MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

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Christian Costa
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Christian Costa »

Rot heißt jetzt auch nicht zwangsläufig = unsicher zu fahren.
Rot heißt Toleranz überschritten. Da gibt es aber extrem viele Kleinigkeiten, die man je nach Wetter und Fahrtgebiet oder Problem akzeptieren kann. Beispiel: Reefer- Container stehen in der Mitte des Schiffes drei hoch und können daher nur mit Twistlocks gehalten werden, denn das Lashing beginnt in der vierten Lage.
Auch Laschtoleranzen kann man akzeptieren, wenn sich bespielsweise durch Spritverbrauch das GM ändert.
Auch Reefer auf non Reefer slots können rot werden und das Problem mit extensions für die Reefer lösen.
Es gibt x Faktoren, die zu Meldungen führen können, aber nicht gleich solche Unglücke nach sich ziehen müssen.
MfG & bis neulich
Christian

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bonito
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von bonito »

Ich kenne nur die Uraltversion von CASP, das Laschmodul kenne ich gar nicht. MACS3, BELCO, LASHMATE und CAPSTAN sind mir da schon deutlich geläufiger. Alle Systeme zeigen recht genau an, wo der Schuh drückt und welche Werte überschritten sind. Kann mir somit nicht vorstellen, dass das nicht auch bei CASP der Fall ist. DNV GLgeben auch recht genau vor, für welches Fahrtgebiet die Berechnung gemacht sind, in diesem Fall Europa Asien. Bei Unrestricted sind die Vorgaben noch schärfer. Bei LR muss man sich die entsprechenden Quadranten der Route sowie die Jahreszeit raussuchen. Dort kann man auch die Windgeschwindigkeit einstellen.
Wie dem auch sei, eine einzelne geringe Überschreitung der Werte sollte sicherlich nicht zu solch einer Katastrophe führen aber wenn ganze Blöcke zu hohe Laschwerte aufweisen sollte man doch nochmal überlegen, ob das vertretbar ist. Die Schiffsleitung sollte auch die entsprechende Jahreszeit berücksichtigen. Was in Europa im Sommer akzeptabel erscheint, sollte im Winter nochmals überdacht werden.
Interessant ist auch die Frage, wie die Versicherer das bewerten. Für die ist es ein schönes Argument, sich nicht an den Kosten zu beteiligen. Die Dokumentation von MSC wirft meiner Meinung nach jedoch einige Fragen auf. Man könnte fast vermuten, dass hier erheblich gemauert wurde.

GRUß

Kaheiroe
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Kaheiroe »

Diese Megacarrier haben durch ihre große Breite zuviel GM. In diesem Fall 12 - 14 m dadurch Rollperiode 14 Sekunden für Überholen bis 20 Grad ! Das größte Problem der Zoe war die immense Tiegangangszunahme. 15 Grad bringen knapp 8 m (!) Zoe hatte normal 12,7 m plus 8 m sind 20,7 m Ob überall
soviel Wasser ist ,wage ich zu bezweifeln , wenn man südlich vom Zwangsweg fährt.

Gruß Kaheiroe

Volker Landwehr
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Volker Landwehr »

Christian Costa hat geschrieben:
Fr 26. Jun 2020, 20:00
Rot heißt jetzt auch nicht zwangsläufig = unsicher zu fahren.
Rot heißt Toleranz überschritten. Da gibt es aber extrem viele Kleinigkeiten, die man je nach Wetter und Fahrtgebiet oder Problem akzeptieren kann. Beispiel: Reefer- Container stehen in der Mitte des Schiffes drei hoch und können daher nur mit Twistlocks gehalten werden, denn das Lashing beginnt in der vierten Lage.
Auch Laschtoleranzen kann man akzeptieren, wenn sich bespielsweise durch Spritverbrauch das GM ändert.
Auch Reefer auf non Reefer slots können rot werden und das Problem mit extensions für die Reefer lösen.
Es gibt x Faktoren, die zu Meldungen führen können, aber nicht gleich solche Unglücke nach sich ziehen müssen.
Ja, das Rot muss nicht unbedingt auf ein katastrophales Versagen hinweisen. Aber pauschale Anzeigen wie hier, bei denen lt. Gutachten die Ursachen nicht angegeben werden sowie die nur pauschale Eingabe eines Fahrgebietes ohne evt. Kenntnis der zugrunde liegenden Details sind eine ziemlich schlechte Basis für eine Risikoabschätzung.

