhaven-NOK-Gdynia (Polen)-NOK-Hamburg.
Mit Hilfe der IMO Nr. findet man im Netz Zusatzinfos über das Schiff, Fotos und die aktuelle Route/Standorte
Reederei Bartels (Neu Wulmstorf), Flagge Luxemburg,
MS Charlotta, Vorderschiff 155,86 m + achtern 12,25m = 168,11m, Breite 27 m, 15.400 PS, Geschwindigkeit 19,5 kn, Tiefgang max. 9,60 m ,1.404 Containerstellplätze, Gesamtladewicht ca. 17.000 tdW, Ladekapazität ca. 14.800t (Die BRZ Angabe wie bei Kreuzfahrtschiffen sind für Containerschiffe nicht relevant, da es auf die Ladekapazität in t ankommt).
Baujahr 2008/2009, Sietas Werft Hamburg http://www.sietas-werft.de , Typ 128. Sietas
hat die die Baltic Maxklasse entwickelt und 6 Schiffe dieses Typs für unterschiedliche Reedereien gebaut. Nach einer „Umstrukturierung“ baut Sietas keine Containerschiffe mehr.
4 Passagierkabinen: 1 Eigner Suite auf dem E-Deck, 2 Doppelkabinen auf dem B-Deck (besser geeignet zur Einzelnutzung) und 1 Einzelkabine auf dem A-Deck, digital TV mit sehr vielen auch deutschen Sendern (aber nicht immer mit Empfang). Das Schiff ist in einem absoluten TOP Zustand. Wie es auf anderen
Frachtschiffen aussieht, kann ich nicht beurteilen.
12/13 Mann Besatzung, Kapitän Robert (37 aus Polen – im Wechsel mit dem deutschen Stammkapitän Brockmüller), 1. Offizier (27) aus Estland, 2.Offizier (28) von den Philippinen, Chief auf meinen beiden Reisen ist aus St.Petersburg, 51, fährt ca. 20 Jahre als Chief, 2. Ing auch aus Russland und Koch von den Philippinen. Ein sehr hilfsbereiter Praktikant war das einzige deutsche Besatzungsmitglied.
Alles ganz locker, in Jeans oder Bermudas und T-Shirts ohne sichtbare Hierarchie. Ein Passagier hatte wohl die Uniformen der Captains vermisst. Trotzdem gibt es eine gelebte Hierarchie. Die Mannschaft verwies immer wieder auf den Captain.
Captain Robert (spricht Polnisch und Englisch, kein Deutsch) ist ein sehr netter Typ mit hoher Akzeptanz bei der Crew und viel Verständnis für Passagiere und deren Fragen. Der Captain ist auch der „Hoteldirektor“ und mehr oder weniger für alles zuständig: „ask the Captain“,u.a. auch für den Getränkeverkauf. Er hat nie etwas vergessen und die kleinen Wünsche der Passagiere schnell realisieren lassen.
Die Charlotta ist technisch und nautisch auch für lange Transatlantikstrecken gut ausgestattet. Mit Heck- und Bugstrahlruder kann das Schiff auf der Stelle drehen und im Hafen sehr flexibel navigieren. Einige meiner Aussagen beziehen sich nur auf die MS Charlotta, auf anderen Schiffen kann es eine andere Ausstattung und andere Spielregeln geben.
Reederei Bartels ist eine Familienreederei mit 4 Schiffen Charterer ist z.Z.http://www.cma-cgm.com und Subcharterer http://www.teamlines.de In 2010 ist die Charlotta zeitweise auf der Route Brest-England bis Istanbul gefahren, auch nicht uninteressant. Der Charterer CMA_CGN hat mit den Passagieren nichts zu tun, bestimmt aber frachtabhängig die Route und Zeitplan. Die Charterer veröffentlichen im Internet die für das Schiff in der nahen Zukunft geplanten Routen und Häfen. Bei Kurztouren kann man daraus eine grobe und unverbindliche Hochrechnung über die geplante Route zu einem bestimmten Termin machen.
Eine Emailverbindung gibt es nur nur für den Captain auf der Brücke, die Charlotta hat keine WELAN Ausstattung für Mannschaft und Passagiere Es gibt extrem wenige Containerschiffe mit WELAN Versorgung. Als Rentner kann ich auch mal 2 Wochen aufs Internet/Emails verzichten, weil bei mir nichts anbrennt. In der Ostsee hatte ich oft GSM Handyempfang aus dem deutschen, dänischen, schwedischen, finnischen oder polnischen Netz, aber keinen Dauernetzempfang über Satellit wie bei Kreuzfahrtschiffen.
