Der Nostalgie-Thread

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fuhri1186
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von fuhri1186 »

Ich kann mich noch gut an mein erstes "Kolbenziehen" erinnern, war spannend und anstrengend zugleich. Die ungezählten Male danach kam aber dann eine gewisse Routine rein und wir konnten uns auf den großen Zweitaktern auf gut acht Stunden pro Station einspielen. War zwar auf jedem Schiff eine neue Herausforderung, aber lernen konnten wir bei jeder Überholung!

Zuerst natürlich Pläne lesen, mein Blick ist wohl der Inbegriff für "doof aus der Wäsche gucken" und man sieht, wir hatten keinen fähigen Friseur in der Crew :D

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Den ersten Kolben haben wir auf einer 7S70MC-C gezogen, zu der Zeit bei weitem nicht mehr der größte Motor, aber immerhin schaffte der Siebenzylinder es auch schon auf knapp 21000kW.

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Alleine die ganze Hydraulik antakeln hat seine Zeit gedauert und wir sind schier verrückt geworden, weil niemals alle acht Bolzen gleichzeitig kamen, was nach Handbuch aber genau so sollte. Zudem hat jeder Mann an seinem Bolzen eine eigene Meinung, sodass der Chief dann irgendwann durchgegriffen hat.

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Am Ende kam der Kolben dann doch fast freiwillig an die frische Luft und wir konnten Kolbenringe erneuern und die Buchse vermessen!

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Auch Deckel und Auslassventil haben Liebe erhalten und wurden ohne Neuteile für die nächsten 8.000 Betriebsstunden wieder aufgebaut.

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Und dann war der Motor auch schon wieder komplett!

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Sieht man mal von kleineren Katastrophen wie geplatze Brennstoffleitungsdichtungen ab, war auf dem Dampfer eigentlich nur Routinewartung und wir Azubis hatten viel Zeit uns mit den Stoff für den anstehenden Schulzeitblock zu beschäftigen!

Was eine Sauerei, hat Tage gedauert den Maschinenraum wieder Klar zu bekommen....

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Dafür gab es dann aber zum Ausgleich ein ausgewogenes BBQ mit viel Bier und Spanferkel nach Filipino Art.

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Das Schiff wurde 2006 in Polen gebaut und fuhr bis 2016 als IBN Khallikan und Hermann Wulff. Heute fährt sie ncoh als MSC Tania für MSC als Eigner.

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Fritz
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Fritz »

Moin,

als Seemann war (und ist es auch vielleicht noch) relativ einfach an Land zu gehen, so gesehen ja in das Land einzureisen. Kein Visa etc. Zu meiner Zeit kam ich so ganz einfach in die Länder bzw. Staaten derSowjetunion und in den gesamten Ostblock. Man bekam an Bord ein Ticket für den Landgang und gut war es.
Einige dieser Tickets habe ich noch, allerdings nicht von den Staaten des Warschauer Paktes. Vielleicht wurden die bei Ausreise auch wieder eingezogen.

Gruß

Fritz


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Stephan Giesen
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Stephan Giesen »

Fritz hat geschrieben: So 30. Jun 2024, 21:59 Moin,

als Seemann war (und ist es auch vielleicht noch) relativ einfach an Land zu gehen, so gesehen ja in das Land einzureisen. Kein Visa etc. Zu meiner Zeit kam ich so ganz einfach in die Länder bzw. Staaten derSowjetunion und in den gesamten Ostblock. Man bekam an Bord ein Ticket für den Landgang und gut war es.
Einige dieser Tickets habe ich noch, allerdings nicht von den Staaten des Warschauer Paktes. Vielleicht wurden die bei Ausreise auch wieder eingezogen.