Ich habe mein Berufsleben lang immer wieder Risikoabschätzung abweichend von den Normen treffen müssen, z.B. Überlagerung von Lastspitzenwerten bei kurzzeitigen Bauzuständen. Baustatikprogramme liefern allerdings alle erforderlichen Detailergebnisse um Risiken abzuschätzen.
Gruß, Volker

Zuschauer
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Zuschauer »

Moin,

mal ganz blöd gefragt: Warum untersagt man denn nicht generell die Fahrt, wenn die Wettervorhersage schwere See voraus sagt?
Klar, warten kostet Geld, aber ist doch immer noch billiger als die Folgen bei einem Unfall zu kompensieren.

Die Ansage der Politik, die Schiffe nur im Tiefwasser fahren zu lassen halte ich für zu kurz gedacht.
1. schwimmt der Müll aus zerstörten Containern trotzdem an Land. Nur halt später.
2. Fallen die Boxen beim Anlauf in den Hafen von Bord hat man das Problem trotzdem Küstennah.

Gruß

Hamburch
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Hamburch »

Moin Zuschauer,

wenn ich das richtig verstanden habe, geht es bei der Frage der Wahl des Fahrwassers nicht um die Nähe zum Land und die Auswirkungen des Ladungsverlustes, sondern um eine (mindestens beinahe) Grundberührung, die als ursächlich für den Unfall angenommen wird.
Volker Landwehr hat geschrieben:
Do 25. Jun 2020, 11:37
Als Hauptursachen werden genannt:
- extreme Bewegungen und Beschleunigungen
- Kontakt oder Beinahekontakt mit Meeresboden
- Grünes Wasser
- Slamming
Gruß

Christian

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bonito
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Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von bonito »

Zuschauer hat geschrieben:
Sa 27. Jun 2020, 09:52
Moin,

mal ganz blöd gefragt: Warum untersagt man denn nicht generell die Fahrt, wenn die Wettervorhersage schwere See voraus sagt?
Klar, warten kostet Geld, aber ist doch immer noch billiger als die Folgen bei einem Unfall zu kompensieren.

Gruß
Ok, dann erkläre mal, ab wann schwere See vorherrscht. Wie man ja gesehen hat, war das Wetter und der Wellengang an sich für das Schiff kein Problem. Die Hauptursachen wurden ja schon erwähnt, ich für meinen Teil halte auch eine zumindest teilweise unzureichende Ladungssicherung als mit ursächlich. Davon abgesehen ist es mitnichten so, dass man die Schiffe jederzeit einfach durch schlechtes Wetter fahren lässt. Ist das Risiko zu hoch bzw der Nutzen mehr als fragwürdig, meiden auch die großen Schiffe Schlechtwettergebiete, auch wenn dieses einige Tage Verspätung kostet.

Was ich mich noch unabhängig von dem Unfall frage ist, inwieweit das Schiff bei solche einer geringen Wassertiefe vom Squat Effekt betroffen ist. Gut, bei 9 Knoten macht sich das wohl noch nicht bemerkbar, aber bei höheren Geschwindigkeit ist es vielleicht schon fraglich, ob ein "Umweg" über tiefes Wasser nicht die bessere Lösung wäre.

Gruß

Tim S.
Mitglied
Beiträge: 15910
Registriert: Fr 11. Jan 2008, 12:46

Re: MSC Zoe verliert Container in der Nordsee

Beitrag von Tim S. »

Ein Taucherteam will in den kommenden Tagen Ladungreste der MSC Zoe im Wattenmeer und anderen Abfall vom Meeresgrund bergen:
https://www.lc.nl/friesland/ameland/Dui ... 02257.html

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