Die Route:
Meine 2 X 1 Woche auf dem Containerschiff MS Charlotta HH-NOK-Kotka-Helsinki-NOK-HH-Bremerhaven-Gdynia (Polen)-NOK-HH war ein Erlebnis und Abenteuer. Kotka/Finnland ist eine interessante Urlaubsregion, die Stadt war um 19 h wie ausgestorben und nur tote Hose. Helsinki war abends sehr lebendig, in 4 Stunden hatte ich aber nur einen „schnellen Überblick“. In BRV har ich wegen der kurzen Liegezeit nicht von Bord. Gdynia mit S-Bahn Fahrt nach Gdanks/Danzig (35 Minuten, 1.25 €). Gdanks hat eine sehr gepflegte historische Altstadt, die man auch als „Fusskranker“ durchlaufen kann. Nach Gdansk und Helsinki würde ich jederzeit wieder fahren. In Gdansk finden in 2012 auch Spiele der Fussball EM statt. Die Stadt muss aber noch viel unternehmen, damit die internationalen Fans sich besser orientieren können
Bei Frachtschiffreisen stehen die Fahrt auf dem Schiff mit vielen Seetagen, das echte Geniessen des Meeres, das Bordleben als „Seemann“, Ein- und Auslaufen in unbekannteren Häfen und das Be-und Entladen des Schiffe im Vordergrund. Wenn man alles mit bekommen will, muß man seine Schlafgewohnheiten anpassen und auch mal nachts an Deck oder auf die Brücke gehen. In Relation zu Kreuzfahrtschiffen hatte ich auf meinen 2 X 7 Tagen nur jeweils 2 Anlaufhäfen mit teilweise kurzen Liegezeiten. 4X durch den NOK war jedes Mal irgendwie anders und besonders interessant.
Nord-Ostsee Kanal http://www.kiel-canal.org
Im August 2010 sind wir mit MS Deutschland an einem sonnigen Sonntag nach den Hamburger Cruise Days in der Ferienzeit mit vielen Urlaubern, Campern und Radlern am Ufer durch den NOK gefahren. Mit der Charlotta bin ich jetzt 4 X, nachts und bei Tage – alle Tageszeiten waren unterschiedlich spannend und abwechselungsreich.
Die normale Schiffsgeschwindigkeit im NOK beträgt 15 km/h, 2 X hatten wir sehr viel Ladung und 9,30m Tiefgang (max. 9,50m im NOK) und durften nur 12 km/h fahren. Wartezeiten in den Schleusen verlängern die Durchfahrtzeit. Inkl. der beiden Schleusen in Brunsbüttel und Kiel Holtenau und der Wartezeiten in den Weichen können sich Fahrzeiten von 9 – 12 Stunden ergeben. Manchmal hat man wie am eine vollständige NOK Durchfahrt bei Tageslicht, die Durchfahrten in einer klaren Nacht zur Mitsommernacht sind anders interessant. Auch die gelegentlichen (kleineren) Kreuzfahrtschiffe haben keine Vorfahrt im NOK. Durch den NOK können u.a. kleinere AIDAs, Phönix Schiffe, Europa, Deutschland, Columbus, Hanseatic und kleinere HAL Schiffe fahren. Wenn die Schiffe abends in Hamburg abfahren oder morgens in HH ankommen, sind das oft Nachtfahrten. Besonders schön sollen bei gutem Wetter die Tagesfahrten im Mai sein, wenn die gelben Rapsfelder blühen.
Auf der ehemaligen MS Azur bin ich ca. 1991 durch die Strasse von Korinth gefahren – imposante steile Felsen entlang des engen Kanals. Heute sind die Schiffe wesentlich grösser und ich kenne nur noch 1 sehr kleines und einfaches Kreuzfahrtschiff, das durch den Korinth Kanal passt.
Der Suez Kanal verbindet Mitteleuropa mit den Retortenstaaten in den Emiraten und Asien, in der Vergangenheit auch mit interessanten Besichtigungen in Ägypten und Jordanien. Der Kanal ist auch für Jumbo Frachtschiffe und Passagierschiffe eine Schiffsreise durch die Wüste, ganz nett, aber für mich nicht so prickelnd.
Für mich ist der Panama Kanal mit den Schleusen, in denen die Schiffe von Lokomotiven gezogen werden, und den grossen Seen die Nr.1 der Kanäle vor dem NOK, bei dem die Landschaft und Schiffsbegegnungen im Vordergrund stehen. Eine Fahrt mit einem Frachtschiff durch den Panama Kanal hätte für mich einen besonderen Kick.