Gruß

Fritz
Klasse, vielen Dank für‘s teilen! Wusste nicht, dass Du auf der HANSEATIC warst. Ein wunderschönes Schiff für meine Begriffe. Mich würde interessieren, wie Du zu der Zeit das Leben auf einem Musikdampfer im Vergleich zur Frachtschifffahrt empfunden hast. Die Privilegien, die heute zumindest die Offiziersränge auf einem Kreuzfahrer genießen, gab es damals ja wohl so noch nicht.
Auch über Bilder vom Schiff, wenn Du welche hast, würde ich mich sehr freuen!
Mit maritimen Gruß

Stephan
Fritz
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Fritz »

Wie habe ich es auf dem Musikdampfer nach der Frachterzeit empfunden? Ist in der Rückschau gar nicht so einfach zu beantworten. Ich versuche es erst mal mit einigen Fakten. Hanseatic, ex Shalom, damals vorwiegend Kreuzfahrten.
Ich bin zusammen mit einem Kollegen/Freund als Ing. Assi. eingestiegen, er auch auch Ing. Assi. Es gab für uns eine 2 Bett Kabine mit Bullauge, Schmierer, Reiniger und entsprechende Mannschaften etc. 4 Bett Innenkabinen.
Für uns gewöhnliches Personal gab es nur ein kleines Deck als Aufenthalt ganz achtern, dort war auch die Kneipe, Bierklappe genannt. Der Rest vom Schiff war tabu, vor allem der Innenbereich.
Nach einigen Monaten wurde ich "Diensttuender 4. Ing.", auf der Wache dann "Chef" im Kesselraum. Einen 4. Ing mit einem wirklichen kleinen Patent fand man nicht für die Heuer. Mit der Beförderung verbunden war der Umzug aufs oberste Deck und die Einzelkabine (ohne Dusche, Toilette). Dazu das Privileg, dass oberste Deck und das Peildeck als Sonnendeck zu nutzen. Hier durften auch die die weiblichen Crewmitglieder ihre Freizeit verbringen. Ich denke es waren ca. 15 % der Crew Frauen, vorwiegend als Kabinenstewardess. Auf dem Offiziersdeck gabe es auch einen Partyraum für uns. Zu den Partys wurden natürlich auch die weiblichen Crewmitglieder eingeladen und vom Zahlmeister gab es im Voraus auch Hinweise auf alleinreisende Frauen die auch eingeladen wurden.
Positiv war sicherlich, dass es eine größere Anzahl an Personen gab unter denen man Freunde finden konnte. Freundin war schon schwierig, viele Männer, wenig Frauen. Ich ging diesbezüglich leer aus.
Aber die langen Abende und Nächte in den Tropen an Deck auf dem Frachtschiff ohne Klimaanlage werde ich nicht vergessen, derartiges gab es auf dem Passagierschiff nicht. Die Nordkappartys waren vielleicht so ähnlich. Die vielen Häfen in kurzer Zeit waren sicherlich auch positiv, wenn es auch nicht immer mit dem Landgang klappte. In der Karibik hatte man aber so seine "Insel", tauschte die Wache und hatte auch Zeit für einen Ausflug, Badeausflug an den Strand (eines Hotels). Taxi oder Leihwagen mieten und als Kleingruppe was erkunden.
Die Offiziere ab 2 Streifen hattten dann wirklich Privilegien, sie durften (und sollten) am Dinner und dem gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Konversation mit dem Seeman war quasi ein Angebot für die Passagiere. Den Offizieren wurde ein Tisch zugeteilt, also Entertainer für die Passagiere spielen. Auf den Reisen mit US-Amerikanischen Passagieren war dies eher unbeliebt, das Durchschnittsalter war sehr hoch und die Motivation anschliessend ans Dinner noch mit einer 80-jährigen das Tanzbein zu schwingen eher gering. Anders sah das aus bei den Reisen die in Europa begannen. Hier war es ein ganz anderes Publikum. Es gab z. B. Nordlandkreuzfahrten auf denen ein Teil der Passagiere an einem Ärztekongress teilnahmen, die Kreuzfahrt also als Fortbildung steuerlich absetzen konnten. Die mitreisende Ehefrau wurde natürlich gerne beim Landgang begleitet. Auf diesen Reisen gab es für manchen Offizier wenig Schlaf. Z.B. Wache 4-8, Dinner um 8, danach die Bar und der Tanz, dann wieder 4-8 und vielleicht die Begleitung beim Landgang gegen 9 Uhr.
Es hat mir gefallen auf dem Schiff, auch mit dem halben Streifen den ich da hatte. Ich habe auch in den Semesterferien gerne wieder angeheuert. Habe aber das angebotene Stipendium verbunden mit der Verpflichtung dann die gleiche Zeitdauer auf dem Schiff zu arbeiten abgelehnt. Ich wollte mich nicht binden lassen. Das Geld hätte ich mitnehmen können. Vor dem Ende des Studiums war die DAL Insolvent.