Die Kammern/Kabinen:
In der ersten Woche hatte ich die Backbord Kammer auf dem B-Deck mit 2 kleinen Fenstern und Ausblick nach achtern. In der Reisebeschreibung war angegeben: Sicht verstellt. So schlimm war es aber nicht, man könnte von einer Sichtbehinderung sprechen, die aber nicht störte. Ein Wohnraum mit Tisch und Eckbank, durch einen Schrank getrenntes Bett in Seniorenhöhe 200 X 140 (bei Doppelbelegung nicht so lustig, Kleiderschrank, sehr viel Schubladen und Stauraum, Kühlschrank und SAT TV (mit sehr vielen Sendern und allen deutschen Programmen, leider oft keinen Empfang), viele Steckdosen, Bad mit Waschbecken, Dusche und Toilette, Geschätzte Grösse ca. 16/17 m2, wirkte aber durch die Schrankwand kleiner, alles modern und funktional und nicht auf Optik getrimmt
In der 2 Woche hatte ich dann die Eigner Suite auf dem E-Deck direkt unter der Brücke. Das ist eine echte Suite mit 2 Kammern (Wohnraum und Schlafzimmer). DU/WC und 3 Fernstern (nach vorne, achtern und backbord), die zum Glück nicht verstellt waren. Im Wohnraum war eine Eckbank mit Tisch und Stuhl, ein Schreibtisch mit Stuhl, eine grosse Schrankwand mit sehr viel Ablagefächern und Schubladen, ein grosser Flachbildschirm mit SAT Empfang und DVD Player, viele Steckdosen. Die Stühle sind jeweils flexibel am Boden befestigt. In der
Schlafkammer ist ein grösseres Bett 160X200 auch in Seniorenhöhe. Vom Schreibtisch aus hatte ich einen tollen Blick nach vorne über die das Schiff und die Ladung. Geschätzte Kabinengrösse ca. 30/32 qm.
Speise-Pausenraum/Messe und ein nur selten benutzter grosser Freizeitraum für Mannschaft und Passagiere. Einfache und sehr saubere Einrichtung, Tische mit abwaschbarer Tischdecke wie auf einem komfortablen Campingplatz. Das Ambiete ist funktional und ansprechend. Ausserdem gibt es kleine Sauna und einige Sportgeräte. Es gab gepolsterte Sonnensessel und ab der nächsten Fahrt soll es auch Sonnenliegen geben
Der Chief hat uns durch die 3 Etagen des Maschinenraumes geführt. Auch wenn wir nicht alles verstanden haben, die Charlotta hat mit ca. 15.400 PS eine sehr leistungsstarke Maschine und bis zu 20 kn Geschwindigkeit sind kein Problem. Besonders beeindruckt hat uns die Sauberkeit im Maschinenraum, alles wie abgeleckt und so sauber wie im Speiseraum.
„Vollpension“:
Das Essen war wie an einer einfachen Pommesbude im Ruhrgebiet und der einzige Schwachpunkt der Reise. Ich habe mehrfach auf das Mittagsessen verzichtet. Macht nichts, ich hatte auch keinen Sternekoch erwartet. In der 2.Woche war das Essen auch nicht anders, obwohl der Koch krankheitsbedingt ausgefallen war. Für uns 4 deutsche Passagiere wurden jeden Mittag pro Person 4 Kartoffeln gekocht, den Reis haben wir uns dann von der Crew geholt. Inzwischen ist ein anderer Koch auf dem Schiff.
Preise für Frachtschiffreisen:
Frachtschiffreisen sind keine Schnäppchen. Die Preise liegen inkl. Nebenkosten und Vollpension bei ca. 90 – 120 €/Tag, (110-120 € auch bei Einzelnutzung und Eigner Suite) und sind unabhängig von der Jahreszeit. Es gibt meistens einen Basispreis für die Doppelbelegung. Die Einzelnutzung einer Kabine ist nur unwesentlich teurer (ca. +10/15 €/Tag), auch die Eigner Suite hat nur einen geringen Aufpreis. Es gibt viele Kreuzfahrten auf 4 Sterneschiffen, die auch in einer Balkonkabine bei Doppelbelegung pro Person günstiger sind. Die ganz neue Celebrity Silhouette (4-5 Sterne) wird ab 23.7.11. teilweise für 75 – 110 € in einer Balkonkabine angeboten.
Die Kosten ab Bord sind sehr gering, z.B. 6 X 1,5l Wasser 3 € oder 24 X 0,33 l Flaschen Holsten Pils oder Budweisser Lager 11,50 €.
Da es keinen Service gibt, entfällt auch das Zwangstrinkgeld bzw. die Service- pauschale. Trotzdem legen die Passagiere gerne einige Scheine in die Mannschaftskasse. Die Crew freut sich zwischendurch auch über eine 24er Kiste Bier. Die Transferkosten z.B. vom Schiff in die Stadt etc. sind höher als bei Kreuzfahrten, da Frachtschiffe meistens nicht im Centrum der Hafenstadt liegen und man idR auf Taxis angewiesen ist.
Wie bucht man eine Frachtschiffreise?
Es gibt mehrere Agenturen, die sich speziell mit Frachtschiffreisen beschäftigen.
Die meisten Agenturen arbeiten zur Information online. Viele Reisen werden von unterschiedlichen Anbietern preisgleich verkauft.
Nur in seltenen Fällen gibt es Prospekte der Vermittler, meistens gibt es Datenblätter zu den einzelnen Reisen mit Schiffsbeschreibung und Foto, aber ohne den Namen des Schiffes. Ich habe mir den Namen des Schiffes mit IMO Nr. geben lassen, damit ich mich im Netz über das Schiff vorab weitere Infos besorgen kann. Seriöse Agenturen beschreiben die Schiffe sehr präzise und beantworten auch Zusatzfragen realistisch. Ich habe bei gleichen Reisen auch schon „schwammige“ Beschreibungen gelesen. So möchte ich z.B. wissen, ob der Ausblick aus den Kabinenfenstern unverstellbar ist und möchte einen Grundriss und am liebsten Fotos der Kabine haben. Ich habe den Eindruck, dass einige Agenturen nur schnell verkaufen wollen aber keine Lust haben, zu viele Details zu nennen. Ich habe bei http://www.zylmann.de gebucht und bin mit der fundierten Beratung dort sehr zufrieden. Die MS Charlotta wird von Zylmann exklusiv vermarktet.
Die Kabinen- und Bettenzahl auf Frachtschiffen, die in Deutschland buchbar sind, ist überschaubar. Wenn ich von max. 200-250 Schiffe mit im Durchschnitt von 4 Kabinen ausgehe (wahrscheinlich sind diese Annahmen schon zu hoch), davon einige nur zur Einzelnutzung, ergeben sich über den Daumen ca. 1.500 – 1.750 Betten. Viele Doppelkabinen werden aber auch in Einzelbelegung gebucht, wodurch sich die Kapazität weiter verringert. Die insgesamt zur Verfügung stehende Kabinen- und Bettenkapazität ist geringer als bei nur einem mittelgrossen Kreuzfahrtschiff.
Ich denke mit einem Freund über eine Eismeerfahrt im Februar 2012 und eine längere Frachtschiffreise (28 – ca. 50 Tage) im Juni 2012 nach. Es gibt z.B. nur ein Containerschiff mit Passagieren nach New York und eine lange Warteliste der Passagiere. Ich habe 2 Reisen für 2012 bei Zylmann optioniert, mal abwarten, was machbar. Wenn man bestimmte Routen (z.B. NY oder Panama Kanal) haben will, hat man keine Chance sich dazu auch noch eine bestimmte Schiffsgrösse/-ausstattung und Baujahr auszusuchen. Ich möchte bei einer längeren Reise nicht der einzige Passagier an Bord sein und eine große Kabine haben. Meistens kann das Fenster nach vorne mit Containern zugestellt sein, dann möchte ich ein 2. Fenster zur Seite oder achtern haben, was nicht zugestellt werden kann. Diese geringen Anforderungen mit einer speziellen Route zu kombinieren ist nicht möglich und man muss Kompromisse machen.
Was erlebt man auf einem Frachtschiff ?
Immer wieder habe ich mir das Aufladen, den Transport der Container und das Beladen auf den Schiffen angesehen und bewundere die Präzision, mit der dieser Prozess per EDV gesteuert wird. Jeder Container ist ein Individuum und bekommt „seinen“ Platz auf dem Schiff oder im Hafen. Für mich ist das beeindruckender als irgendwelche langweiligen historischen Besichtigungen.
Ich war täglich mehrere Stunden auf der Brücke und hatte viel Kontakt zum Captain, den Offizieren, der Mannschaft und zu den Lotsen. Für mich war das war ein Erlebnis und Abenteuer. Wer das nicht erlebt hat, kann nicht verstehen, dass eine Frachtschiffreise sehr abwechselungsreich ist.