Bilder folgen noch.

Gruß

Fritz
Fritz
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Fritz »

Hier nun einige Fotos.


Landausflug mit Mietwagen
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Treffen auf See, Hanseatic und Hamburg.
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Treffen auf See, Hanseatic und Gorch Fock
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Kleine Show beim Treffen mit der Hamburg
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Auf Reede in der Karibik
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Stephan Giesen
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Stephan Giesen »

Vielen Dank, Fritz, für die Schilderung Deiner Erfahrungen auf der HANSEATIC und natürlich auch für die tollen Bilder, insbesondere der HAMBURG, auf der meine Eltern etwa zu der Zeit des Fotos eine Kreuzfahrt unternommen haben.

Ich plaudere einfach mal im Gegenzug ein wenig aus meiner AIDA-Zeit, so dass man einen Vergleich zwischen damals und "heute" - wobei man das ja 15 Jahre später so auch nicht mehr sagen kann - bekommt. Einiges davon habe ich sicher an anderer Stelle schonmal zum besten gegeben.
Die Privilegien, die man hier als Offizier hatte, waren schon etwas umfangreicher als zu Deiner Zeit. Zunächst hatte man recht großzügige Einzelkammern mit eigenem Bad (siehe unten zur Veranschaulichung meine Kammer auf der AIDAdiva). Die waren ordentlich ausgestattet, aber kein Vergleich zu denen, die ich später mal auf den Disney-Schiffen gesehen hatte (die waren wie die Pax-Kabinen ausgestattet und hatten sogar Badewanne). Die Kabinen wurden täglich gereinigt, Uniform und private Oberbekleidung hängte man morgens an die Tür und hatte sie abends gebügelt wieder zurück. Man konnte sich in allen öffentlichen Bereichen frei bewegen und aufhalten, nur das Casino auf der Sphinx-Klasse (also ab AIDAdiva) war tabu. Die Frischluft-Möglichkeiten waren auch eher beschränkt: Da gab es die Back mit einem kleinen Whirlpool, die der Crew vorbehalten war und achtern einen offenen Bereich mit einer einfachen Bar und Bänken und Tischen. Da ich aber eh nicht so der Sonnenanbeter bin, habe ich da nichts vermisst.

Bis etwa 22.00 war Uniform angesagt (wobei bis 18.00 die Hosen weiß und abends dunkelblau waren), danach konnte man sich auch in Privatkleidung, jedoch mit Namensschild in den öffentlichen Bereichen bewegen. Zwang gab es hierbei überhaupt nicht, wobei es gerne gesehen wurde, wenn man sich auch mit den Paxen unterhalten hat. Grüppchenbildung innerhalb der Crew im öffentlichen Bereich war nicht gerne gesehen, wurde bis zu einem gewissen Punkt aber toleriert. Die nicht-gestreiften Crewmitglieder konnten einen sog. Leasure-Pin bei ihrem Vorgesetzten bekommen, der sie zum Betreten des öffentlichen Bereichs berechtigte. Zudem waren diese meist in Zweier-Kabinen untergebracht, in denen es schon ganz schön eng zuging. "Interessant" waren zu meiner Zeit als Safety Officer die Kabineninspektionen, bei denen man gezwungenermaßen und ungewollt auch Einblicke in die Privatsphäre der Crew bekam. Wenn man so gesehen hat, wie manch einer hauste, der sich nach außen als sonst wie wichtig und bedeutsam dargestellt hat, musste man sich oft sehr wundern. Unangenehm war dabei immer, wenn man höherrangige Crewmitglieder verwarnen musste (wegen Sauberkeit in der Kabine, Brandgefahr etc.) und die sich dann lauthals beim Clubdirektor beschwerten, der dann wiederum beim Kapitän vorsprach, noch bevor die Inspektionsrunde beendet war. Meistens hatte man da aber normalerweise immer die volle Rückendeckung, aber beliebt machte man sich damit natürlich selten. Dafür wurde dann im Gegenzug gerne mal versucht, Fehlverhalten im öffentlichen Bereich nachzuweisen, in meinem Fall jedoch leider immer erfolglos, da hatten andere mehr "Glück". :lol:

Zu Beginn meiner Zeit bei AIDA habe ich die Privilegien gerne und oft genutzt, aber mit der Zeit verblasste der Reiz schnell. Irgendwann kannte man alle Shows und alle Mottoparties und auf bestimmten Reisen waren die Paxe auch teils sehr unangenehm. In die Restaurants bin ich irgendwann garnicht mehr gegangen. Natürlich war man immer bereit, auch während des Essens Fragen zu beantworten, aber wenn man quasi noch beim kauen aus dem Stuhl gerissen wird, um für ein Foto zu posieren, ging das doch zu weit. Da hat man doch die Ruhe der Offiziersmesse irgendwann vorgezogen.
Hin und wieder mal ins Steakhouse war jedoch ok, da es da keinen "Durchgangsverkehr" gab und Tischservice bestand, so dass es dort sehr ruhig zuging.

Wie an anderer Stelle sicher schon mal erwähnt, habe ich auf der AIDAaura auch meine Frau kennengelernt. Sie arbeitete dort als Juwelierin im Shop. Interessant zu beobachten war die Veränderung bei der Crew, die eintrat, nach dem bekannt war, dass wir zusammen waren. War sie anfangs noch sehr beliebt, hieß es dann schnell, man müsse vorsichtig sein, was man ihr sage, denn sie trägt ja gleich alles an die "böse" Schiffsführung weiter, was vollkommener Blödsinn war bzw. als ob ich nicht auch so wusste, was an Bord los ist ;) Als sie dann auch noch hochoffiziell in meine Kammer einzog, war es dann ganz vorbei. Als ich dann auf die AIDAdiva wechseln sollte und ein damals befreundeter Kapitän sich dafür einsetzte, dass wir auch dort zusammen fahren, erhielt sie während unseres Urlaubs einen Anruf aus Rostock, in dem ihr der Abteilungsleiter lautstark vorhielt, wie sie es wagen könne, sogar Kapitäne für ihren Vorteil einzusetzen und und und. Der folgende Einsatz war dann auch unser letzter gemeinsamer. Ich habe danach noch ein paar Kurzeinsätze gefahren und dann ebenfalls gekündigt. Es ist schade, dass die Reederei damals nicht begriffen hat, wie leicht sie Mitarbeiter hier hätte motivieren und an sich binden können. Aber wahrscheinlich haben wir nicht demütig genug "bitte, bitte" gesagt. Den Weggang bereuen wir jedenfalls beide nicht ansatzweise, erinnern uns aber trotzdem gerne an die Zeit zurück.

Wäre ich weiter zur See gefahren, wäre ich in jedem Fall bei der Kreuzfahrt geblieben. Die Möglichkeiten, die man im Vergleich zur Frachtschifffahrt hat, sind doch deutlich umfangreicher, die Aufgaben vielfältiger und die Hafenaufenthalte und Urlaube planbarer. Allerdings glaube ich, dass ich mit meiner Art in der heutigen Zeit und bei den ganzen Vorgaben dort heute auch nicht mehr so ohne weiteres klarkommen würde.

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Mit maritimen Gruß

Stephan
toni montana
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von toni montana »

Hi Stephan, vielen Dank für diese interessanten Eindrücke!
Schöne Grüße aus dem Münsterland!

Toni
toni montana
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von toni montana »

Fritz hat geschrieben: Di 2. Jul 2024, 19:36 Hier nun einige Fotos.
Einfach genial - supervielen Dank dafür!
Schöne Grüße aus dem Münsterland!