Frachtschiffreisen sind spannend und unkalkulierbar. Die meisten Fracht-/Containerschiffe haben einen groben Fahrplan, trotzdem steht nichts genau fest und alle Angaben sind Schätzungen. Der Abfahrts- und Rückkehrhafen steht meistens fest, die genauen Daten aber nicht. Die Liegezeiten richten sind nach der Fracht und nicht nach den Ausflugswünschen der Passagiere. Die Passagiere müssen ihr Landprogramm selber organisieren und den Liegezeiten anpassen.
Als Passagier muss man zeitlich flexibel sein und darf keine Erwartungen an einen speziellen Passagierservice haben. Man muss Lust haben, auch während der Reise immer zu improvisieren und sollte etwas Englisch sprechen, um sich an Bord mit der Mannschaft zu unterhalten und sich an Land leichter zurecht- zufinden.
Auf Frachtschiffen mit den Aufbauten achtern kann man sich nur ca. 50% der Sonnenstunden in die Sonne setzen, wenn die Sonne von achtern oder seitlich kommt und nicht durch die Aufbauten verdeckt ist. Der beste Aussichts- und Sonnenplatz ist auf der meist sehr windigen Plattform über der Brücke, wenn eine Leiter mit ca. 10 Stufen raufklettert. Da es dort aber auf der Charlotta (und sicher auch auf anderen Schiffen) keine Sitzmöglichkeiten gibt, bin ich nur für tolle Ausblicke auf das Deck geklettert.
ARD/ZDF werben „bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe“. Bei Frachtschiffreisen könnte man sagen: „näher dran und mehr (Meer) dabei erleben“.
Ich habe noch nie eine Schiffsreise so intensiv erlebt wie auf diesem modernen Containerschiff. Wer das nicht erlebt hat, kann das nicht verstehen. Ein Reisejournalist würde sicher einen halbromantischen Erlebnisbericht schreiben, ich halte mich mehr an Kurzbeschreibungen meiner Eindrücke.
Als Gepäck reicht für 2 Wochen eine grosse Reisetasche aus. Jeans, Windjacke, Polohemden und Tshirts –mehr nicht. Wer will kann seine Wäsche auf dem Schiff auch selber waschen. Bevor man eine längere Frachtschiffreise macht (z.B. 1 – 3 Monate) sollte man eine Schnupperreise z.B. auf der Ostsee machen. Uschi muss mich vor einer längeren Reise anlernen, wie man Wäsche richtig wäscht. Da man keine Oberhemden braucht, muss ich dann auch nichts bügeln.
Der Chief sagte mir nach 2 Wochen beim letzten Mittagessen: „Du bist jetzt Mitglied der Crew“. Ich habe geantwortet: „gerne, aber nicht im Maschinenraum“. Der 1.Offizier wollte dann Pinsel und Farbe holen, damit ich mich an Deck einarbeiten könne. Hmmm… so hatte ich mir das nicht vorgestellt…
Danke an Captain Robert und die Crew für 2 abwechslungsreiche Wochen auf der sehr gepflegten MS Charlotta. Die Passagiere hatten immer das Gefühl, an Bord gerne gesehen zu sein. Ich kann die Charlotta sehr empfehlen. Eine Bitte an die Herren Bartels: die Passagiere würden sich über eine Espressomaschine zur Selbstbedienung freuen.
Die Unterschiede zwischen Frachtschiffreisen und Kreuzfahrten kann man beschreiben, beide lassen sich aber nicht richtig vergleichen, weil sie zu unterschiedlich sind. Die Passagiere beider Seereisearten pflegen ihre gegenseitigen Vorurteile, ohne beides zu kennen. Bevor man über beide Schiffsreisen urteilt, sollte man es selber erlebt haben.
Uschi und ich werden weiterhin Kreuzfahrten machen und in 2011 freuen wir uns auf weitere 43 Tage auf 4 verschiedenen Kreuzfahrtschiffen. Reisen auf Frachtschiffen ist eine völlig andere aber intensivere Reiseform, Schiffe als „Seemann“ und das Meer zu erleben.
Gruss Seebaer-Ede
Ein interessantes Buch zur Vorbereitung einer Frachtschiffreise: Peer Schmidt-Walther: Frachtschiffreisen - Als Passagier an Bord
http://www.koehler-mittler.de/shop/pdfA ... uflage.pdf
Zylmanns Bordbrief liefert wichtige Basisinfos:
http://www.zylmann.de/fileadmin/zylmann/Bordbrief.pdf