Toni
Fritz
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Fritz »

Moin,

schon interessant was Stephan geschrieben hat, es ist auf der Aida schon doch anders gewesen als Ende der 60er Jahre auf der Hanseatic und den Schiffen die damals als Passagierschiffe fuhren.
Kreuzfahrten waren damals auch eher was für Leute mit etwas höherem Einkommen, scheinbar exklusiver als heute. Ich meine, dass wir mit der Hanseatic auf Atlanticüberquerungen (linienschiffcharakter) auch noch 2 Klassen hatten. Auch meine ich mich zu erinnern, dass wir in der Karibik das teuerste Schiff waren. Entsprechend das amerikanische Publikum. Die Passagiere lobten mitunter die Tatsache, dass es an Bord keine farbigen Besatzungsmitglieder gab, sie wurden eben nicht vom "Nigger" bedient beim Dinner.

Gruß

Fritz


Ich denke das war die Europa
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Queen Elisabeth in Port Everglades als Museumsschiff. Später in Honkong ausgebrannt
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Die QE fährt auch nicht mehr.
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Die Lords an Bord
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Stephan Giesen
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Re: Der Nostalgie-Thread

Beitrag von Stephan Giesen »

Fritz hat geschrieben: Fr 5. Jul 2024, 16:56 Moin,

schon interessant was Stephan geschrieben hat, es ist auf der Aida schon doch anders gewesen als Ende der 60er Jahre auf der Hanseatic und den Schiffen die damals als Passagierschiffe fuhren.
Kreuzfahrten waren damals auch eher was für Leute mit etwas höherem Einkommen, scheinbar exklusiver als heute. Ich meine, dass wir mit der Hanseatic auf Atlanticüberquerungen (linienschiffcharakter) auch noch 2 Klassen hatten. Auch meine ich mich zu erinnern, dass wir in der Karibik das teuerste Schiff waren. Entsprechend das amerikanische Publikum. Die Passagiere lobten mitunter die Tatsache, dass es an Bord keine farbigen Besatzungsmitglieder gab, sie wurden eben nicht vom "Nigger" bedient beim Dinner.

Gruß

Fritz
Tolle Bilder, Fritz, danke dafür. Die QE2 ist hier quasi noch jungfräulich ohne die zahlreichen Um- und Anbauten, die dann noch erfolgten.

Schlimm, dass solche Aussagen damals noch so getätigt werden konnten und man sich dann wahrscheinlich auch noch artig für das Lob bedanken musste, aber die Gräuel das 2. Weltkrieges und die damit einhergegangen rassistischen Untaten waren für die meisten Amerikaner weit weg und kaum greifbar. Auch ich habe als Kind noch Ende der 70er erlebt, wie meine Eltern und ich mit einem - bis dahin noch - befreundeten Ehepaar essen gehen wollten und er nach einem zufälligen Blick durch die Durchreiche in die Küche sagte, hier werde er nicht essen, es seien ihm zu viele Farbige dort. Wir haben dann einen netten Abend ohne diese Herrschaften verbracht. Auch wenn Rassismus niemals ausgerottet werden wird, ist es doch gut, dass heute die freie Meinungsäußerung diesbezüglich einigermaßen begrenzt ist und nicht jeder, der so tickt, seinen geistigen Müll so ohne weiteres abladen kann bzw. man Möglichkeiten hat, dagegen vorzugehen. Als Crewmitglied zu der Zeit konnte man sich das jedoch sicher nicht leisten.

Die Entwicklung, die die Kreuzfahrt seit dem bis heute gemacht hat, ist schon krass, was nicht heißt, dass ich es gut finde, wie es heute ist. Ein gesundes Mittelmaß zwischen damals und heute würde mir glaube ich gefallen, aber wer fragt mich schon danach? :roll:

Zur HAMBURG, die Du zuvor gezeigt hast, ist mir eingefallen, dass meine Eltern auf der besagten Kreuzfahrt auch der GORCH FOCK begegnet sind. Der Kommandant und der Kapitän kannten sich wohl und haben sich abgesprochen, so dass während der Begegnung die Matrosen in den Wanten standen. Da bekommt meine Mutter heute noch feuchte Augen, wenn sie davon erzählt. Leider gibt es davon keine Bilder, wohl aber von einer weiteren Kreuzfahrt später auf der Vistafjord:

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Mit maritimen Gruß

Stephan
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